Ein Kampfjet der Bundeswehr startet

Der Traum vom Fliegen

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Unterricht im Überschall

Leutnant Ronny Sauer und Leutnant Mario Röser absolvieren im komplexen Kampfjet Eurofighter ihre Kampfjetausbildung in Laage und sind bald am Ziel angelangt. Luftwaffe.de wirft einen Blick über die Schulter der neuen Piloten beim Eurofighter-Training, dem sogenannten B-Kurs.

Um einen ausreichend großen Stamm an Eurofighter-Piloten auszuprägen, wurde die Eurofighterausbildung, die ohnehin in Laage beheimatet ist, im Jahr 2010 nochmalig intensiviert. Die Luftwaffenführung hatte zu Beginn diesen Jahres beschlossen, einen Großteil ihrer Eurofighter hierzu in Laage zu konzentrieren.

Einstellungsverfahren

Piloten auf Ihrem Weg

Leutnant Röser und Leutnant Sauer

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Wenn Ronny Sauer und Mario Röser heute in die Luftwaffe eintreten würden, wäre diese Zusammenführung der Kampfjets zu Ausbildungszwecken noch viel zu weit weg vom Tagesgeschehen, denn Luftfahrzeugführer in der Luftwaffe zu werden, das ist ein langer Weg. Er beginnt beim Karriereberater, wo der Bewerber mehrere Wünsche zu seinem Berufsweg auswählen kann – unter anderem kann man bei der Luftwaffe auch Transportflugzeuge, Tanker, VIP-Maschinen und Hubschrauber fliegen. Obschon die Ausbildung für diese Luftfahrzeugtypen eine andere ist, bleibt die Bewerbungsbasis die gleiche: Um sich für den fliegerischen Dienst bei der Luftwaffe zunächst zu qualifizieren, mussten beide das mehrtägige Auswahlverfahren in Köln und Fürstenfeldbruck durchlaufen. Abschließend erhielten Sauer und Röser das begehrte Einstellungsschreiben vom Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, welches eine fliegerische Verwendung als Kampfflugzeugführer vorsah.

Fliegerische Ausbildung beginnt in Deutschland

Nach der Allgemeinen Grundausbildung ging es für die beiden nach Fürstenfeldbruck, um die neunmonatige Ausbildung zum Offizier zu absolvieren. Mit dem Erhalt des Offizierpatents folgte die fliegerische Grundlagenausbildung, die jeder angehende Luftfahrzeugführer der Luftwaffe in der 9. Inspektion der Offizierschule der Luftwaffe durchläuft. Dazu gehörten unter anderem acht Wochen „Fliegerenglisch“ und vier Wochen Fliegertheorie mit Prüfungen in mehreren Fächern - beispielsweise Navigation, Wetterkunde, Aerodynamik und Technik. Zudem werden die Grundlehrgänge „Überleben See“ und eine erste Fahrt mit der Zentrifuge absolviert. All diese Ausbildungsabschnitte waren die Grundvoraussetzung für das bevorstehende Flugtraining in den USA.

Jetausbildung in den USA

Soldaten in einem Simulator

Im Flugsimulator

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Bei der 3. Deutschen Luftwaffenausbildungsstaffel in Goodyear, Arizona, findet das 35-stündige Initial Flying Training auf dem zweisitzigen Propellerflugzeug „Grob 120A“ statt. Den Höhepunkt bildet dabei unter anderem der erste Soloflug sowie der erste Formationsflug. Nach erfolgreichen Bestehen folgte in Deutschland wiederum in der 9./OSLw die Vorbereitung für das Euro Nato Joint Jet Pilot Training (ENJJPT)auf der Sheppard Air Force Base im Norden von Texas.

Ein Offiizier im Flugdienstanzug kontrolliert das Rad eines Kampfjets

Leutnant Ronny Sauer vor dem ersten Alleinflug

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Gespannt und voller Erwartung begaben sich die beiden jungen Offiziere in den längsten und schwierigsten Teil der gesamten Ausbildung, welche 15 Monate mit 270 Flugstunden auf den Flugzeugmustern T-37 (mittlerweile T-6) und T-38C dauern sollte. Mit erfolgreich bestandenen Prüfungsflügen wurden Sauer und Röser in einer feierlichen Veranstaltung die lang ersehnten Flugzeugführerschwingen verliehen und es ging zurück nach Deutschland - zum Jagdgeschwader 74 in Neuburg.

