Soldat im Portrait

Oberfeldwebel Andreas Hultgren

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Oberfeldwebel Andreas Hultgren (28), Gruppenführer Fallschirmjäger

Es dämmert bereits, als die Transall C-160 sich dem Absetzgebiet über dem Truppenübungsplatz nähert. Aus dem Augenwinkel sieht Oberfeldwebel Andreas Hultgren das Signal des Absetzleiters, der den Kontakt mittels Funk zum Cockpit hält. Noch 15 Minuten. Gleichzeitig leuchtet das rote Licht über der Tür auf. Hultgren gibt seinen Soldaten das Signal, sich vorzubereiten.

Mann an Mann sitzen 27 Soldaten dicht gedrängt auf beiden Seiten im rechten Bereich der Transall – den Fallschirm T-10 verpackt auf dem Rücken, den Reserveschirm in einer kleinen Tasche vor den Bauch geschnallt und die Ausrüstung im Sprunggepäck an die Beine geschnallt. Weitere 30 Soldaten betreut der Absetzer auf der anderen Seite. Die Aufregung ist spürbar – das ist kein üblicher Sprung. Diesmal springen die Soldaten in eine laufende Großübung der Division Spezielle Operationen auf dem Übungsplatz in der Oberlausitz.

Gruppenführer im Fallschirmjägerbataillon

Oberfeldwebel Hultgren beim Einweisen von Soldaten

Intensive Ausbildung bereitet die Soldaten auf ihren späteren Auftrag vor

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Oberfeldwebel Andreas Hultgren (28) ist Gruppenführer bei der 2. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 261 in Lebach. Verantwortlich ist er für zehn Soldaten. Die Mannschaftsdienstgrade haben sich für vier oder acht Jahre in der Fallschirmjägertruppe verpflichtet.

Das Bataillon zählt zur schnellen Eingreiftruppe der Division Spezielle Operationen. Der 10.600 Mann starke Verband ist Dank der Ausbildung und modernsten Ausrüstung in kurzer Zeit über weite Entfernungen einsetzbar. Unter anderem stehen die Soldaten bereit, um militärische Evakuierungsoperation von Soldaten oder deutschen Staatsangehörigen aus kriegerischen Auseinandersetzungen durchzuführen.

Vom ersten Tag an

Die ihm unterstellten Soldaten betreut Oberfeldwebel Hultgren bereits seit dem ersten Tag ihrer Grundausbildung. Danach folgte die einsatzorientierte Spezialgrundausbildung und schließlich weitere Lehrgänge und Ausbildungsabschnitte: Waffengeräteausbildung (Handfeuerwaffen, Panzerabwehrwaffen, Wärmebildgerät, u.s.w), Kraftfahrlehrgänge, Springerlehrgang und Schießausbildungen. „Von der Grundausbildung an waren wir etwa 1,5 Jahre mit den weiteren Ausbildungen beschäftigt“, berichtet Gruppenführer Hultgren. Doch lang wurde die Zeit nicht. „Das war hochspannend und praxisnah“, sagt er.

In dieser Zeit wuchs die Gruppe zu einem festen Team zusammen, in dem jeder seinen Platz hat. Die Aufgabe des Gruppenführers bestand in der Zeit darin, die Talente der Soldaten zu erkennen.

„Fallschirmjäger sind universell als Fahrer, Maschinengewehr-Schütze oder Funker einsetzbar, aber jeder einzelne hat doch spezifische Talente in einzelnen Bereichen“, berichtet Hultgren.

Daher hat in der Gruppe jeder Soldat eine feste Funktion, kann aber jederzeit einen anderen Kameraden ersetzen.

Hohe Verantwortung

Sieben Minuten später in der Transall: X-8 Minuten – das nächste Signal des Absetzleiters Oberfeldwebel Hultgren bedeutet der ersten Sprungreihe, sich fertig zu machen. Die Soldaten stehen auf und haken die gelben Leinen in das quer durch die Transall gezogene Drahtseil ein. Beim Absprung sorgt die gelbe Leine dafür, dass der Fallschirm aus dem Verpackungssack gezogen wird und sich im Luftstrom automatisch öffnet. Hultgren als verantwortlicher Absetzer geht die Reihe der Soldaten entlang und prüft nochmals die Ausrüstung. Die Verantwortung für den Oberfeldwebel ist hoch – aber die Soldaten sind gut ausgebildet. Es gibt auch diesmal keine Probleme. Mit dem Daumen nach oben signalisiert der erste Springer dem Absetzer: Wir sind bereit.

Die Laufbahn von Oberfeldwebel Andreas Hultgren begann in der Ausbildungskompanie des Fallschirmjägerbataillons 261 in Saarlouis. Der gelernte Dachdecker leistete dort seinen verlängerten Grundwehrdienst und ging als Hauptgefreiter das erste Mal in den Auslandseinsatz nach Afghanistan. Sechs Monate war er dort beim zweiten Einsatzkontingent als Richtschütze auf dem Transport-Fahrzeug Dingo eingesetzt.

