Portrait eines weiblichen Offiziers der Luftwaffe vor einem Radargerät

Eine selbstbewusste junge Frau

Foto: © Bundeswehr / Andreas Hassler

Die Lizenz zum Jagen - Aircraftcontrollerin Leutnant Carina Dickel

Die 29-jährige Aircraftcontrollerin Leutnant Carina Dickel besetzt ihre Position in der Luftraumüberwachungszentrale. Sie wird von ihrem Vorgesetzten über den aktuellen Status und die Position des sogenannten „LossCom-Flugzeugs“ (Flugzeug ohne Funkkontakt zur Deutschen Flugsicherung im Deutschen Luftraum) informiert. Kurz darauf wird der Start einer Alarmrotte befohlen.

Die Jagd beginnt

Ein schwarzes Monitorbild mit sehr vielen hellen Symbolen für Flugbewegungen

Keine einfache Aufgabe, hier den Überblick zu behalten

Foto: © Bundeswehr / Andreas Hassler

Leutnant Dickel positioniert das Radarbild derart, dass sie sowohl die Alarmrotte, als auch das LossCom-Flugzeug auf dem Bildschirm sehen kann. Sie ist dafür verantwortlich, die Jagdflugzeuge sicher und auf dem schnellsten Weg durch einen viel beflogenen Luftraum zu ihrem Ziel zu führen. Unterstützt von einem Einsatzführungsfeldwebel wählt sie die notwendigen Funkfrequenzen. Einige Minuten später meldet sich ein Pilot der Alarmrotte auf ihrer Frequenz. Daraufhin weist sie der Alarmrotte das Ziel zu und nimmt sie auf einen Abfangkurs. Die Alarmrotte, bestehend aus zwei F-4 F Phantom, hat nun Priorität im Deutschen Luftraum: Alle Flugzeuge, die sich auf deren direktem Flugweg zum Ziel befinden, werden von der Flugsicherung umgeleitet. Während die Alarmrotte in den oberen Luftraum steigt, gibt Leutnant Dickel alle bereits vorhandenen Informationen über das Ziel an die Abfangjäger weiter. Dabei soll es sich um eine Boeing 737-700 handeln, die nach Stockholm fliegt.

Eine Soldatin der Luftwaffe während ihrer Ausbildung zum Flugsicherungsoffizier

Carina Dickel in der Ausbildung

Foto: © Bundeswehr / Andreas Hassler

Im Endanflug führt Leutnant Dickel die Alarmrotte langsam von hinten an das LossCom-Flugzeug heran. Nachdem die Abfangjäger Sichtkontakt mit dem Ziel aufgenommen haben, befiehlt ihnen die Aircraftcontrollerin auf die Höhe der vermeintlichen Boeing zu steigen. Die Alarmrotte geht nun in Position und Leutnant Dickel erwartet das Ergebnis der Identifizierung. Sobald das Flugzeug als Boeing 737-700 identifiziert wurde, ordnet Oberleutnant Dickel einen sogenannten „Cockpit-Check“ an. Daraufhin setzt sich eine der „Phantoms“ neben die Boeing und versucht Sichtkontakt mit der Besatzung aufzunehmen. Sobald die Piloten der Boeing das Jagdflugzeug neben sich sehen, nehmen sie Kontakt auf der Notfrequenz zu ihm auf und erklären, dass sie die falsche Frequenz für die Flugsicherung eingewählt hatten und daher kein Funkkontakt mit der Flugsicherung zustande kam. Oberleutnant Dickel gibt anschließend die korrekte Frequenz an die Alarmrotte weiter. Nachdem der Funkverkehr zwischen der Boeing und der Flugsicherung wieder hergestellt wurde, befiehlt die Controllerin der Alarmrotte, von der Boeing wegzudrehen und übergibt die Jagdflugzeuge für den Rückweg ebenfalls an die Flugsicherung. Die „Jagd“ ist beendet. Ein Szenario voller Adrenalin nimmt ein gutes Ende.

