Eine Mitarbeiterin des Geoinformationsdienstes an Deck eines Segelschiffs.

Ozeanographin Eva N. im Portrait

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Im Geoinformationsdienst der Bundeswehr

Eva N., 27 Jahre, Ozeanographin, ist Arbeitnehmerin des Zentralen Geoinformationsdienstes der Bundeswehr in der Meteorologischen und Ozeanographischen Beratungsstelle der Deutschen Marine.


"Bei der Deutschen Marine sind wir für die Unterwasserschallberatung Ansprechstelle Nummer Eins. Wir bekommen oft direkte Anfragen nach den Schallbedingungen beispielweise von U-Booten für Einsätze oder Übungen."


„Mein Weg in den Geoinformationsdienst begann mit einer witzigen Idee.“

Eigentlich war es von ihr nur als eine witzige Anfrage gedacht. Als gebürtige Rostockerin war sie auf der Hanse Sail in ihrer Heimatstadt und wollte mal ausprobieren, wie die Karriereberater der Bundeswehr auf sie als angehende Ozeanographin reagieren. So ging sie als Bachelorstudentin im zweiten Semester an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel in den Karrieretruck der Bundeswehr und fragte frech: "Die Bundeswehr wirbt doch immer so toll, dass sie Jobs für alle haben. Wie sieht es denn mit Ozeanographen aus?"

Erwartet hatte sie ein "Ozeano....was?". Aber der Karriereberater nahm ihr Anliegen freundlich auf und gab ihr die Broschüre Geoinformationsdienst in die Hand. Er empfahl ihr noch, sich in der Zentrale des Geoinformationsdienstes in Euskirchen zu melden. Etwas verdutzt kam sie wieder nach Hause und meldete sich dort. Hier verwies man sie an den Geoinformationsdienst des Marinekommandos in Glücksburg, wo man auch Praktika machen könne. 

Eine Frau steht vor einer Wand mit verschiedenen Wandkarten.

Unsere Mitarbeiterin steht vor einer Kartenwand.

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof


So entstand aus einem Jux eine Zukunft. Denn sie absolvierte dort tatsächlich ein vierwöchiges Berufspraktikum und bekam hier auch den einzigartigen Hinweis auf das Stipendium des Geoinformationsdienstes. Zudem war ihr großes Glück, dass ein Ozeanograph in der Dienststelle sein Dienstzeitende genau zu dem Zeitpunkt erreichte, zu dem sie mit ihrem Studium fertig werden würde. "Da war für mich sofort klar, dass ich mich für das Stipendium der Meteorologie bewerbe, was ein halbes Jahr später auch geklappt hat. Somit war mein Weg vorherbestimmt", sagt Eva N. Sie gab ihre Masterarbeit einen Monat früher ab, um nach dem Studium der Ozeanographie und Meteorologie bei der Bundeswehr am 1. Dezember in Glücksburg anzufangen.


Eine Mitarbeiterin sitzt an einem Bildschirmarbeitsplatz.

Am Schreibtisch von Eva N.

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

"Hier in Glücksburg bin ich unter anderem für die Vorhersagen von Wassertemperaturen, Schallbedingungen, Eisbedeckung sowie Wasserstandswarnungen (Hoch- und Niedrigwasser) der Nord- und Ostsee und für alle relevanten Seegebiete, in denen die Deutsche Marine operiert, zuständig. Von unseren Vorhersagen profitieren alle Boote und Schiffe."

Beispiel Eisbedeckung: Besonders in kalten Wintern, wie zum Beispiel 2009/2010, erreichen den Geoinformationsdienst pro Tag zahlreiche Anrufe, ob man aus dem Hafen aus- oder wieder einlaufen kann. So etwas ist wichtig, wenn beispielsweise Werftliegezeiten oder Übungen anstehen. Dafür fertigen die Verantwortlichen im Winter für alle Marinestützpunkte eine tägliche Vorhersage an und überwachen die Eisbedeckung in Nord- und Ostsee. 

Eine Mitarbeiterin bereitet an Bord eines Segelschiffs eine Wasser-Schallvorhersage vor.

Vorbereitung einer Schallvorhersage im Geoinformationsdienst

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof


"Schallvorhersagen erstellen wir mit einem speziellen Programm zur Berechnung der Ausbreitungswahrscheinlichkeiten von Schallstrahlen. Ich gebe dort die verschiedenen Parameter wie Regen, Wind und Wellenhöhe ein. Zudem muss ich schauen, wie viel Schiffsverkehr in dem Bereich stattfinden wird", sagt die 27-Jährige. All das hat Auswirkungen auf die Sonarreichweiten, denn wenn es an der Oberfläche "laut" ist, kann man schlechter "hören".

Das Programm errechnet dann anhand von Formeln die Ausbreitungswahrscheinlichkeiten und Reichweiten des Unterwasserschalls für die Einheiten, zum Beispiel für ein U-Boot in einem Seegebiet. An solchen Berechnungen und den dafür notwendigen Recherchen sitzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Geoinformationsdienstes gut einen Tag.


Für die Piloten in Nordholz ist dagegen die Wassertemperaturenkarte sehr wichtig, die jeden Montag, Mittwoch und Freitag neu gezeichnet, versendet und ins Intranet der Bundeswehr gestellt wird. Den Piloten fällt sofort auf, wenn diese Karte fehlt. Die Wassertemperaturen in Nord- und Ostsee sind entscheidend dafür, ob die Piloten bei ihrem Flug einen Überlebensanzug tragen müssen oder nicht.

Zudem werden die Wasserstandswarnungen von Eva N. und ihren Kolleginnen und Kollegen an die Marinestützpunkte heraus gegeben. Das, was das Bundesamt für Seefahrt und Hydrographie für die zivile Schifffahrt macht, übernehmen sie für die Bundeswehr. Darunter fallen die Hoch- und Niedrigwasserwarnungen für Nord- und Ostsee. Letztere verhindern, dass die Einheiten der Marine auf Grund laufen. Aufgrund unserer Warnungen vor Hoch- oder Niedrigwasser können Einheiten in einen anderen Marienestützpunkt verlegt werden. 

Ein Vorbereitungsgespräch zwischen Kommandant und Mitarbeiterin des Geoinformationsdienstes

Ein Vorbereitungsgespräch mit dem Kommandanten

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Eva N.: "So sorge ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen dafür, dass die Boote und Schiffe der Deutschen Marine nicht in umweltbedingt gefährliche Situationen geraten und die Soldatinnen und Soldaten auf den Meeren ihren Auftrag erfüllen können. Eine sinnvollere Arbeit kann ich mir daher nicht vorstellen."

Autor: Björn Jüttner