Wechsel in die Laufbahn der Feldwebel

Hultgren mit Soldaten auf der Hindernisbahn

Körperlich fordernde Übungen sind ein fester Bestandteil der Ausbildung

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Während des Einsatzes entschloss Hultgren, sich für die Feldwebel-Laufbahn zu bewerben. Zurück in Deutschland folgten die obligatorischen Lehrgänge, aber auch die Spezialausbildungen für Fallschirmjäger: Springerlehrgang, Absetzer-Lehrgang, Packer-Lehrgang und viele mehr. Außerdem absolvierte er die Einzelkämpfer-Lehrgänge.

Zurück in seiner Einheit stand dann der zweite Auslandseinsatz auf dem Programm: Für vier Monate war der damalige Feldwebel als stellvertretender Führer eines MOLT´s (Mobile Observation and Liaison Team) in Faizabad. Doch das war nicht der letzte Einsatz: Der dritte folgte wenig später in Kunduz.

Kameradschaft ist das Wichtigste

„Ich gehöre in meiner Einheit zu den Soldaten mit den größten Einsatzerfahrungen und Tagen im Auslandseinsatz“, berichtet Oberfeldwebel Hultgren heute. Die Zeit im Einsatz beschreibt er als fordernd und lehrreich. „Oft trägt man dort als Feldwebel die Verantwortung für Material im Wert von mehreren Millionen Euro, aber das wichtigste sind die Kameraden. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit“, berichtet er. Als besonders positiv empfand er dort auch die gemeinsame Arbeit mit anderen Nationen. 

„Es geht dort alles nur gemeinsam – die Kameradschaft untereinander ist daher mit das Wichtigste.

In den restlichen Dienstmonaten des Oberfeldwebels steht bislang kein weiterer Einsatz auf dem Plan. „14 Monate Auslandseinsatz in den bisher sieben Jahren bei der Bundeswehr sind schon viel“, schmunzelt er. Doch die Lage kann sich insbesondere bei der Division Spezielle Operationen schnell ändern. Aber für Oberfeldwebel Hultgren ist völlig klar: „Wenn meine Männer in den Einsatz gehen, bin ich selbstverständlich mit dabei.“

Das Ziel: Berufssoldat

Oberfeldwebel Andreas Hultgren hat sich als Berufssoldat beworben. „Ich möchte auf jeden Fall weitermachen“, ist er sicher. Als positiv führt er vor allem das tolle Umfeld mit den Kameraden in seinem Bataillon an. Außerdem arbeite er gerne mit anderen zusammen. Seine Erkenntnis: „Als Team kann man unwahrscheinlich viel erreichen.“

Eines seiner schönsten Erlebnisse war vor zwei Jahren, als er als Teil einer Abordnung deutscher Fallschirmjäger beim Nationalfeiertag am 14. Juli über die Avenue des Champs-Élysées marschierte. Außerdem besitzt der Oberfeldwebel durch die deutsch-französischen „Colibri“-Übungen das französische Fallschirmspringerabzeichen. In seiner Freizeit engagiert sich der 28-Jährige außerdem für die Reservistenkameradschaft Köllertal.

„Die Bundeswehr ist fester Bestandteil meines Lebens. Es wäre schade, wenn das in wenigen Monaten nach zwölf spannenden und intensiven Jahren zu Ende geht“, sagt Hultgren.

Konzentration vor dem Sprung

Zurück zur Transall: Zwei Minuten vor der Absprungzone öffnet Oberfeldwebel Hultgren die seitliche Tür. Die frische Abendluft weht in die Maschine – Wind und Triebwerkslärm machen Gespräche unmöglich. Die Piloten haben vorher die Geschwindigkeit bis auf 240 Kilometer pro Stunde verringert.

Ein letzter ermunternder Blick zu seinen Soldaten, dann schaltet das Licht im Türrahmen von rot auf grün. Gleichzeitig ertönt laut und nervig die Hupe, die signalisiert: Das Gebiet ist erreicht. Der Schlag auf die Schulter des ersten Springers leitet das Absetzen ein. Nun gibt es kein Zurück mehr. Soldat auf Soldat verlassen die Springer auf beiden Seiten die Maschine.

Hultgren blickt den Soldaten nach – alle Schirme haben sich geöffnet. Der erste Anflug ist geschafft, die erste Gruppe erfolgreich abgesetzt. Etwa 30 Sekunden benötigen die Soldaten aus der Höhe von 400 Metern bis zum Boden. Die Transall setzt zum zweiten Anflug an. Diesmal macht sich auch Oberfeldwebel Hultgren absetzbereit.

Zum zweiten Mal schaltet das Licht auf grün – die Hupe ertönt. Die 10 Soldaten von Hultgrens Gruppe verlassen innerhalb weniger Sekunden die Maschine. Ein letzter Blick, dann springt auch der Oberfeldwebel hinterher.

Bewerbung

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Ausbildung zum Feldwebel des Truppendienstes
AusbildungsabschnittDauer
Allgemeine Grundausbildung3 Monate
Militärfachliche Ausbildung2 - 5 Monate
Feldwebelanwärterlehrgang3 Monate
Truppenpraktikum2 - 3 Monate
Feldwebellehrgang Teil 13 Monate
Truppenpraktikum und Einastz auf dem Dienstpostenbis zu 12 Monaten
Feldwebellehrgang Teil 2 und Fremdsprachenausbildung3 - 5 Monate