Ein Soldat kopiert Flugdaten aus dem Kampfjet auf einen Computer

Nach der Landung werden die Flugdaten überspielt und gesichert

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Hauptfeldwebel Patrick Wilde, Luftfahrzeugavionikfeldwebel TORNADO

Auf dem Fliegerhorst Büchel herrscht reger Flugbetrieb. Unüberhörbar starten und landen die hier beheimateten Kampfjets vom Typ TORNADO. Hier treffen wir Hauptfeldwebel Patrick Wilde, Luftfahrzeugavionikfeldwebel in der Elektronikstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33.

„Avionik ist ein Kunstwort. Es setzt sich aus Aviatik, der Kunst des Fliegens, und Elektronik zusammen. Ein Begriff für alle elektrischen und elektronischen Bauteile im Flugzeug“, erklärt der 27 jährige Berufssoldat aus Cochem seinen Fachbereich. Er ist als Luftfahrzeugavionikfeldwebel in der Fachgruppe Flugdatenauswertung eingesetzt.

Luftfahrt und Bundeswehr waren schon immer ein Thema

Zwei Kampfjets stehen auf einem Flugplatz

Tornados kurz vor dem Start

Foto: © Bundeswehr / Jani Pusparajah-Hoof

„Alles, was mit dem Fliegen zu tun hat, interessierte mich schon seit frühester Kindheit. Dabei lag mein Augenmerk immer mehr bei der Technik als beim eigentlichen Steuern eines Flugzeuges“, sagt der Hauptfeldwebel. Obwohl er zunächst eine zivile Ausbildung zum IT-Systemelektroniker durchlief, ließ ihn seine große Leidenschaft nicht los. Bei seinen Fragen zum Arbeitgeber Bundeswehr hatte er einen wertvollen Ansprechpartner. „Mein Opa war Spieß in der Wartungsstaffel des gleichen Geschwaders, in dem ich jetzt diene. Er konnte mich nicht nur bezüglich einer möglichen Tätigkeit als Techniker beraten, sondern gab mir auch wertvolle Tipps für die ersten Schritte in Richtung Wunscharbeitgeber“, erzählt Hauptfeldwebel Wilde.

Meine Arbeit beginnt, wenn die Maschinen landen

„Wenn die Tornados von ihren Flügen zurückkommen, werden sie von den Piloten auf den Stellplätzen geparkt. Meine Aufgabe besteht darin, die während des Fluges durch das OLMOS (Onboard Life Monitoring System) aufgezeichneten Daten zu sichern und in der Werkstatt auf unsere Diagnosestation zu überspielen“, erläutert Wilde. Als Speichermedium benutzt der Techniker ein Handheldgerät, das an das OLMOS angeschlossen werden kann.

Alle Werte werden aufgezeichnet

Ein Soldat sitzt vor einer Testkonsole, mit der man elektronische Steuerteile prüfen kann

Hauptfeldwebel Wilde bei der Prüfung eines Triebwerksteuergerätes am Triebwerkprüfstand

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Auf unsere Fragen, welche Daten ausgewertet werden, antwortet der Techniker: „Alle“ und lacht. „Unser System läuft permanent. Das beginnt schon beim Start des Flugzeuges. Der Pilot regelt zum Beispiel den Jet auf Maximalschub hoch, hält diese Leistung ca. 10 Sekunden, bevor er in den Nachbrenner geht um zu starten. Bei der Auswertung können wir dann erkennen, ob die Triebwerke optimal arbeiten. Temperatur- oder Drehzahlwerte sind dabei wichtige Indikatoren“, sagt Wilde.

Der Tornado ist zwar nicht der neueste Kampfjet, den die Luftwaffe fliegt, aber er ist sehr zuverlässig. Das liegt unter anderem daran, dass die Technik des Flugzeuges natürlich ständig an moderne Standards angepasst wird.

Falls tatsächlich Abweichungen bei den Normalwerten festgestellt werden, kann es dafür natürlich mehrere Ursachen geben. Das fängt bei ungenau anzeigenden Sensoren oder Fühlern an, geht über defekte Triebwerksteuergeräte und endet im ungünstigsten Fall bei der Instandsetzung eines kompletten Treibwerkes. „Sollte eine Störung beim Treibwerksteuergerät festgestellt werden, bin ich wieder im Boot. Das Bauteil wird ausgebaut und an unseren Triebwerksimulator angeschlossen. Das Steuergerät erkennt unseren Simulator als Triebwerk und wir können es unter Flugbedienungen prüfen. Auch dieses Bauteil können wir vor Ort testen, kalibrieren oder gegebenenfalls instand setzen", erklärt der Techniker.

