Mach, was wirklich zählt.

Zwei AMPT-Soldaten stehen bewaffnet vor dem Transportflugzeug und bewachen das Gelände.
Ein Blick in den Frachtraum des Transportflugzeugs Transall zeigt die bewaffneten AMPT-Soldaten.

Die AMPT-Soldaten bewachen den Innenraum der Transall.

Foto: © Bundeswehr / Kevin Schrief

Das Air Mobile Protection Team – Jederzeit einsatzbereit

Vom Objektschutzregiment der Luftwaffe im niedersächsischen Schortens gibt es eine besondere Spezialisierungsmöglichkeit für die Soldatinnen und Soldaten: Das Air Mobile Protection Team, kurz AMPT.

Das AMPT sorgt für den Schutz von Flugzeugen, von Hubschraubern, der Crew und der Passagiere. Sie sind schnell einsatzbereit und unterstützen im Bedarfsfall auch in Krisengebieten.

Startbereit steht die Transall C-160, ein taktisches Transportflugzeug der Luftwaffe, auf dem Rollfeld. Das Hilfstriebwerk läuft bereits, der Pilot ist mit Startvorbereitungen beschäftigt und die Maschine wird unter der rechten Tragfläche betankt. Rings um die Transall stehen bewaffnete Objektschutzsoldaten, die das Flugzeug und die Crew sichern. Trotz der knapp 30 Grad sind alle voll konzentriert.

Ein AMPT-Soldat läuft über das Rollfeld.

Oberstabsgefreiter Kurtz* eröffnet das Feuer. Ein Kamerad hat bereits eine Nebelgranate geworfen, hinter deren Rauch die Sicherer nicht gesehen werden.

Foto: © Bundeswehr / Kevin Schrief

Plötzlich fallen Schüsse, doch aufgrund der Lautstärke des Hilfstriebwerks ist Oberstabsgefreiter Michael Kurtz* der Einzige, der sie hört. Er schaut sich um und sieht Mündungsfeuer in einem nahen Waldstück. Sofort geht er mit seinem G36 in Anschlag und erwidert das Feuer.

Einer der Soldaten wirft Nebelgranaten, der Tankwagen fährt zurück und die Objektschutzsoldaten sammeln sich in einem kleinen Graben hinter der Transall. Gegenseitig geben sie sich Feuerschutz und steigen nacheinander durch die Laderampe ins Flugzeug. Noch während die C-160 zur Startbahn rollt, überwachen zwei Schützen das Waldstück.

Aber hierbei handelt es sich um keine echte Gefahrensituation und der Flugplatz liegt auch nicht in einem Krisengebiet: Es ist der Fliegerhorst Laupheim in Baden-Württemberg, von dem aus die Transall gerade steil startend in den Himmel abhebt. Vom ersten Schuss bis zum Abheben der Maschine dauert es gerade einmal fünf Minuten. Ein Zeichen dafür, dass sich die Ausbildung und Absprachen zwischen Crew und Objektschützer auszahlen. 

Ein AMPT-Soldat beugt sich aus der sich schließenden Frachtluke der Transall, um bis zum Schluss zu bewachen.

Bis zur letzten Sekunde überwacht der Objektschützer das Waldstück, aus dem die Schüsse kamen.

Foto: © Bundeswehr / Kevin Schrief

Der Lehrgang des Air Mobile Protection Team (AMPT) dauert zwei Wochen. Hier werden die Objektschützer aus Schortens für die Arbeit am Luftfahrzeug ausgebildet. Eine Aufgabe, für die nicht jeder infrage kommt. Einer der Teamführer ist Hauptfeldwebel Andreas Tübner*. „Ich mag die Spezialisierung und die Herausforderung“, sagt der 33-Jährige. „Besonders die Arbeit im Team und Verantwortung zu übernehmen, finde ich gut.“

Während des Lehrgangs werden die Soldaten an die Luftfahrzeuge der Luftwaffe und ihre Gefahrenbereiche gewöhnt. Sie müssen mit der enormen Lautstärke klarkommen und genaue Absprachen mit den Piloten und den Ladungsmeistern treffen. „Wir sind froh, dass das AMPT uns zukünftig in die Krisengebiete begleiten kann“, sagt Björn Winkler*, Kommandant der Transall.

„Am Boden sind wir nahezu ungeschützt und auf uns allein gestellt. Da ist es beruhigend, dass wir jemanden haben, der auf uns aufpasst.“ Also simulieren die Ausbilder nahezu alle Situationen, mit denen das AMPT auch im Einsatz konfrontiert werden kann.


