Ein Soldat kontrolliert, im Kampfjet sitzend, die Armaturen des Flugzeugs

Auch die Anzeigen und Funktionalitäten im Cockpit werden gecheckt

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Oberfeldwebel Michael Nußbaum, Luftfahrzeugavionikfeldwebel im Taktischen Luftwaffengeschwader 31

Jeder, der ein Auto fährt, kennt das. In vorgegebenen Intervallen muss das Fahrzeug zur Inspektion in die Werkstatt. Das ist normal und vorhersehbar. Neben diesen Werkstattbesuchen gibt es aber auch Momente, in denen der Fahrer oder die Fahrerin vermutet, dass irgendwelche Funktionen nicht wie üblich reagieren. Das sind die Momente, in denen man sich an seine Werkstatt wendet, um das Fahrzeug checken zu lassen. Im Prinzip ist es in der Luftfahrt ähnlich, wenn auch weitaus technischer.

„Wir sprechen bei Inspektionen von planbaren Instandsetzungen und bei während des Fluges auftretenden Abweichungen bei den normalen Flugparamentern von nicht planbaren Instandsetzungen“, erklärt uns Oberfeldwebel Nußbaum, Luftfahrzeugavionikfeldwebel für Flugregelsysteme in der Instandsetzungs- und Elektronikstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“.

Flugregelsysteme sind Baugruppen, die dazu dienen, das Flugzeug stabil in der Luft zu halten. Bei den hier geflogenen Eurofightern ist seine Fachgruppe für die Flugsteuerung, Triebwerkssteuerung und das Integrated Monitoring and Recording System (IMRS) zuständig.

„Um bei dem Vergleich mit dem Kfz zu bleiben, gibt es beim IMRS Parallelen mit einem Diagnosespeicher im Kfz. Es registriert sämtliche Abweichungen vom Normalverhalten und zeigt sie nach Priorität an“, erläutert der 29-jährige Oberfeldwebel aus Herzogenrath.

Die Sicherheit ist bei der Fliegerei das "A" und "O"

Ein Soldat bedient, an einem Kampfjet stehend, einen mobilen Computer

Als Avioniker muss man mit Computern umgehen können

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Die Flugsteuerung wird über den Stick im Cockpit bis zur Steuerfläche durch elektronische Bauteile übernommen. Da der Eurofighter, wie fast jeder moderne Kampfjet, keine Segelflugeigenschaften besitzt, muss jederzeit gewährleistet sein, dass es bei den Steuerelementen zu keinen Ausfällen kommen kann. Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu erhalten, wurden zum Beispiel bei der Flugsteuerung vier Rechner mit den gleichen Aufgaben eingebaut. Falls ein Rechner ausfallen sollte, übernimmt sofort der nächste Rechner diese Aufgabe.

Sollte einem Piloten bei einem Flug auffallen, dass das Flugzeug nicht wie gewohnt reagiert, spricht er diesen Sachverhalt nach Rückkehr auf dem Fliegerhorst bei der Nachbesprechung an. Vor Ort übernimmt ein Techniker die Diagnose und liest den Speicher des IMRS per Computer aus der Maschine aus. Es wird ein elektronischer Arbeitsauftrag erstellt und ein Technikerteam wird mit der Prüfung und ggfls. mit der Behebung der Auffälligkeit beauftragt.

Aber das sind nicht die einzigen Aufträge, mit denen die Fachgruppe des Technikers betraut ist. „Kein Tag läuft wie der andere ab. Es kommt immer darauf an, was gerade bei den Maschinen ansteht. Jeder kann sich vorstellen, dass ein Kampfjet bei Flugmanövern wie zum Beispiel einem Dogfight (Anm. d. Red.: Luftkampf zwischen zwei Kampfflugzeugen) mehr beansprucht wird als im Routineflugbetrieb“, sagt der Oberfeldwebel.

Einsatz als Schichtführer

„Beim Einsatz als Schichtführer in meiner Fachgruppe kontrolliere ich morgens als erstes, ob es noch offene Arbeitsaufträge vom Vortag gibt. Sollte das so sein, muss ich diese natürlich bei der Planung/Steuerung des Tagesablaufes berücksichtigen. Sollten Ersatzteile zur Reparatur benötigt werden, leite ich die Beschaffung ein. Auch die Vollzähligkeitsprüfung aller Werkzeuge gehört zu meinem Aufgabenbereich. Wir arbeiten mit signierten Werkzeugsätzen. Das hat den Vorteil, dass wir bei der Kontrolle sofort sehen, ob die Sätze komplett sind. Es ist also nicht möglich, dass ein Werkzeug am Flugzeug vergessen wird“, sagt Oberfeldwebel Nußbaum.

„Bei allen Tätigkeiten am Luftfahrzeug arbeiten wir immer im Team. Das ist ein weiterer Punkt der Flugsicherheit, die nicht nur für den Flugdienst gilt, sondern auch bei Instandsetzungsarbeiten zu beachten ist. Bevor wir am Flugzeug hantieren, kontrollieren wir, ob alle Systeme abgeschaltet sind und alle Abdeckungen vorhanden sind. Neben den Sicherheitsaspekten hat die Arbeit im Team den Vorteil, dass man effektiver bei Störungsbehebungen ist“.