Der Erwerb der Jagdlizenz

Ein weiblicher Luftwaffenoffizier im Gespräch

Gern gesehene Ratgeberin

Foto: © Bundeswehr / Andreas Hassler

Der Weg zur sogenannten Jagdlizenz des Einsatzführungsdienstes der Luftwaffe ist nicht einfach. Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Tätigkeit sind unter anderem Reaktionsschnelligkeit, Teamfähigkeit, Multitaskingfähigkeit, Konzentrationsvermögen, gute Englischkenntnisse und insbesondere die Fähigkeit, sich aus einem Radarbild ein dreidimensionales, sich ständig veränderndes Bild vorzustellen. Auf diese Fähigkeit wurde Leutnant Dickel an der Offizierbewerberprüfzentrale in Köln und im Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck geprüft. Nach dem Bestehen dieser Tests wurde sie zum Soldaten auf Zeit ernannt und es folgten eine dreimonatige Grundausbildung und der neun Monate lange Offizier-Lehrgang an der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck.

Genaue Pläne für die Karriere

Ein weiblicher Luftwaffenoffizier bei der Ausbildung von unterstellten Soldaten

Leutnant Dickel als Ausbilderin

Foto: © Bundeswehr / Andreas Hassler

Anders als die meisten Truppenoffiziere wurde Carina Dickel nach Abschluss der OSLw direkt in ihre zukünftige Einheit, die Einsatzführungskompanie 21 beim Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück, versetzt und nicht an eine der beiden Bundeswehruniversitäten.

„Ich war damals 24 Jahre alt und wusste, dass eine herausfordernde Ausbildung auf mich wartet, daher kam für mich persönlich ein Studium nicht mehr in Frage“, erklärt sie. In Erndtebrück angekommen, durchlief sie einen vierwöchigen Lehrgang, bei dem sie sich Grundkenntnisse über den Einsatzbetrieb in einem aneignete. Die darauffolgenden zwei Monate beinhalteten die Ausbildung zum Aircraftcontrollerassistent (ACA), um schon einmal einen Einblick in ihre zukünftige Tätigkeit als Aircraftcontroller (AC) zu erlangen.

Bald danach begann sie ihren etwa neunmonatigen Jagdlizenzlehrgang bei der Einsatzführungsausbildungsinspektion 23, der zentralen Ausbildungseinrichtung des Einsatzführungsdienstes, ebenfalls in Erndtebrück, mit einem dreiwöchigen Theorieteil. Es folgte die Simulatorphase, deren drei Prüfungen schon einige angehende Controller zum stolpern brachten. Carina Dickel absolvierte diese Prüfungen erfolgreich und startete in die letzte Phase des Jagdlizenzlehrganges, den Live-Anteil. Endlich durfte sie über Funk „richtige“ Flugzeuge führen.

„Wir waren zwei Frauen in unserem Lehrgang - und nachdem vorher nur Männer auf den Funkfrequenzen zu hören waren, mussten die Piloten sich erst einmal an uns gewöhnen. Es kam anfangs öfters dazu, dass ich mit „Sir … äh … Mam“ angesprochen wurde.“ erinnerte sich Dickel.

Ein weiblicher Offizier der Luftwaffe koordiniert Flugbewegungen am Rechner

Volle Konzentration beim Führen der Alarmrotte

Foto: © Bundeswehr / Andreas Hassler

Als „Jungcontroller“ kehrte Oberleutnant Dickel dann in ihre Kompanie zurück und wurde dort weiter ausgebildet, um unter anderem Nachtflugeinsätze, Schießübungen über dem Meer, Überlandflüge, Luft-Luft-Betankungen mit Großraumtankflugzeugen, sowie komplexe Luftkampfübungen unterstützen zu können. Während dieser Zeit ist sie immer mal wieder an die Ausbildungseinrichtung zurückgekehrt und hat dort zukünftige Aircraftcontroller unterrichtet. Derzeit befindet sie sich in der „Combat Ready“-Ausbildung, der höchsten Befähigungsstufe für einen Controller. Nach deren Abschluss wird sie in Zukunft noch andere Lizenzen des Einsatzführungsdienstes erwerben und vielleicht eines Tages eine Einsatzwache im CRC führen.