Boardingsicherungssoldaten stehen hintereinander vor einer Mauer

Ein Halbteam in taktischer Aufstellung

Foto: © Bundeswehr / H. Cabanski

Boardingsicherungssoldaten - Wenn es jeder könnte, wären wir keine Spezialisten

Das Abseilen aus Helikoptern oder das Aufbringen von Piratenbooten fällt jedem sofort ein, wenn er den Begriff Boardingsicherungssoldat hört. Die Fähigkeitspalette dieser Kampftruppe der Marine ist aber noch um einiges größer. Jedes Boardingsicherungsteam besteht aus zwei Halbteams mit jeweils fünf Spezialisten, die sehr schlagkräftig und effizient ihren ganz besonderen Auftrag erfüllen.

Wir sind bei der Boardingkompanie in Eckernförde und haben die Gelegenheit, einem dieser Spezialisten über die Schulter zu schauen. Stabsgefreiter Ansgar K. ist der Dokumentator des Boardingsicherungsteams Bravo.

Wollte schon immer Soldat werden

„Im Prinzip wollte ich schon immer Soldat werden. Also hatte ich auch kein Problem damit, als ich zum Abschluss meiner Lehre zum Grundwehrdienst eingezogen wurde. Im Februar 2010 trat ich meinen Wehrdienst an.

Ein Boardingsicherungssoldat im Portrait

Boardingsicherungssoldat Stabsgefreiter Ansgar K.

Foto: © Bundeswehr / M. Liekefett

„Nach einer zweimonatigen Allgemeinen Grundausbildung an der Marinetechnikschule in Parow war es dann soweit. Ich wurde als Decksgast (Bezeichnung für Mannschaftsdienstgrade) auf einer Fregatte eingesetzt. Diese Tätigkeit ist bestimmt nicht unwichtig, hatte aber mit dem was ich mir unter Soldat sein vorstellte, gar nichts zu tun. Also war es nur konsequent, dass ich versuchte, da hin zu kommen, wo mir meine Wunschverwendung geboten werden konnte – zum SEK M, den Spezialisierten Einsatzkräften Marine – dafür legte ich sogar auf und wurde Freiwillig Wehrdienstleistender für 23 Monate“, erklärt Stabsgefreiter K.

Boarding Basic Training

Nach sieben Monaten war es dann endlich soweit. Er wurde zum vierwöchigen Boarding Basic Training nach Eckernförde kommandiert.

„Ich wusste, dass ich nur, wenn ich diese Vorauswahl bestehe, eine Chance habe, in dieser einzigartigen Verwendung Dienst zu leisten. Also war klar, dass ich hier alles gab und den Test bestand“, sagt der gelernte Maler und Farbtechniker.

Nach bestandenem Basistest begann die Vollausbildung zum Boardingsicherungssoldaten.

Grenzen kennenlernen

Ein Boardingsicherungssoldat seilt sich kopfüber auf einer Hindernisbahn  ab

Höhenangst darf man bei dieser Verwendung nicht haben

Foto: © Bundeswehr / M. Liekefett

„Jetzt hatte ich genau das, was ich immer wollte. Die Ausbildung war wirklich hart. Die Schießausbildung geht weit über das hinaus, was in der Truppe praktiziert wird. Allein die Waffen, die wir hier schießen, bekommt man sonst gerade mal zu Gesicht. Natürlich war auch die körperliche Fitness in dieser Ausbildung ein weiterer Schwerpunkt. Vom Konditionstraining über Nahkampfausbildung bis zu Fastropingverfahren wurde uns schon einiges abverlangt. Dazu kam noch eine umfangreiche taktische Ausbildung.

Diese Fähigkeiten sind für mich genau die, die einen Soldaten ausmachen. Man lernt seine Grenzen kennen, aber auch sie immer weiter zu stecken“, erklärt der sympathische Stabsgefreite und grinst.

Das Boardingsicherungsteam (BST)

Jedes Boardingsicherungsteam besteht, wie bereits gesagt, aus zwei Halbteams mit jeweils fünf Soldaten. Jeder im Team hat neben seiner eigentlichen infanteristischen Aufgabe immer eine Spezialisierung.
Position 1 ist speziell geschult als Risikoanalyst, das heißt, er kontrolliert die Begehbarkeit von Räumen und untersucht sie auf Gefahrenquellen. Position 2 ist der Teamsicherer und Zugangstechniker. Position 3 ist der Dokumentator des Teams. Er dokumentiert zum Beispiel Personen, aufgefundene Waffen und Munition oder auch Drogen. Position 4 ist immer der Teamführer, ein erfahrener Bootsmann, der das Team führt. Position 5 ist der Medic. Die medizinische Ausbildung dieses Soldaten steht der eines zivilen Notfallsanitäters in nichts nach.

Spezielle Talente

„Am Ende der Ausbildung teilen uns die Vorgesetzten mit, wo sie die speziellen Talente der Boardingsicherungssoldaten erkannt haben. In meinem Fall war es die Dokumentation. Wenn der entsprechende Kontakt (verdächtiges Schiff oder Boot) sicher ist, beginnt meine Spezialaufgabe. Ich schieße zum Beispiel Porträtaufnahmen von Verdächtigen und dokumentiere besondere Kennzeichen wie Narben oder besondere körperliche Merkmale, halte Seriennummern von Waffen fest oder fotografiere verdächtige Gegenstände. Diese Daten übergebe ich dem Nachrichtenpersonal der Fregatte, auf der wir stationiert sind, zur Auswertung. Meine Tätigkeiten sind im Prinzip mit denen der Spurensicherung, wie man sie aus unzähligen Filmen kennt, vergleichbar. Allerdings schwankt mein Arbeitsplatz vermutlich ein bisschen mehr“, erklärt K.

Schulung und Selbststudium

Seine Fertigkeiten werden dem Dokumentator in nationalen, teils zivilen Lehrgängen beigebracht. Innerhalb der Kompanie erfolgt die Weiterbildung durch die einsatzerfahrenen Dokumentatoren. Ansgar K. zählt zu den Erfahrensten. Die Meinung seiner Vorgesetzten ist eindeutig – er leistet eine sehr gute Arbeit. Das konnte er auch schon bei mehreren Auslandseinsätzen beeindruckend unter Beweis stellen.

Seine nähere Zukunft plant K. bei der Bundeswehr. „ Ich bin mittlerweile Soldat auf Zeit für fünf Jahre und habe einen Antrag zur Übernahme in die Laufbahn der Bootsleute gestellt. Ich hoffe natürlich, dass ich hier einen positiven Bescheid erhalten werde, bin mir aber sicher, auch zivil meinen Weg zu machen“, sagt K. Seine Vorgesetzten jedenfalls würden diesen erfahrenen Mann gerne in der Boardingkompanie behalten.

Autor: H. Cabanski