Ein Soldat bearbeitet eine Metallplatte mit einem Schwingschleifgerät

Oberstabsgefreiter Anatoli Schulz bei der Arbeit

Foto: © Bundeswehr / Fabian Esser

Kein Job wie jeder andere: Luftfahrzeugmetaller

Nörvenich, 08.03.2012.

Das Team der Luftfahrzeugmetaller des Jagdbombergeschwader 31 “B“ in Nörvenich/Kerpen betritt früh morgens die Instandsetzungshalle. Im Halbdunkel lassen sich bereits Umrisse mehrerer Jagdflugzeuge vom Typ Eurofighter erahnen. Und wenn man dann das Licht anknipst, offenbart sich ein außergewöhnlicher Arbeitsplatz. Eine riesige Instandsetzungshalle – und darin die modernsten Kampfjets, die auf diesem Kontinent fliegen. Da möchte man doch gern Luftfahrzeugmetaller sein…

„Ich bin immer wieder aufs Neue von diesem atemberaubenden Anblick fasziniert“, schildert Anatoli Schulz, Oberstabsgefreiter und Luftfahrzeugmetaller bei der Luftwaffe. Als einer von drei Mannschaftssoldaten im Team der Fachgruppe „Metall/Werkstoff“ des Jagdbombergeschwaders 31 „Boelcke“ (JaboG 31 „B“) arbeitet der Gummersbacher gerne im Team, zumal körperlich anstrengende Arbeit für ihn zum Alltag gehören.

Ein Kampfjet der Luftwaffe steht in einer Instandsetzungshalle

Eurofighter in der Instandsetzungshalle

Foto: © Bundeswehr / Fabian Esser

Generell unterstützt er das Team bei Wartungs-, Instandsetzungs- und Inspektionsarbeiten. Diese beinhalten zum Beispiel das Zuschneiden von Metallen oder die Aufarbeitung von rostigen Bauteilen. Anatoli Schulz erklärt: „Genauigkeit bei den Arbeiten am Eurofighter ist unabdingbar. Dadurch sind unsere Instandsetzungsaufgaben oft sehr umfangreich und zeitaufwändig.“ Vor Eintritt in die Bundeswehr absolvierte er eine Lehre zum Teilezurichter in der Metallbranche. In seiner Freizeit nutzt er seinen filigranen Umgang mit den verschiedenen Werkstoffen für anfallende Reparaturen an seinem eigenen Auto. Seine Leidenschaft zu fotografieren bietet ihm einen guten Ausgleich zum Alltag. Und um gesundheitlich in Form zu bleiben, ist er zudem ein passionierter Schwimmer.

Unverhofft kommt oft

Eine große Werkbank, die in einer Instandsetzunghalle steht

Das ist mal eine Werkbank

Foto: © Bundeswehr / Fabian Esser

Nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung meldete sich die Bundeswehr mit der Aufforderung zur Musterung. Anatoli durchlief zunächst die anstehenden Routineuntersuchungen beim zuständigen Kreiswehrersatzamt in Solingen. Eingestuft als Grundwehrdienstleistender über eine Dauer von neun Monaten begann zum Juli 2005 seine dreimonatige Grundausbildung im Luftwaffenausbildungsregiment in Germersheim. Während des militärischen Lehrgangs in der Pfalz wurde sein Sohn geboren. Anatoli schildert: „Es war nicht leicht für mich, eine hochschwangere Frau zu Hause sitzen zu haben und im gleichen Moment für drei Monate in die Grundausbildung zu müssen.“ Rückblickend erklärt der Familienvater aber: „Die Geburt unseres Sohnes motivierte mich um so mehr, auch wenn ich in dieser Zeit nur gelegentlich den Kreis meiner Familie genießen konnte.“ Nach bestandener AGA, wie die Allgemeine Grundausbildung im militärischen Sprachgebrauch häufig abgekürzt wird, ist Oberstabsgefreite Schulz auf den Dienstposten eines Luftfahrzeugmetallers nach Nörvenich versetzt worden.

Faszination und Herausforderung

Der Dienstposten des Fluggerätemechanikers in der Fachgruppe Strukturmechanik beinhaltet die Anwendung von Struktur-, Metall- und Schweißtechnik. Er führt alle Arbeiten seines Fachbereichs eigenverantwortlich durch und unterstützt die Wartungs-, Inspektions-, Prüf- und Instandsetzungsarbeiten an den Baugruppen des Luftfahrzeugs sowie an ausgebauten Komponenten. Bei der Bewertung der entstandenen Schäden an betroffenen Bauteilen des Kampfjets Eurofighter leistet der Soldat unterstützende Arbeiten.

Typische Werkzeuge zur Metallbearbeitung liegen auf einem Tisch

Untrügliche Zeichen: hier arbeitet ein Metaller

Foto: © Bundeswehr / Fabian Esser

Dabei wird unter anderem festgelegt, welches Reparaturverfahren genutzt wird. Hierzu ist in der Regel die Anwendung und Bedienung fachspezifischer Spezialwerkzeuge, Prüfgeräte und Bodendienstgeräte notwendig. Ebenfalls gehören die Fremdkörperkontrolle, die Funktionsprüfung von Systemen, Anlagen und Baugruppen des Luftfahrzeugs sowie die Korrosionskontrolle zu den täglich anfallenden Aufgaben. Bei allen Tätigkeiten ist stets eine genaue Dokumentation zu gewährleisten. Um einen stetigen Verbesserungsprozess zu gewährleisten, werden alle eingeleiteten Maßnahmen, die am Luftfahrzeug durchgeführt wurden oder geplant sind, über eine elektronische Datenverarbeitung erfasst, ausgewertet und stetig aktualisiert. Ein Job der den jungen Familienvater fordert aber auch ausfüllt.

Eignung, Befähigung und Leistung

Mannschaftssoldat Anatoli Schulz bewährte sich in seiner neunmonatigen Dienstzeit. Dank seines Engagements und Interesses im Team Luftwaffe folgte zunächst eine Weiterverpflichtung auf eine 23-Monatige Dienstzeit als Freiwillig Wehrdienstleistender. Schnell bemerkte der Familienvater, dass die Tätigkeit als Metaller/Strukturmechaniker an einem der modernsten Waffensysteme seine Berufung ist.

„Wer kann schon von sich behaupten, dass er an den modernsten Kampfflugzeugen der Luftwaffe arbeiten darf“, fügt der Oberstabsgefreite lächelnd hinzu.

Und so fasste er die Entscheidung, sich als Soldat auf Zeit für die Dauer von vier Jahren zu verpflichten. Und es kommt, wie er kommen musste: Im Jahr 2008 wurde er mit Hinblick auf seine Erfahrung, seine Kompetenz und Leistungsbild mit einer achtjährigen Verpflichtungszeit belohnt.