Kranfahrzeug der Bundeswehr in Tarnlackierung

Geländefahrten gehören zum Alltag eines Kranfahrers

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Auch das ist Luftwaffe: Kranführer

Diepholz, 26.08.2011.

Mal sind es 10 Tonnen, mal auch nur 30 Zentner, die gehoben oder versetzt werden müssen. Hier sind Betonplatten von einem Lastkraftwagen abzuladen, da gilt es, Panzersperren auf einem Truppenübungsplatz umzustellen. Für Menschen alleine zu schwer oder zu gefährlich. Schon eher ein Fall für Kevin Stage: Er fährt mit Begeisterung, Können und Fingerspitzengefühl einen Fahrzeugkran Leicht (FKL) vom Typ Liebherr. Stabsgefreiter (StGefr) Kevin Stage ist Luftwaffenpioniersoldat im Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ (ObjSRgtLw „F“) und Kraftfahrer der Klassen CE mit einer Betriebsberechtigung für Pioniermaschinen. Kurz gesagt: Er ist Kranfahrzeugführer bei der Luftwaffe.

Kranfahrzeug der Bundeswehr in Tarnlackierung

Der Kran naht

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Wer „Luftwaffe“ hört, assoziiert damit meist Strahlflugzeuge vom Typ Tornado, Phantom oder Eurofighter. An Pioniere denken in diesem Zusammenhang wohl die wenigsten – ordnet man diese doch eher dem Heer zu. Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ aus Schortens besitzt mit der 11. Staffel – beheimatet in Diepholz – eine Einheit, die genau das bietet: Luftwaffenpioniere und schweres Baugerät.

Luftwaffe und Pioniere - kein Widerspruch

Die Aufgabe der Angehörigen dieser Staffel ist es, Beschädigungen der Infrastruktur auf und um einen Flugplatz zu beseitigen, Schäden auf Flugbetriebsflächen zu reparieren und die Bauinstandsetzung zur Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit eines fliegenden Einsatzverbandes durchzuführen. Sie alle sind Fachkräfte im Bauhandwerk – und damit „Exoten“ innerhalb ihrer Teilstreitkraft.

„Zusätzlich gehören auch noch humanitäre und Katastrophenhilfe zu unserem Aufgabengebiet, der Aufbau von Einsatzflugplätzen und natürlich Reparatur- und Wartungsarbeiten an unseren Kraftfahrzeugen und Baumaschinen“, ergänzt StGefr Stage die Auflistung.

Der weltweite Einsatz dieser Spezialisten bedingt die Nutzung unterschiedlichster Baumaschinen, die so oder ähnlich auch auf zivilen Baustellen zu finden sind. Radlader, Knicklader oder Hydraulikbagger stehen im Fuhrpark der Luftwaffensoldaten aus Niedersachsen genauso wie Walzen und variabel verwendbare Hebegeräte. „Und bei vielen unserer Arbeiten benötigt man auch einen Kranfahrer – einen Spezialisten wie mich“, erklärt Kevin Stage berufszufrieden. Der gebürtige Potsdamer weiß um die Vielseitigkeit seines Arbeitsgerätes. Feinfühliges Heben schwerer – oft empfindlicher – Lasten, das Bergung von Schadmaterial oder das Abschleppen von beschädigten – aber rollfähigen – Fahrzeugen mit angehobener Vorder- oder Hinterachse sind nur einige Beispiel, die er aufzählt. „Dabei muss der Kran nicht unbedingt in der Waage stehen“, erklärt der Stabsgefreite. „Auch auf schiefer Ebene bis neun Prozent Geländeneigung ist ein Arbeiten durchaus möglich“, klärt er auf.

Kranführer mit Herz

Kranführer bei der Arbeit

Stabsgefreiter Stage hat alles im Blick

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Sein geländegängiges Kranfahrzeug fasziniert ihn. Zum Heben, Bergen und Abschleppen führt er umfangreiche Hilfsmittel mit. Eine Bergewinde und die Abschlepptraverse gehören dazu. Auch ein Spreizgeschirr, um beladene Container verwindungsfrei anzuheben, ist neben unterschiedlichen Ketten und Gurten mit an Bord. Die Technik des allradgetriebenen Lastkraftwagens hat es ebenfalls in sich. Da sind nicht nur die 18 Tonnen Eigengewicht und der 8-Zylinder-Dieselmotor mit seinen 256 PS, da ist auch die Fähigkeit, sowohl aus dem Führerhaus wie auch aus der Krankabine heraus fast alle nötigen Handgriffe erledigen zu können. Selbst ein kleiner Computer – der sogenannte „Lastmomentbegrenzer“ – ist als Sicherheitseinrichtung im Fahrzeug verbaut. Der verhindert, dass der Kran sich „übernimmt“ und während des Hebevorgangs umstürzt.

„Pure Büroarbeit ist so gar nicht mein Ding, praktisches Arbeiten schon eher", verrät der Luftwaffenpionier Stage als gelernter Vermessungstechniker, der sich direkt nach der Ausbildung bei der Bundeswehr als Soldat auf Zeit erfolgreich bewarb – und alsbald danach eingestellt wurde. Stage liebt die Teamarbeit und körperlich fordernde Tätigkeiten scheut er nicht – auch mit Hinblick auf seine zivilberufliche Lehrzeit. „Heute fasziniert mich das Aufgabenspektrum als Luftwaffenpionier und Kranführer. Es wird nie langweilig und genau das ist es, was ich immer wollte. Es ist sicher nicht einfach, in der zivilen Arbeitswelt ein Unternehmen zu finden, das mir eine ähnlich interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit bieten kann“.

Nach der Bundeswehr - Was dann?

Schwere Sperren werden mittels eines Kranfahrzeugs entfert

Wegbegrenzungen müssen weichen um Platz zu schaffen

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Um seinen „Fahrzeugkran leicht“ führen und bedienen zu dürfen, musste Kevin Stage insgesamt 12 Wochen Ausbildung durchlaufen. Die Schulung für den Führerschein der Klassen CE - also Lkw mit Anhänger – dauerte sechs Wochen und der anschließende Erwerb der Betriebsberechtigung für Pioniermaschinen noch einmal die gleiche Zeit. „Beide Scheine kann ich ins Zivile übertragen lassen“, verrät der Luftwaffenpionier einen weiteren Vorteil seiner Tätigkeit. Seine berufliche Zukunft hat der 24-Jährige derzeit noch nicht abschließend entschieden. Die Bundeswehr „finanziert“ ihm während und nach eine achtjährigen Verpflichtung als Soldat auf Zeit über einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten seine zivilberufliche Aus- und Weiterbildung. „Durch diese Berufsförderung ist mein Ziel „Bautechniker im Fachbereich Tiefbau“ schon eine realisierbare Alternative“, so der Stabsgefreite. Allerdings schließt er eine Dienstzeitverlängerung auf zwölf oder 15 Jahre auch nicht ganz aus. Seine militärische Fachverwendung ist ihm in jedem Fall hilfreich. Schließlich sind Kranfahrer gefragte Leute - nicht nur bei der Bundeswehr.