Ein Soldat befestigt einen Betankungsschlauch  am Tankfahrzeug

OStGefr Caspers schließt den Schlauch zur Betankung an die Pumpe des Tankwagens an

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Verantwortung bei Tag und Nacht

Der Oberstabsgefreite (OStGefr) Markus Caspers (27) arbeitet für das Taktische Luftwaffengeschwader 31 “Boelcke“ auf dem Luftwaffenstützpunkt in Nörvenich. Auf dem ehemaligen Militärflughafen der Royal Air Force startet und landet unter anderem der moderneste Düsenjäger der Bundeswehr, der Eurofighter. Nach der Landung muss das Flugzeug natürlich für den nächsten Einsatz vorbereitet werden. Zu diesem Zeitpunkt kommt der Mannschaftssoldat ins Spiel und kann seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Caspers ist Flugfeldtankwagenfahrer (FTW) für Gefahrgut bei der Nachschub- und Transportstaffel und ist zuständig für die ordnungsgemäße Betankung der Luftfahrzeuge (Lfz).

Kernarbeitszeit - Gleitzeit?

Zwei Soldaten stehen an der Heckklappe eines Tankfahrzeuges

Vor der Betankung des Lfz muss der Kraftstoff von Caspers auf Unreinheiten geprüft werden

Foto: © Bundeswerhr / Tobias Kliesing

Es ist fast 14:00 Uhr und gleich beginnt die Spätschicht des OStGefr. Diese Woche endet die Schicht für ihn um 23:00 Uhr. Im wöchentlichen Wechsel zwischen Früh-, Tag-, Spät- und Nachtschicht verrichtet der Mannschaftssoldat seinen Dienst für das Geschwader. Er hat sich daran gewöhnt, dass auf dem Flughafen im Schichtdienst gearbeitet werden muss. Die wöchentlich wechselnden Arbeitszeiten sind für den Mannschaftssoldaten zwar eine Belastung, aber er sagt, dass er das Ganze gut verkraftet und ergänzt: „Wir wechseln die Schicht immer freitags und im Ausnahmefall auch mal sonntags, also entweder nach fünf oder sieben Tagen.“ Normalerweise hat er zwischen den Schichten das Wochenende frei, aber aufgrund der Stationierung des Rettungshubschraubers und der notwendigen „Rund-um-die-Uhr“-Einsatzbereitschaft muss auch er schon mal am Wochenende arbeiten. Caspers sagt: „Das kommt aber aufgrund der Anzahl der Leute in meinem Team nicht so oft vor und dementsprechend kann ich mich eigentlich auf die Schichten wunderbar einstellen.“ Die Teileinheit “Petrol, Oil, Lubricants“ der Nachschub- und Transportstaffel besteht insgesamt aus 26 Leuten, darunter sind acht militärische und sieben zivile Kraftfahrer. Vier Unteroffiziere sind für die Materialbewirtschaftung zuständig. Es gibt drei Feldwebelposten, einen Laboranten, zwei Tankanlagenmechaniker und ein weiterer Kollege ist für die Werkstatt verantwortlich. Zu dem Team zählen auch vier weibliche Mitarbeiterinnen.

Hochwertige Ausbildung für den Umgang mit Gefahrgut

Ein Soldat steht an einem Tankfahrzeug und bedient die Kraftstoffpumpe

OStGefr Caspers bei der Bedienung der Kraftstoffpumpe

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Caspers hält sich mit seinem FTW meistens im Flugbetriebsbereich auf. „Dafür benötige ich eine Zugangsberechtigung, denn hier kommt verständlicherweise nicht jeder rein“, so Caspers. Aufgrund der Vorschriften und der guten Ausbildung kann hier nichts passieren, sagt Caspers und ergänzt: „Nein, schief gegangen ist auf jeden Fall noch nichts. Das liegt auch daran, dass wir Hand in Hand arbeiten und immer die Vorschriften beachten. “Er ist nicht einfach nur ein ganz normaler LKW-Fahrer, sondern hinter seinem Job steckt viel mehr. „Ich bin Flugfeldtankwagenfahrer mit Gefahrgut. Im Endeffekt bin ich für alle Arten von Luftfahrzeugen ausgebildet, um diese mit Kraftstoff zu versorgen“, fügt er hinzu. Dazu gehören beispielsweise die Tornados, die für zwei Wochen auf dem Luftwaffenstützpunkt in Nörvenich stationiert wurden. Der Rettungshubschrauber, sowie die beiden Hubschrauber NH-90 und CH-53 werden ebenfalls von ihm betankt. „Auch kommt es ab und zu mal vor, dass eine Transall hier her kommt und Sprit benötigt.“, so Caspers. Damit er diesen gefährlichen Job überhaupt machen kann, muss er für den Umgang mit und den Transport von Gefahrgut bestens ausgebildet sein. Die Grundvoraussetzung ist der LKW-Führerschein. „Die Ausbildung zum LKW-Fahrer und der Erwerb des Führerscheins dauert sechs Wochen. Im Anschluss wurde ich relativ zeitnah auf einen international anerkannten Lehrgang für den Transport von gefährlichen Gütern geschickt. Dieser Lehrgang dauert nochmals zwei Wochen und ist sehr wichtig, denn dort habe ich den Umgang mit Gefahrgut beigebracht bekommen“, sagt Caspers. Der Lehrgang in zwei Bereiche unterteilt: Es gibt einen Basiskurs, der dazu berechtigt Stück- und Schüttgut zu transportieren und zusätzlich einen Aufbaukurs für den Transport von Tankgütern. „Hier wurde mir auch alles Wichtige über den Tankaufbau des Tankwagens und den Umgang mit explosiven Stoffen und Gütern beigebracht“, so Caspers. „Insgesamt dauerte die Ausbildung zwei Monate, bis ich die Befähigung zum Führen des riesigen FTW mit einem Bruttogewicht von 44 Tonnen und 32.500 Liter Fassungsvermögen erhalten hatte.“

