Portrait unseres Auszubildenden Murat Yalcin

Portrait unseres Auszubildenden

Foto: © Bundeswehr / Stephan Ink

In Liegenschaften und Gebäuden unterwegs

Murat Yalcin, 23 Jahre, Auszubildender zum Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme: „Murat, du bist bei der Bundeswehr?“


Aufräumen mit Vorurteilen

Eine Materialprüfung eines großen Leuchtmittels

Materialprüfung eines großen Leuchtmittels

Foto: © Bundeswehr / Stephan Ink


„Murat, du bist bei der Bundeswehr?“, staunen viele aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, erinnert sich Yalcin. Er muss dann immer wieder erklären, dass er kein Soldat ist, sondern als ziviler Angestellter in der Bundeswehr seine Ausbildung macht. Er betont, dass es alle in seinem Umfeld gut finden, wenn er bei der Bundeswehr arbeitet. „Natürlich bin ich durch meinen Job in meinem privaten Umfeld ein Exot. Aber das ist ok. Meine Eltern freuen sich sehr und auf der Arbeit gibt es keinerlei Probleme - weder mit meiner türkischen Abstammung noch mit meiner Schwerhörigkeit“, sagt der angehende Elektroniker. Im Alter von sechs Jahren stellte ein Arzt seine Schwerhörigkeit auf beiden Ohren fest. Darum muss er ein Hörgerät tragen. Seine Kollegen und die Chefs wissen um diese Schwerbehinderung. Darum müssen sie auch mal ein bisschen lauter sprechen oder ihn direkt mit „Murat“ rufen. „Dann höre ich auch“, scherzt er.


Einsatzbereiche: Starkstrom und Gebäudeinstallationen

Eine Starkstromprüfung durch den Mitarbeiter Murat Yalcin

Starkstromprüfung

Foto: © Bundeswehr / Stephan Ink


Gefährlich? „Wir arbeiten ab und zu mit Starkstrom. Natürlich ist unsere Arbeit als Elektroniker nicht ganz ungefährlich. Ich befolge aber die Sicherheitsregeln, da passiert dann auch nichts“, sagt Murat Yalcin. So misst Yalcin jedes Mal, ob Strom anliegt und schaltet sorgsam zuvor den zu bearbeitenden Abschnitt ab. Um ganz sicher zu gehen, prüft der Elektroniker für Gebäude und Infrastruktursysteme sogar jedes Mal das Kabel, selbst wenn er nur wenige Sekunden weg war. Sicher ist sicher. Und so ist Murat Yalcin ohne Unfälle bis in das vierte Ausbildungslehrjahr gekommen.


Gute Geister im Hintergrund

Ein Leuchtmittelwechsel an einer Straßenlaterne auf einer Hubleiter

Birnenwechsel ganz oben

Foto: © Bundeswehr / Stephan Ink


Arbeit gab es für den Elektroniker-Azubi des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums in Köln und seine 23 Kollegen genug. Allein in der Kölner Luftwaffenkaserne ist das Team für rund 200 Gebäude und über 1.000 Lampen der Straßenbeleuchtung zuständig. Sie warten, installieren und reparieren alle Klimaanlagen, Lüftungen, Lampen, Verkabelungen und andere elektronischen Geräte. „Vor allem nach Blitzeinschlägen und wenn ein Bagger mal ein Kabel durchtrennt, sind wir sehr gefragt, wenn der Strom wegbleibt“, sagt der junge Mann. Dabei arbeiten Yalcin und Co eher im Hintergrund. „Die meisten Soldaten, Beamten und Zivilangestellten bekommen gar nichts davon mit, wenn wir Schäden reparieren. Irgendwann brennen dann wieder wie von Geisterhand die Lampen. Wir geben den Menschen hier den Strom, damit sie arbeiten können“, erklärt Yalcin. Der 23-Jährige ist in Deutschland geboren, besitzt aber auch noch den türkischen Pass. Kein Wunder, dass sein Arbeitgeber zu Hause für Aufsehen sorgte.


Perspektiven einer Ausbildung

Die Reparatur eines Heizlüfters in einer Werkstatt

Reparatur eines Heizlüfters

Foto: © Bundeswehr / Stephan Ink


Yalcin fühlt sich sehr gut ausgebildet und ihm gefällt, dass er seinen Meister und die Kollegen immer noch mal fragen kann, wenn man nicht sicher ist oder etwas nicht versteht. „Zudem gibt es hier Gleitzeit und keine starren Anfangs- und Endzeiten, man bekommt auch mal eine kurze Pause, wenn es anstrengend wird und die Meister achten darauf, dass man nicht gerade die Straßenbeleuchtungen austauschen muss, wenn es in Strömen regnet oder schneit. Besser geht es nicht“, zählt der Azubi die Vorteile auf. Für ihn ist klar: nach bestandener Abschlussprüfung würde er gerne bei der Bundeswehr bleiben. Dafür würde er auch in eine andere Kaserne wechseln.

Autor: Björn Jüttner