Ein weiblicher Marineoffizier auf dem Deck einer Fregatte

Oberleutnant zur See Sandra Hoffmann auf dem Flugdeck der Fregatte

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Oberleutnant zur See Sandra Hoffmann – Brückenwachoffizier auf der Fregatte "Augsburg"

Für die junge Soldatin aus Sachsen-Anhalt stand schon früh fest, dass sie zur Bundeswehr wollte. „Seit der 8. Klasse ließ mich die Idee Soldatin werden zu wollen nicht mehr los. Durch Reportagen wurde mein erstes Interesse, insbesondere an der Marine, geweckt."

Dieses Interesse wurde schnell zu einem konkreten Berufswunsch. „Ich hatte neben den Reportagen selbstverständlich noch andere Informationsquellen. Bei einer Marineveranstaltung „Open Ship“ hatte ich zum Beispiel die Gelegenheit, ein Schiff der Deutschen Marine vor Ort zu besichtigen und den Soldatinnen und Soldaten meine Fragen zu stellen. Eine weitere wichtige Quelle war das Internet. Hier waren die Seiten der Marine und der Bundeswehr-Karriere meine Favoriten“, erläutert H.

Nach dem Abitur direkt zur Marine

Ein weiblicher Marineoffizier an einem optischen Gerät auf der Brücke einer Fregatte

Nicht jedes Gerät auf der Brücke ist elektronisch

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Mit dem Abitur in der Tasche konnte Sandra Hoffmann weiter Richtung Arbeitgeber Bundeswehr planen. Es folgte ein Gespräch bei der Karriereberatung. Kurze Zeit später gab sie ihre Bewerbungsunterlagen ab. „Damals mussten meine Eltern noch meine Unterlagen gegenzeichnen, da ich noch keine 18 Jahre alt war. Mit meinem Schulabschluss wollte ich natürlich auch möglichst hoch einsteigen, also Offizier werden. Es dauerte nicht lange und die Einladung zur Prüfung bei der Offizierbewerberprüfzentrale (Anm. d. Red.: das heutige Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr) nach Köln lag in der Post.“, sagt Oberleutnant Hoffmann. Auch diese Hürde konnte sie locker überspringen. Sie bestand ihre Offizierprüfung und wurde Offizieranwärter bei der Marine. Sie bekam auch eine Studienzusage und zwar für den Bereich Pädagogik.

Diensteintritt: 01.07.2007

Am 01.07.2007 trat Sandra Hoffmann ihren Dienst an. Ihr erster Standort war die Marineschule in Mürwik. „In der Marineschule fand der Basislehrgang statt, ähnlich der Allgemeinen Grundausbildung in den anderen Teilstreitkräften. Aber bis ich endlich auf eine Fregatte kommen sollte, verging noch einige Zeit mit vielen interessanten Lehrgängen. Auch das hat seinen Reiz. Man lernt vieles, was für die spätere Tätigkeit als Offizier immens wichtig ist“, sagt Hoffmann.
Zwischen den nun folgenden militärischen und fachlichen Lehrgängen absolvierte die Soldatin ihr Studium an der Universität der Bundeswehr in München.

Endlich auf einem Schiff

Im Mai 2013 wurde Oberleutnant zur See Hoffmann auf die Fregatte Augsburg versetzt. Aber wie das nun mal bei seegehenden Einheiten ist, befand sich die Augsburg gerade auf Fahrt. Also wurde sie erstmal auf der Fregatte Bremen, einem Schwesterschiff der Augsburg eingesetzt, wo sie erste Erfahrungen für ihre spätere Tätigkeit als Brückenwachoffizier sammeln konnte.

„Hier konnte ich viel lernen, war aber trotzdem glücklich, als ich am 13. August 2013 in Djibouti auf die Fregatte Augsburg eingeschifft wurde. Jetzt war ich auf meinem Schiff“, sagt die Soldatin und lächelt.

