Eine Soldatin kontrolliert die Verschlüsse eines Kampfjets

Oberfeldwebel Anke Waschke am Eurofighter

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Oberfeldwebel Anke Waschke – Fluggerätmechanikermeisterin im Taktischen Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke"

„Schon seit meiner Kindheit interessiere ich mich für alles, was mit Technik zu tun hat“, sagt Oberfeldwebel Anke Waschke. Es überrascht also nicht, dass sie sich bei der Berufswahl für eine Ausbildung zur Kraftfahrzeugmechanikerin entschied. Während einer darauf folgenden Anstellung als Disponentin eines Reifenhandels entschloss sie sich, Soldatin zu werden. „Ich wollte einen fordernden, technischen Beruf und genau das wurde mir von der Bundeswehr geboten", erklärt die 32jährige Soldatin aus Erftstadt.

Im September 2009 hatte sie ein Beratungsgespräch bei der Karriereberatung in Köln. „Ich kann heute sagen, dass ich dort sehr gut und ehrlich informiert wurde Es gab keine Fragen, welche die Karriereberaterin nicht beantworten konnte. Auch Besonderheiten des Soldatenberufes wie uneingeschränkte Mobilität oder auch Auslandseinsätze wurden angesprochen“, sagt Anke Waschke.

Wunschverwendung Luftwaffe

Aufgrund ihres Verwendungswunsches wurden Oberfeldwebel Waschke Stellen in der Instandsetzung von Kettenfahrzeugen sowie als Fluggerätemechaniker Fachrichtung angeboten. Sie entschied sich für die Luftwaffe.

„Für mich war es faszinierend, an der Technik des neusten Kampfjets der Luftwaffe zu arbeiten und das auch noch heimatnah, denn geplant war, dass ich in Nörvenich eingesetzt werde“, sagt Waschke.


Einstellung als Stabsunteroffizier FA (Feldwebelanwärter)

Eine Luftwaffensoldatin steht an einem Kampfjet

Ein nicht alltäglicher Arbeitsplatz

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Am 04.01.2010 wurde Anke Waschke als Stabsunteroffizier FA eingestellt. Die Möglichkeit, mit einem höheren Dienstgrad und als Feldwebelanwärter eingestellt zu werden, ergab sich aus ihrer bestandener Feldwebeleignung und dem Einsatz in berufsnaher Verwendung. Am Ende des ersten Ausbildungsabschnittes an der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen erfuhr Oberfeldwebel Waschke allerdings, dass sie, entgegen der eigentlichen Planungsabsicht, nicht als Fluggerätemechanikermeisterin am Eurofighter in Nörvenich eingesetzt werden konnte, sondern eine Stelle beim Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ in Wittmund besetzen sollte. Dieses Geschwader flog zu diesem Zeitpunkt noch die Phantom F-4 F, einen Kampfjet der älteren Generation.

„Natürlich hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Zum einen war damals schon klar, dass dieser Kampfjet ausgesondert wird, und zum anderen war Wittmund natürlich nicht um die Ecke. Aber ich hatte meine uneingeschränkte Mobilität erklärt und hoffte ganz einfach, dass sich irgendwann die Gelegenheit ergibt, doch noch am Eurofighter eingesetzt zu werden.“ Diese Gelegenheit ergab sich früher als erwartet. Bereits ein Jahr später wurde sie zur Wartungs- und Waffenstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwader 31 nach Nörvenich versetzt.


Fluggerätmechanikermeisterin in der Teileinheit Ausbildung und Standardisierung

Eine Fluggerätmechanikermeisterin kontrolliert einen Reifen des Kampfjets

Die Fluggerätmechanikermeisterin ist sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst.

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Zu den Aufgaben dieser Teileinheit (TE) gehören unter anderem Flugdienstinspektionen. Die Meister dieses Fachbereiches kontrollieren den Kampfjet vor dem Flug und übergeben ihn an den Piloten. Nach dem Flug sind sie auch die Ersten, die wieder an der Maschine sind. Sie weisen den Piloten auf seine Parkposition ein und führen eine erste Nachflugkontrolle durch.

Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Aus- und Weiterbildung des Geschwaderpersonals. Geschult werden unter anderem die fliegenden Besatzungen, die Fliegerhorst Feuerwehr, aber auch alle neu zuversetzten Soldaten. Vermittelt wird das richtige Verhalten auf dem Fliegerhorst und direkt am Flugzeug. Spätestens nach dieser Ausbildung ist jeder Teilnehmer befähigt, sich in diesem sensitiven Arbeitsbereich richtig und sicher zu verhalten.

Piloten werden dahingehend geschult, dass sie einfache Wartungsarbeiten an ihrem Jet wie Betankungen oder Flüssigkeitsstandkontrollen selbstständig durchführen können. Sie werden dadurch in die Lage versetzt, ihre Maschinen selbstständig startklar zu bekommen, auch wenn, zum Beispiel auf fremden Flugplätzen, kein geschultes Wartungspersonal vorhanden ist. Das Feuerwehrpersonal bekommt unter anderem eine Einweisung, wie man sich gefahrlos dem Flugzeug nähert. Dabei werden mögliche Gefahrenquellen aufgezeigt. Je nach Notlage müssen sie sich gefahrlos dem Flugzeug nähern können, wenn zum Beispiel die Triebwerke noch laufen.

Aber auch das eigene Personal muss auf aktuellem Stand gehalten werden. Besonders wichtig wird das bei Anbauberechtigungen für Außenlasten wie Zusatztanks oder Lenkflugkörper. „Wenn man hier unsachgemäß agiert, wird sich das definitiv auf das Flugverhalten des Eurofighters auswirken“, sagt die Soldatin.

Die Soldatin prüft vor dem Start Anbauteile des Kampfjets

Sichtkontrolle vor dem Start

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders


Neue Erfahrungen

„Ich habe meinen Entschluss zur Bundeswehr zu gehen bis heute nicht bereut. Auch das oft bemühte Klischee der Männergesellschaft habe ich so nie festgestellt. Ganz im Gegenteil. Von Anfang an zählte hier die Leistung, die erbracht wurde – völlig egal ob von einem Mann oder einer Frau. Ich erinnere mich heute noch gerne an meinen Feldwebel-Lehrgang. Das Miteinander so vieler verschiedener Charaktere, die sich wirklich zu einem Team zusammengefunden und sich gegenseitig aus eigenem Antrieb unterstützt haben, war für mich eine ganz neue Erfahrung“.


Verantwortungsvolle Tätigkeit

„Meine Tätigkeit bietet mir eine Menge Abwechslung. Wenn ich meine Ausbildungszeiten zusammenzähle, komme ich allein bei der fachlichen Ausbildung schon auf ca.Eurofighter  2 ½ Jahre. Da muss man schon eine gehörige Portion geistige Flexibilität mitbringen und auf wechselnde Situationen reagieren können. Aber genau das sehe ich als weiteren Pluspunkt in Bezug auf eine zivile Anstellung an. Hier darf nie eine Fließbandmentalität aufkommen. Wir wissen, dass sich die Piloten auf uns verlassen und allein diese Tatsache motiviert schon, jeden Tag sein Bestes zu geben“, so die Fluggerätmechanikermeisterin.


Eine Soldatin kontrolliert das Fahrwerk des Jets.

Nächster Prüfpunkt: das Fahrwerk des Eurofighters

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Zukunftsplanung

Ihre Zukunft plant die Zeitsoldatin bei ihrem jetzigen Arbeitgeber. „Ich werde einen Antrag auf Übernahme zur Berufssoldatin stellen. In unserem Geschwader gibt es sehr viele technische Verwendungen. Ich kann mir vorstellen, weiter in der Technischen Gruppe eingesetzt zu werden und mich vielleicht zu spezialisieren. Wenn alles funktioniert, möchte ich, eigentlich wie jeder Feldwebel, den Spitzendienstgrad erreichen – den Oberstabsfeldwebel“, schließt Oberfeldwebel Anke Waschke.

Autor: H. Cabanski