Ausbilder lernen durch Erfahrung

Die AMPT-Soldaten erfahren von den Ausbildern auf einer Lichtung die Auswertung einer Übung.

Alles wird im Anschluss ausgewertet. So bekommen alle ein besseres Gespür für die Situationen und lernen voneinander.

Foto: © Bundeswehr / Kevin Schrief

Der Lehrgang wird durch das Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg in Bayern geleitet. Von hier kommen die vier Ausbilder, die für den Lehrgang nötig sind. So können die Übungen aus jedem Blickwinkel, vom Boden und aus der Luft genau betrachtet und besser ausgewertet werden. Auf dem Lehrgang trainieren die Sicherungssoldaten nicht nur mit der Transall, sondern auch mit den deutschen Transporthubschraubern CH-53. Auch dabei erschwert die Lautstärke die Kommunikation untereinander. Zu der besonderen Ausrüstung, die für das AMPT erforderlich ist, gehört unter anderem ein spezieller Gefechtshelm, der mit einem aktiven Gehörschutz kompatibel ist. Dann können die Objektschützer nicht nur untereinander besser den Kontakt halten, sondern auch die Absprachen mit der Crew besser koordinieren.


Kompetenz und Ausstrahlung zählen

In der Transall üben die AMPT-Soldaten auch während des Fluges, was im Frachtraum passieren kann. „Jeder Passagier wird von uns durchsucht und bekommt einen Platz zugewiesen“, erklärt Hauptfeldwebel Tübner*. Vom einfachen Zivilist mit Flugangst bis hin zum potentiellen Attentäter, der Richtung Cockpit stürmt, wird alles geübt.

Zwei AMPT-Soldaten stehen bewaffnet vor der Transall auf dem Rollfeld.

Abhängig von der Bedrohungslage tragen die AMPT-Soldaten Sturmgewehr und Helm oder sind nur leicht bewaffnet.

Foto: © Bundeswehr / Kevin Schrief

Dazu treten die Soldaten immer selbstbewusst auf. „Oft reicht schon die bloße Anwesenheit eines ernst aussehenden Uniformierten, um eine Situation zu entschärfen“, erklärt einer der Ausbilder. „Aber die Männer können jederzeit bis zum Waffengebrauch eskalieren.“ Es ist nötig, dass jeder Einsatz gut vorbereitet wird. Bei einem Mission-Briefing werden nicht nur aktuelle Satellitenbilder und Wetterdaten ausgewertet, es wird auch die Art des Auftretens festgelegt.

Je nach Bedrohung bleiben die Soldaten vor Ort entweder im Flugzeug oder sie steigen mit oder ohne Gefechtshelm und Sturmgewehr aus. Auch das eigentlich fünfköpfige Team kann im Ernstfall aufgestockt werden. Jede neue Mission beinhaltet Besonderheiten und wird individuell geplant.


Landung auf wenigen hundert Metern

Beim Flug werden die Soldaten auch auf die verschiedensten Flugmanöver vorbereitet. Zum Beispiel bei der taktischen Steillandung fliegt die Transall im dreifach steileren Winkel als üblich Richtung Erde. „Dadurch entgehen wir lange Zeit dem Beschuss vom Boden aus“, sagt Winkler*. Erst im letzten Moment zieht er die Nase nach oben und setzt sanft auf dem Rollfeld auf.

Ein Blick ins Cockpit der Transall im Landeanflug. Aus den Fenstern heraus sieht man die Landschaft.

Man kann schon fast einzelne Grashalme erkennen, als der Pilot im letzten Moment die Nase nach oben zieht und landet.

Foto: © Bundeswehr / Kevin Schrief

Die sogenannte „Sarajevo-Landung“ bekam ihren Name während des Bosnienkonflikts, als die Transportflieger immer wieder beim Landeanflug beschossen wurden. Heute ist die Steillandung ein taktisches Landeverfahren, das jeder Pilot beherrscht. „Im Gegensatz zu den Piloten haben wir im Frachtraum nur winzige Fenster. Da kann einem schon schwindelig werden, wenn man nicht den Horizont sieht. Aber im Team sind alle flugtauglich“, sagt Teamführer Tübner* mit Gelassenheit. „Ich bin gespannt auf meinen ersten Einsatz. Aber ich weiß, dass wir gut ausgebildet sind und dass ich meinen Männern blind vertrauen kann.“


*Die Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert.

Autor: Philipp Rabe

Das Air Mobile Protection Team. Jederzeit Einsatzbereit.