Der Weg zum Luftfahrzeugavionikfeldwebel

Ein Soldat steht unter einem Kampjet und kontrolliert den technischen Zustand des Flugzeuges

Der Luftfahrzeugavionikfeldwebel am Eurofighter

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

 „Mein Weg zum Luftfahrzeugavionikfeldwebel begann mit einer Informationsveranstaltung der Bundeswehr. Ich entschied mich zunächst allerdings für eine zivile Ausbildung als Elektroniker für Geräte und Systeme bei der Bundeswehr. Diese Ausbildung fand für Zivilbedienstete und Soldaten in einer Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr statt. Man lernte sich kennen, tauschte sich aus und am Ende entschied ich mich, Soldat auf Zeit zu werden. Aber auch hierbei brauchte ich mich nicht auf „Hören-Sagen“ verlassen, sondern konnte mich nach einem dreimonatigen Praktikum in der Staffel entscheiden. Das hatte natürlich den Vorteil, dass ich das Arbeiten in der Staffel live erleben konnte. Gleichzeitig hatten meine späteren Vorgesetzen aber auch die Möglichkeit zu beurteilen, ob ich für meine spätere Aufgabe geeignet bin“, sagt Nußbaum.

Die Ausbildung

Neben seiner Allgemeinen Grundausbildung, dem Unteroffizier- und dem Feldwebellehrgang, die zu den militärischen Lehrgängen zählen, durchlief Oberfeldwebel Nußbaum natürlich auch seine fachliche Ausbildung. Hierzu zählten unter anderem die allgemeine und später die aufbauende Ausbildung, bis hin zur Meisterebene in der Luftfahrzeugtechnik.

„Ein wichtiger Ausbildungsabschnitt in der rund dreijährigen Ausbildung ist der Lehrgang „Technisches Englisch“. Unsere Dokumentationen zum Eurofighter sind komplett in englischer Sprache. Dieser Lehrgang ist mit dem bereits auf dem Feldwebellehrgang abgelegten Sprachprofil in Englisch nicht zu vergleichen. Hier ging es richtig ins Eingemachte. Ist aber auch klar, denn am Ende dieser Ausbildung muss man in der Lage sein, zum Beispiel technische Zusammenhänge in einer Vorschrift richtig zu übersetzen und damit auch richtig umzusetzen“ , erklärt uns der Techniker lächelnd.

Techniker und Soldat

Ein Soldat schaut in einer Halle stehend auf einen Computermonitor

Auch die Diagnose findet am Rechner statt

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Als Luftfahrzeugtechniker bei der Bundeswehr ist man neben dem Einsatz in der entsprechenden Fachtätigkeit natürlich Soldat. „Wenn man sich für diesen Weg entscheidet, muss das klar sein. Wir werden dort eingesetzt, wo unsere Flugzeuge fliegen, also auch im Auslandseinsatz. Neben unseren Fachaufgaben müssen auch die soldatischen Basics, wie der sichere Umgang mit Waffen und Ausrüstung oder auch die Erste Hilfe, sitzen. Wir müssen diese Fähigkeiten jedes Jahr nachweisen“, erläutert Nußbaum.

Fazit

„Für mich ist diese Verwendung genau die richtige. Natürlich hat jeder Beruf seine Vor- und Nachteile. Ich denke da an die bundesweite Versetzbarkeit oder auch an die Lehrgänge, bei denen das Wochenende zuhause schon mal ganz kurz werden konnte. Für mich überwiegen allerdings die Vorteile. Schon in der Grundausbildung wurden Begriffe wie Eigenständigkeit, Verantwortung und Kameradschaft auf einmal mit Leben gefüllt. Und wo habe ich in einem normalen Betrieb schon die Möglichkeit, auch in meinem Alter Führungsverantwortung zu übernehmen? Es ist auch es sehr schön, wenn man erkennt, dass bei uns nicht nur von Teamarbeit gesprochen, sondern sie praktiziert wird. Wie bei einem Getriebe greifen alle Zahnräder ineinander. Hier weiß jeder, dass das kleine Zahnrad genauso wichtig ist wie das große, wenn es funktionieren soll“, sagt Oberfeldwebel Michael Nußbaum. Ob Pilot oder Techniker, jeder muss und kann sich auf den anderen verlassen.“

Ein großes Hobby von Oberfeldwebel Nußbaum ist das Fotografieren. Kein Wunder, dass sein Können gerne bei verschiedenen Events des Verbandes genutzt wird. Seine berufliche Zukunft plant der Soldat weiterhin bei seinem jetzigen Arbeitgeber. „Ich habe bereits einen Antrag auf Übernahme zum Berufssoldaten gestellt“, schließt Oberfeldwebel Nußbaum.

Autor: H. Cabanski