Eine Soldatin überprüft mit einer Liste die Luftfracht

Stabsunteroffizier Vanessa Koch überwacht im Luftumschlagzug des LTG 61, dass auch die richtige Fracht an den richtigen Bestimmungsort gelangt

Foto: © Bundeswehr / Bienert

Starke Frauen im Luftumschlagzug in Penzing

In Penzing befindet sich die logistische Drehscheibe für den Balkan-Einsatz – doch manchmal schlagen die Soldaten auch außergewöhnliches Material für die ganze Welt um. Stabsunteroffizier Vanessa Koch ist seit 2006 im Luftumschlagzug und wer sie bei der Arbeit beobachtet, ist nach kurzer Zeit beeindruckt, wie sie ihren Tätigkeitsbereich „managed“.

Es ist wie ein Eintauchen in alte Zeiten: Doppelstockbetten, weiß, federbespannt. Tausenden von Soldaten waren sie ein bewährter Begleiter, vor allem als Alternative zu kalten und nassen Biwaknächten im Felde. Schon länger gehören die Betten nicht mehr zum Standardmobiliar der Bundeswehr, denn bereits seit einigen Jahren haben Möbel im so genannten „Buche Dekor“-Stil die farbenfrohe Serie „Olympia“ bei den deutschen Streitkräften abgelöst.

Soldaten werfen ein Transportnetz über eine Palette

Mit Schwung: Zunächst wird das Netz über die Palette geworfen

Foto: © Bundeswehr / Bienert

Beim Luftumschlagzug (LUZ) des Lufttransportgeschwaders 61 (LTG) in Penzing wird die gute alte Schlafgelegenheit für den Transport verzurrt: „Die Betten gehen in den Senegal“, sagt Lufttransportunteroffizier, Vanessa Koch. Dort finden sie bei den senegalesischen Streitkräften eine neue sinnvolle Verwendung. Denn die Bundeswehr engagiert sich im Rahmen der militärischen Ausbildungshilfe schon seit längerem in dem afrikanischen Land – insgesamt vier Soldaten der Pionierschule aus Ingolstadt bilden Soldaten der senegalesischen Streikräfte in vielen Tätigkeitsfeldern aus. Koch ist seit 2006 im LUZ und wer sie bei der Arbeit beobachtet, ist nach kurzer Zeit beeindruckt, wie sie ihren Tätigkeitsbereich „managed“. Denn ihre schlanke Erscheinung trügt. Wo nötig kann die gebürtige Oberbayerin recht fest zupacken und macht mit Technik wett, was andere nur mit viel Kraft schaffen. Sie sei über einen Verwandten auf die Bundeswehr aufmerksam geworden, erklärt die 26-Jährige. Und dieser – selbst in Penzing stationiert und Bordtechniker auf dem Transportflugzeug C-160 „Transall“ – habe ihr einige Bereiche im LTG gezeigt. „Doch den Luftumschlag fand ich am spannendsten“, lächelt Koch und steht schon wieder an der nächsten HCU-Palette, der Heavy Cargo Unit – einer Standardfrachtpalette für den Luftumschlag, jeweils vier Meter breit und lang.

Sicherheit als oberstes Gebot

Mehrere Soldatinnen und Soldaten verzurren ein über das Material gespanntes Netz

Geht nur im Team und mit viel Kraft: Verzurren der Ladung

Foto: © Bundeswehr / Bienert

Auf ihr werden die Güter zunächst gleichmäßig gestapelt und zwar so hoch, wie es die Frachtrampe zulässt, maximal bis drei Meter. Anschließend werden Netze über die Fracht gelegt und nach unten hin verzurrt, so dass ein gleichmäßig verpacktes Konstrukt entsteht. Koch lässt die Umschlagsoldaten um die HCU verteilen. Zusammen und gleichzeitig wird von allen Seiten verzurrt. Das ist auch notwendig, denn in der Luft könnte ansonsten ein sich lösendes Gut zum echten Wurfgeschoss werden –und Ladungssicherung hat wie bei allen Verkehrsträgern auch im Luftraum oberste Priorität. Mit einem kurzen Blickkontakt gibt Koch der Bedienerin des Palettentransporters „Mulag LT 10“ ein Zeichen. Und diese begibt sich sogleich an ihr Gefährt und beginnt mit dem Aufnehmen der HCU – bei einer Breite von mehr als vier Metern bedarf es schon einiger Übung, den LT10 zu bedienen. Doch die Mannschaftssoldatin steuert das Riesen-Gefährt beinahe „locker“ durch die Halle. Kurze Zeit später ist die Fracht auf dem Weg zur „Transall“ und verschwindet im Bauch des altbewährten Flugzeuges.

