Ein Marinesoldat steht vor einer Fregatte

Obermaat K. vor der Fregatte Augsburg

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Obermaat K. – Elektroschiffsbetriebstechniker auf der Fregatte Augsburg

„In meiner Familie sind fast alle Männer bei der Marine zur See gefahren. So hatte ich schon früh den Wunsch, diese Tradition fortzuführen. Dabei war meine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik die Eintrittskarte zu der Laufbahn als Maat (Anm. d. Red.: Dienstgrad Unteroffizier bei der Marine)“, startet Obermaat K. das Interview.


Mit abgeschlossener Gesellenprüfung, kam K. zunächst als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr. Nach der Allgemeinen Grundausbildung wurde er im Dienstgrad eines Mannschaftssoldaten auf die Fregatte „Augsburg“ versetzt. Aber natürlich musste er noch zusätzlich ausgebildet werden, um auf seinem Posten voll einsatzfähig zu sein.

„Ich fühlte mich direkt wohl auf dem Schiff. Und konnte durch den vorhandenen Berufsabschluss bald in die Laufbahn eines Maat wechseln“, so K.


Die Lehre nach der Lehre

Ein Marinesoldat sitzt an einem Tisch mit Kontrollgeräten

K. an einem Bedienfeld des Leitstandes

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Um in dem speziellen Umfeld einer Fregatte als ESBT eingesetzt zu werden, mussten die guten Kenntnisse des jungen Soldaten noch spezifisch vertieft werden. „Dazu absolvierte ich den Fachlehrgang I, der circa drei Monate dauerte. Hier lernte ich die Besonderheiten, der auf den Schiffen eingesetzten Technik, kennen. Danach ging es auf den Unteroffizierlehrgang I, ein Muss für jeden Maat-Anwärter. Auf diesem Lehrgang werden die Grundlagen für den Umgang mit unterstellten Soldaten vermittelt. Der letzte Baustein meiner Ausbildung war der Systemlehrgang „Leitstand“. Hier lernte ich die Bedienung eben des Leitstands, was mich in die Lage versetzt schnell einen Überblick über den Zustand der Systeme in meinem Verantwortungsbereich zu erhalten“, erklärt der Obermaat.



Kein Arbeitsalltag

„Meine Arbeit im Zivilberuf ist mit dem Dienst an Bord nur schwer vergleichbar. Im „Zivilen“ war ich rein auf Elektrotechnik-Wissen angewiesen, an Bord ist es eine Mischung aus Elektrotechnik, Klima- und Sanitärtechnik, sowie Metallbearbeitung. Ich würde meine Verwendungsreihe, die 43er, auch als Hausmeister des Schiffes bezeichnen“, sagt K. nicht ohne Stolz.

Ein Marinesoldat bei Wartungsarbeiten im Maschinenraum einer Fregatte

Obermaat K. bei Wartungsarbeiten

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Einen Arbeitstag beschreibt er so: „Um 7:00 Uhr morgens startet mein Dienst mit der Musterung (Anm. d. Red.: Besprechung/Versammlung in militärischer Form). Hier werden die für den Tag anliegenden Arbeiten von dem Abschnittsmeister, in der Regel ein Bootsmann (Anm. d. Red.: Feldwebeldienstgrad der Marine), der Besatzung mitgeteilt. Danach gebe ich als Korporalschaftsführer (Anm. d. Red.: Gruppenführer bei der Marine) die Teilaufgaben an die Mannschaftsdienstgrade weiter. Es folgt die sogenannte Seewache. Dies bedeutet, dass ich stündlich verschiedene Positionen ablaufe und die Anlagen im Betrieb kontrolliere. Dabei werden die Arbeitswerte der Maschinen und Einrichtungen notiert. Bei Bedarf werden die Einstellungen angepasst oder Instandsetzungen an den Systemen durchgeführt.

Gegen 12:00 Uhr ist Backen und Banken angesagt, das bedeutet in der Seemannssprache Essen. Nach dem Mittagessen gibt es noch einmal eine Musterung, in der wieder alle Aufträge für die nächsten Stunden erhalten. Hier fällt zum Beispiel die planmäßige Materialerhaltung an. In bestimmten Intervallen, täglich, wöchentlich, 14-tägig, werden Arbeiten durchgeführt, die die Funktion des Schiffes als Ganzes und speziell der Anlagen in meinem Abschnitt langfristig sicherstellen. Auch bei diesen Arbeiten werde ich wieder von den Mannschaften des Abschnitts unterstützt. Damit dass so funktioniert, erhält jeder neu zuversetzte Soldat für seinen Abschnitt eine entsprechende Ausbildung/Einweisung. Diese endet nach ein paar Wochen mit einem theoretischen und praktischen Test. Nach bestandener Prüfung, erhalten die Soldaten eine Bestätigung zur sogenannten Wachfähigkeit. Aber zurück zu meinem Tagesablauf: Gegen 17:00 Uhr gibt es in der Messe Abendbrot. Danach beginnt meine Freischicht, in der ich an Deck das Eigentliche am zur See fahren genießen kann und mich in meiner Koje ausruhe, um für die Seewache von 00:00 bis 04:00 Uhr fit zu sein.“

Drei Marinesoldaten im Gespräch

Besprechung im Kreis von Kameraden

Foto: © Bundeswehr/Jani Pushparajah-Hoof


Gute Freunde und unvergessliche Eindrücke

Auf das Besondere seines Berufes angesprochen, antwortet der Obermaat: „Dass wir die Aufgaben hier an Bord als Team meistern, ist für mich ein besonderes Merkmal. Ich habe hier unter den Kameraden einige sehr gute Freunde gefunden. Das macht es auch leichter, oft lange von Familie und Freunden an Land getrennt zu sein. Außerdem komme ich viel in der Welt herum. So habe ich bei einigen Einsätzen und Übungen schon mit jungen Jahren viel von der Welt gesehen. An die Hafenaufenthalte in Dubai und auf den Seychellen denke ich zum Beispiel gerne zurück.“


Positives mitnehmen und optimaler Übergang

Den kameradschaftlichen Umgang möchte K. auch später mit in sein weiteres Berufsleben einfließen lassen. 

Ein Marinesoldat liest ein Kontrollgerät ab

K. bei der Kontrolle von Arbeitswerten

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

„Ich möchte schon während meiner Zeit bei der Bundeswehr eine Weiterbildungsmaßnahme zum Techniker machen. Dies wird mir durch den Berufsförderungsdienst ermöglicht. Wenn ich dann bei meinem neuen Arbeitgeber in einer Position mit Personalverantwortung eingesetzt werde, möchte ich versuchen, eben diesen Geist des Miteinanders bei meinem Team zu fördern“, so der Obermaat. Darauf angesprochen, warum K. seine Zeit bei der Bundeswehr nicht mehr verlängern möchte, antwortet er: „Ich möchte mich fest niederlassen, um eine Familie zu gründen und für diese da zu sein. Das ist für mich persönlich als Pendler nicht ganz so einfach“. „Aber mit Hilfe des Berufsförderungsdienstes hoffe ich, meine erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen optimal für den Wiedereinstieg in das zivile Berufsleben nutzen zu können“, beendet Obermaat K. das Interview.

Autor: dh