Der Einsatz als Offizier an Bord

Ein weiblicher Marineoffizier steht durch ein Fernglas sehend auf der Brücke einer Fregatte

Alles im Blick

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Als Offizier auf einer Fregatte hat man neben seiner Hauptaufgabe auch weitere Funktionen. Bei Oberleutnant zur See Hoffmann sind das neben der Tätigkeit als Brückenwachoffizier der Einsatz als Fernmeldeoffizier und Presseoffizier der Fregatte. In ihrer Funktion als Fernmeldeoffizier führt sie die Teileinheit 620. Hier wird alles koordiniert, was an Bord mit Funk und Signal zu tun hat. „Ich habe dafür selbstverständlich meine Spezialisten. Wir arbeiten im Team. Natürlich muss der Offizier am Ende die Entscheidungen treffen, ich kann mich aber immer darauf verlassen, von meinen Fachleuten gut beraten zu werden“, erklärt Hoffmann. Als Presseoffizier begleitet sie zum Beispiel Journalisten an Bord, plant Presse-Events oder schreibt für verschiedene Medien Artikel aus den Einsatzgebieten.

Brückenwachoffizier

In ihrer Tätigkeit als Brückenwachoffizier fährt sie das Schiff im Auftrag des Kommandanten. Sie ist zum Beispiel dafür verantwortlich, dass das Schiff zu einer vom Kommandanten festgesetzten Zeit in einem Hafen einläuft oder muss Passierabstände, also Abstände zwischen dem eigenen Schiff und vorbeifahrenden Schiffen, beachten.

Ein weiblicher Marineoffizier im Gespräch mit einem Bootsmann

Als Brückenwachoffizier auf der Brücke der Fregatte

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Niemand verlangt von einem jungen Offizier, dass er oder sie das auf Anhieb alleine schafft. Dafür ist die Verantwortung in dieser Position für das Schiff und seine Besatzung zu groß. Also wird dem Wachoffizierschüler ein erfahrener Offizier zur Seite gestellt. Der "Backseater", wie dieser Offizier genannt wird, gibt dem Wachoffizierschüler die Handlungssicherheit, die man für diese wirklich verantwortungsvolle Tätigkeit braucht. Der Schüler sitzt zwar am Kommandopult, er weiß aber, dass er von hinten immer beraten wird, wie am besten zu reagieren ist oder wird auch mal auf kleine Denkfehler aufmerksam gemacht.

Diese Ausbildungszeit ist unterschiedlich lang. "Es kommt darauf an, wie schnell man selbst in der Lage ist, richtige Entscheidungen treffen zu können“, erläutert Oberleutnant z. S. Hoffmann. Sie erwarb ihre Eignung zum Brückenwachoffizier während einer fünfmonatigen Seefahrt. Als 25-jährige fuhr sie also schon selbstständig eine Fregatte im Auftrag des Kommandanten.

Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten

„Das Miteinander auf dem Schiff, die Kameradschaft untereinander, ist schon was Besonderes. Ich weiß, dass ich mich auf die Crew, seien es die Vorgesetzten oder Untergebenen, verlassen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in der zivilen Wirtschaft in meinem Alter eine Tätigkeit gefunden hätte, bei der ich auch nur annähernd diese beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten bekommen hätte. Wer führt schon draußen in meinem Alter so viele Menschen oder hat die Verantwortung über ein Schiff? Natürlich hat jeder Beruf seine Vor- und Nachteile. Ich zum Beispiel pendle von Wilhelmshaven nach Sachsen-Anhalt. Bei ca. 400 Kilometer einfache Strecke wird da ein Wochenende schon mal ganz schön kurz. Jeder, der zur Marine will, muss wissen, dass man eben auch mal monatelange auf See ist. Einsätze gehören einfach dazu. Aber das habe ich mir schließlich so ausgesucht und ich finde die Vorteile in meinem Beruf überwiegen. Ich denke dabei zum Beispiel an meine letzte Tour. Das Einlaufen in die verschiedenen Häfen hat schon was. Man sieht was von der Welt und lernt andere Länder und Menschen kennen“, sagt Oberleutnant Hoffmann.

Ein weiblicher Marineoffizier steht auf dem Deck einer Fregatte

Die Soldatin genießt auch gerne mal die frische Luft an Deck

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Der nächste Lebensabschnitt

Trotz aller Leidenschaft für ihren Beruf verfolgt die Zeitsoldatin für ihre Zukunft ganz andere Ziele. „Ich möchte irgendwann eine Familie gründen. Ich kann mir gut vorstellen, mein jetziges Hobby zum Beruf zu machen." Die sympathische Soldatin ist seit frühester Jugend bei der Freiwilligen Feuerwehr und - wen wundert es - hat dort schon die Qualifikation eines Zugführers erworben.

Autor: H. Cabanski