Qualitätsprüfung beim Kraftstoff

Während der Frühschicht muss OStGefr Caspers täglich die Qualitätsprüfung des Kraftstoffes im FTW durchführen. Bei dem sogenannten Wasserzapf entnimmt er an der tiefsten Stelle des Tanks und am Filter-Wasserabscheider Kraftstoff und überprüft diesen auf Verunreinigung und ob sich dort eventuell Wasser gesammelt hat.

„Das Wasser im Kraftstoff könnte in großer Höhe gefrieren und im schlimmsten Fall einen Triebwerkausfall verursachen“.

Außerdem wird der Füllstand des Tanks geprüft und die Leitfähigkeit des Kraftstoffes gemessen. Der Kraftstoff muss in einem bestimmten Toleranzbereich liegen, da bestimmte Zusätze ein Gefrieren des Kraftstoffes verhindern. Anschließend wird der Tankschlauch gespült und der Differenzdruck der Filteranlage gemessen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Filter auch sehr feinen Dreck und Wasser aus dem Kraftstoff herausfiltern können. Weitere Maßnahmen, die von ihm durchgeführt werden, gewährleisten die Kraftstoffqualität.

Kleine Unachtsamkeit mit fatalen Folgen

Ein Soldat hält einen Sicherheitschalter in der Hand

Aus Sicherheitsgründen muss der Handschalter während der Betankung ständig gedrückt werden

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Schon auf der knapp zwei Kilometer langen Fahrt zum Flugfeld muss Caspers auf wichtige Dinge achten, die den Flugbetrieb erheblich beeinträchtigen könnten. Bevor der FTW in den Flugbereich einfahren darf, fährt er über einen Gitterrost. Vor und nach dem Überfahren des Gitterrostes prüft der Fahrer, ob sich eventuell kleine Steine oder Ähnliches in den Reifen verfangen haben. „Ich muss gewährleisten, dass ich keine losen Teile mit in den Flugbetriebsbereich bringe, die ein Flugzeug beschädigen könnten“, sagt Caspers. „Wenn der FTW an der Flugzeughalle angekommen ist, muss ich das zu betankende Luftfahrzeug und den FTW erden. Dadurch kann keine elektrostatische Aufladung auftreten und den FTW oder das Luftfahrzeug eventuell schädigen.“ Nachdem alle Sicherheitsvorkehrungen beachtet wurden, kann die Betankung beginnen. Zunächst notiert sich der OStGefr die Kennung des Luftfahrzeuges und wartet auf das Zeichen des Technikers. Dann schaltet er die Kraftstoffpumpe ein. „Mit einem Handschalter überwache ich die Betankung. Den Schalter muss ich ständig gedrückt halten und alle 30 bis 40 Sekunden loslassen und dann erneut drücken. Ich kann die Pumpe jederzeit und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde durch Loslassen des Handschalters zum Stillstand bringen. Das ist wichtig, falls etwas Unvorhergesehenes geschehen sollte.“ Nach ungefähr zehn Minuten und mit circa 7.000 Liter Treibstoff im Tank ist der Eurofighter dann bereit für den nächsten Flug.

Die Zahl der Mannschaftsdienstgrade steigt

Ein Luftwaffensoldat steht mit einem Klemmbrett in der Hand vor einem Kampfjet

OStGefr Caspers notiert vor dem Betanken die Kennung des Luftfahrzeugs

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht ist die Dienstgradgruppe des Mannschaftsoldaten für die Bundeswehr wichtiger denn je. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Mannschaftssoldat immer häufiger dazu bereit ist, seine Dienstzeit bei der Bundeswehr auf lange Sicht festzulegen. Verpflichtungszeiten von zwölf Jahren und mehr sind keine Seltenheit. Seine Erfahrung aus Einsätzen und die gute Ausbildung machen ihn zu einem wichtigen Bestandteil für das militärische Personal. In zahlreichen Funktionen werden Mannschaftssoldaten nach erfolgreicher Ausbildung eingesetzt. Beispielsweise als Infanterist, im Wachdienst, als Bediener von Waffensystemen, als Mechaniker, in Stabsabteilungen und als Kraftfahrer. Erst mit der notwendigen Erfahrung und Fachkompetenz werden Mannschaftsdienstgrade als Ausbilder, Truppführer, stellvertretende Gruppenführer oder auf Stabs- und Fachposten eingesetzt. Caspers hat sich für acht Jahre verpflichtet, aber sein Wunsch ist es, sich für 25 Jahre als Zeitsoldat zu verpflichten. „Wenn das nicht klappen sollte, dann würde ich gerne eine Ausbildung mit Fachrichtung Informatik machen und mich bei einem zivilen Arbeitgeber bewerben.“, fügt Caspers hinzu. Für ihn ist die Bundeswehr der ideale Arbeitgeber und daher würde er die Bundeswehr jederzeit weiterempfehlen.

Autor: PIZ Personal/Tobias Kliesing