Just in Time

Eine Soldatin bedient einen Spezialfahrzeug zum Beladen von Transportflugzeugen

Nichts für „Rangierschwache“ - der Palettentransporter „Mulag LT 10“

Foto: © Bundeswehr / IMZ

An einer Längsseite der Umschlaghalle sind weitere Standardfrachtpalette aufgereiht. „Das sind Paletten, die wir bei Absetzverfahren für Außenlasten einsetzen“, erklärt Oberfeldwebel Michael Creischer, Zugführer des Luftumschlagzuges. Bei diesem so genannten Drop-Verfahren arbeitet das LTG eng mit der Luftlande- und Lufttransportschule im benachbarten Altenstadt zusammen. Dabei sind die Absetzübungen Teil der Ladungsmeisterausbildung. Es seien alles Dummybehälter, zeigt Creischer auf die Palette. Maximal werden die HCU bis etwa vier Tonnen beladen, doch „für die Absetzausbildung nutzen wir die Hälfte der Tonnage“, sagt der 28-Jährige. Stabsunteroffizier Koch hat sich derweil mit ihren Spezialisten über die anderen Paletten hergemacht, es eilt, die Maschine nach Hohn steht schon bereit. Von dort geht die Fracht dann weiter in den westafrikanischen Staat, dessen Hauptstadt Dakar vor allem wegen seiner bis 2007 jährlich stattfindenden Wüstenrallye weltbekannt ist. Für Lufttransportunteroffizier Koch bedeutet die Arbeit beim Umschlagen (Anm. d. Red. Sicheres Verladen) von Gütern aller Art vor allem auch deshalb Routine, weil sie die Erfahrung zweier Auslandseinsätze bei ISAF in Afghanistan mitbringt – in diesem Jahr beim Einsatzgeschwader in Mazar-e Sharif sowie beim Strategischen Lufttransportstützpunkt Termez in Uzbekistan.

Laden im Akkord

Ein Transportflugzeug der Luftwaffe wird mit Material beladen

In den Senegal: Das Material „verschwindet“ im Bauch der C-160

Foto: © Bundeswehr / IMZ

Aber auch bei Übungen auf Malta, in Frankreich und Großbritannien hat sie bereits unterstützt. „Das prägt“, lächelt die Bad Reichenhallerin. Sie wollte nie einen reinen Bürojob machen, sagt sie, und doch war ein solcher Anteil bei ihrer Ausbildung mit dabei, denn ihre Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung bekam sie fachnah als Speditions- und Logistikkauffrau. Wenn so ein Tag im Luftumschlagzug vorbei sei, wisse man schon, was man den ganzen Tag getan habe, betont Koch. Denn vor allem im Auslandseinsatz ist der Arbeitsanfall enorm hoch. Täglich zwei bis drei Transportflugzeuge vom Typ „Iljuschin IL-76“ bringen Material aus dem mecklenburgischen Trollenhagen bei Neubrandenburg an den Hindukusch. „Da braucht es abends kein Workout mehr“, sagt Koch. Und seitdem die Landebahn in Mazar-e Sharif vor einigen Jahren verlängert und ausgebaut wurde, landet auch das „Mega“-Transportflugzeug „Antonov AN-124“ nahe der Basis der Bundeswehr im Regionalkommando Nord. Hinzu kommt der innerafghanische Flugverkehr zwischen den einzelnen Standorten und Basen der anderen Nationen im Osten, Süden, Westen und in die Hauptstadt Kabul. Diese Transportflugzeuge haben ebenfalls selten nur Passagiere an Bord, sondern dienen vor allem dem Cargo-Transport. Denn große „Flieger“ können auf den Landeplätzen in den Provinzen wie Badakshan, wo die Bundeswehr bis zum vergangenen Jahr das Provincial Reconstruction Team (PRT) Faizabad betrieb, nicht landen. Hier ist selbst die „Transall“ zu groß, von daher hat man dort auf den Hubschrauber CH-53 oder ähnliche Flugzeugmuster zurückgegriffen.

Hand in Hand

Für Koch und die Soldaten vom LUZ ist nachmittags die Arbeit des Tages zunächst beendet. Bei Kontingentwechseln könne es aber auch schon einmal bis in die Abend- oder Nachtstunden gehen, erklärt sie. Doch dann würde im Schichtbetrieb gearbeitet werden. Die erste Maschine des Folgetages geht früh um acht Uhr in den Kosovo – der wöchentliche Routineflug auf den Balkan. Das Material steht bereit und wird morgens mit dem zu dieser Jahreszeit üblichen Frühnebel von Penzing verladen. Die Doppelstockbetten warten derweil noch in der Ecke des Luftumschlagszuges auf ihre Verladung für den Senegal.