Nach jeder Prüfung oder Instandsetzung bekommt Hauptfeldwebel Wilde die aktuellen Parameter von der Instandsetzung und pflegt sie in die Auswertestation ein. Diese werden dann wieder in den Rechner in die Maschinen eingespeist.

Jeder weiß, dass er sich auf den anderen verlassen kann

Die Techniker arbeiten eng mit den fliegenden Besatzungen zusammen.

„Die Fliegenden wissen, dass sie sich auf uns verlassen können. Andersherum können wir auch sicher sein, dass die Piloten uns informieren, wenn mal eine harte Landung passiert ist oder der Jet bis an seine Grenzen gefordert wurde. Das erleichtert uns natürlich dann auch den Check der Maschine“, erläutert Wilde.

Arbeitgeber Bundeswehr

Ein Soldat schaut in das Bordbuch eines Kampfjets

Das Bordbuch – eine weitere Informationsquelle für die Techniker

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Da Hauptfeldwebel Wilde vor Beginn seiner soldatischen Karriere eine zivile Ausbildung absolviert und als Techniker gearbeitet hat, kann er hier natürlich auch einen Vergleich ziehen. „Meiner Meinung hat der Soldatenberuf einige Vorteile gegenüber einer Anstellung in der zivilen Wirtschaft. Ich habe täglich mit wechselnden Arbeitssituationen zu tun. Das fordert mich natürlich als Techniker, es kommt auch kein Fließbandflair auf. Ich empfinde auch die Teamarbeit als sehr angenehm. Das gibt uns nicht nur die nötige Sicherheit während durchzuführender Arbeiten, sondern wir können auch voneinander lernen. Es kommt überhaupt kein Konkurrenzkampf auf. Im Gegenteil, man kann zeigen, was man kann, ohne andere wegzustoßen. Für mich als Berufssoldat ist es ein sehr beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass ich nicht plötzlich arbeitslos werden kann. Natürlich gehört zum Soldatenberuf der Auslandseinsatz einfach dazu. Jeder kennt die Risiken, bevor er sich entschließt, diesen Weg einzuschlagen und sollte sich bereits, wie jeder Polizist oder Feuerwehrmann auch, damit beschäftigt haben “, sagt Wilde, der bereits Kommandos im Ausland erlebt hat.

„Jedes Flugzeug braucht auch im Ausland seine Techniker. Diese Auslandsaufenthalte heißen bei uns Kommandos. Ich denke heute noch gerne an unser Kommando in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück. In diesem Land war der Tauschpunkt bei der Rückführung der in Afghanistan eingesetzten Tornados. Bevor die Maschinen von dort aus weiter Richtung Deutschland flogen, haben wir sie nochmal technisch geprüft“, sagt der Techniker

Aus- und Weiterbildung

Neben seinen militärischen Lehrgängen wurde Wilde natürlich für seine Fachtätigkeit ausgebildet. Insgesamt beliefen sich seine Ausbildungszeiten auf ca. drei Jahre. Neben seinen Fachaufgaben wird der Soldat auch bei Kalibrierungen und Instandsetzung, als Unfallvertrauensperson oder beim Maintenance Ressource Management (MRM) eingesetzt. MRM befasst sich mit der Schulung der Luftfahrzeugtechniker bei der Instandhaltung und Bedienung der Luftfahrzeuge. Dabei geht es hier im Schwerpunkt um die Abwehr von Gefahren am Arbeitsplatz und mögliches Fehlerverhalten.

„Diese Nebentätigkeiten nehme ich gerne war. Sie gehören einfach dazu und ich kann auch mal über meinen technischen Tellerrand schauen. Auch die militärische Aus- und Weiterbildung hat für mich ihren Reiz. Ich habe schon an der Schießausbildung nach dem neuen Schießausbildungskonzept teilgenommen. Im Gegensatz zu den alten Schulschießübungen wird jetzt einsatznah ausgebildet. Man geht nicht mehr mit seinem Magazin auf die Schießbahn und setzt zum Beispiel seine fünf Schuss in die Scheiben, sondern schießt im Waffenwechsel zwischen Gewehr und Pistole in sich ändernden Lagen“, sagt Wilde.

Zukunftspläne

Das erste große Ziel von Hauptfeldwebel Wilde war es, Berufssoldat zu werden. Das hat er schon mal geschafft. „Ich würde gerne in einer technischen Verwendung bleiben und mich weiter spezialisieren. Auf weitere Sicht könnte ich mir vorstellen, irgendwann einmal in einer Prüfgruppe oder einer technischen Einsatzsteuerung eingesetzt zu werden. Am Ende steht natürlich, wie bei jedem Feldwebeldienstgrad, der Wunsch, zum Spitzendienstgrad Oberstabsfeldwebel befördert zu werden“, schließt Hauptfeldwebel Patrick Wilde.

Autor: H. Cabanski