Der B-Kurs

Mittlerweile sind beide im Jagdgeschwader 73 in Laage (Mecklenburg-Vorpommern) angekommen und absolvieren hier die Eurofighter- Waffensystemausbildung, den sogenannten B-Kurs. Beide zeigten sich eingangs vom Eurofighter beeindruckt: „Wir haben zwar schon mit der T-38 Luftkampf geübt, aber das hier ist ein richtiges Kampfflugzeug“, sagt Leutnant Röser. Und genauso wie bei ENJJPT bekamen die Schüler hier nichts geschenkt, mussten Ihr erlerntes Wissen unmittelbar in die Praxis einfließen lassen: Überprüfungsflüge (Check Flights) als Bestandteil des B-Kurses waren bereits im ersten Ausbildungsabschnitt - der Transition Phase - feste Orientierungspunkte im Programm, nachdem Sauer und Röser in der Theorieschulung zunächst mit den fliegerischen Grundlagen des Eurofighters vertraut gemacht worden waren.

Ein Flugschüler und sein Fluglehrer sitzen hintereinander in einem Schulungsjet

Fluglehrer und -schüler warten auf den Einsatz

Foto: © Bundeswehr / Takt LwGeschw 73 Bildstelle

Starten, landen, manövrieren, Formations- und Instrumentenanflug: Sechs Missionen später, mit dem Lehrer im Rücksitz des Eurofighter-Doppelsitzers, sind die Flugschüler reif für das erste Solo: „Ein tolles Gefühl, in so einem komplexen Kampfjet alleine zu fliegen“, so Leutnant Röser. Der achte Flug in dieser Phase war der Überprüfungsflug (Check Ride) für die Musterberechtigung und bereits der nächste, der sogenannte „High Performance“-Flug, gilt als Überleitung zur sogenannten BFM-Phase, in denen grundlegende Luftkampf-Manöver geflogen werden.

Auf der Zielgeraden

Ein Kampfjetpilot der Luftwaffe sitzt in einem Cockpit

Leutnant Mario Röser

Foto: © Bundeswehr / Takt LwGeschw 73 Bildstelle

Im ersten der vier Flüge jedes Abschnitts der BFM-Phase sitzt der Schüler in einem Eurofighter-Doppelsitzer mit einem Fluglehrer hinter sich. Ab der zweiten Mission fliegt er allein - mit dem Fluglehrer (Instructor Pilot/IP) in einem anderen Jet „an der Wing“. Der vierte Flug ist bereits ein sogenannter „Demo Proficiency Ride“, in dem der Schüler seine Fähigkeiten als alleiniger Pilot unter Beweis stellen muss. Nach der BFM-Phase geht es dann so richtig ins Eingemachte: die Flugschüler müssen mit dem Eurofighter ein Luftziel auch auf große Entfernung identifizieren, abfangen und mit den AMRAAM - Radarraketen bekämpfen.

Egal ob bei Tag oder bei Nacht, sie erlernen bei den Übungsflügen Einsatztaktiken, um sich gegen mehrere potentielle Gegner zur Wehr zu setzen, wobei beide Seiten immer mehr Fähigkeiten zur „Bedrohung“ nutzen dürfen. Dass dabei auch mal ein Lernziel nicht erreicht wird, gehört zum Lerneffekt dazu. Aber was einmal erfolgreich abgehakt ist, wird ab dem nächsten Flug vorausgesetzt. Begleitet werden die praktischen Übungen mit kontinuierlichem Simulatortraining.

Das Finale

Silhouette eines Kampfjetcockpits in einem Flugsimulator

Simulation vom Fliegen: Der Cockpit-Trainer

Foto: © Bundeswehr / Takt LwGeschw 73 Bildstelle

Besondere Herausforderungen für die Flugschüler sind gegen Ende des Lehrganges Schießübungen ohne Sicht - nur mit Radarkontakt, eine Mission im Alarmrotten-Profil sowie Luftbetankungen. Zum Finale des B-Kurses stehen vier Flüge zur Anwendung der erlernten Luftkampftaktiken auf dem Plan (Air Combat Tactics), bei denen der Bedrohungsgrad sukzessive nach oben geschraubt wird. „Und in der Abschlussmission kommt dann alles zusammen“, so Röser. Die steht Ende Oktober dieses Jahres auf dem Programm.

Für die zwei künftigen Eurofighter-Piloten geht dann in wenigen Wochen in Laage ein beruflicher und persönlicher Traum in Erfüllung, den sie dann in Neuburg ausüben dürfen: An einem Eurofighter-Einsitzer. Wir wünschen ihnen für das anstehende Finale schon mal das obligatorische „Hals- und Beinbruch“.