Ein Techniker der Marine im Portrait

Er bringt Hubschrauber in die Luft - Luftfahrzeugmechaniker Hauptbootsmann Oliver Olk

Foto: © Bundeswehr / Sophie Fiebeler

Er bringt Hubschrauber in die Luft - Luftfahrzeugmechaniker Hauptbootsmann Oliver Olk

Der Traum vom Fliegen – Heutzutage keine Attraktion mehr. Doch was passiert eigentlich hinter den Kulissen? Ein Schaden am Luftfahrzeug kann schwerwiegende Folgen haben. Luftfahrzeugmechaniker sind Spezialisten auf ihrem Gebiet. Sie sorgen dafür, dass die Piloten sicher fliegen können. Die Teamarbeit spielt an Bord eine wichtige Rolle. Aufgrund der Personalstärke muss jeder mit „anpacken“!

Hauptbootsmann Oliver Olk ist Fluggerätetechniker, mit der Fachrichtung Luftfahrzeugmechanik, in der technischen Bordhubschrauberstaffel vom Marinefliegergeschwader 5. Als Marineflieger repariert er Hubschrauber an Land und auf See. „Das Leben und die Arbeit an Bord sind etwas ganz Besonderes. Viele verschiedene Persönlichkeiten und Charaktere auf engen Raum.“, erklärt Olk. Das eingeschiffte Personal muss sich schnell einarbeiten und die Arbeitsabläufe automatisieren, um einen reibungslosen Flugbetrieb an Bord zu gewährleisten.

„Das schweißt in der Tat zusammen. Es ist schön nach einem langen Tag an Bord sagen zu können, dass alles gut geklappt hat und das Team funktioniert.“, schwärmt Olk von seinen Erfahrungen auf See.

Wie alles begann - Der Weg zum Luftfahrzeugmechaniker

Ein Techniker der Marine schraubt an einem Hubschrauber

Hauptbootsmann Olk hat Spaß beim Schrauben

Foto: © Bundeswehr / Sophie Fiebeler

Schon Olk’s Vater war als Fahrlehrer bei der Marine eingesetzt, wodurch er früh Kontakt zu dem Beruf hatte. „Als Kind hat er mir immer Geschichten erzählt von den großen grauen Kriegsschiffen und das hat letztendlich auch mein Interesse geweckt.“, erzählt er aus seiner Kindheit. Der Reiz oder das Abenteuer der Seefahrt und die Welt zu sehen, haben ihn bestärkt zur Marine zu gehen. „Ich habe die Herausforderung gesucht, wollte mich weiterentwickeln, letztendlich auch mehr Verantwortung übernehmen. Die Marine bietet all das. Aus diesem Grund habe ich mich für die Marine entschieden.“, erklärt der Portepeeunteroffizier.

Nach seiner Ausbildung arbeitete er noch als Geselle, ehe er entschloss, sich über die beruflichen Möglichkeiten bei der Marine zu informieren. Der Karriereberater zeigte ihm die verschiedenen technischen Berufe auf. Er entschied sich als Fluggerätemechaniker bei den Marinefliegern einzusteigen. Aufgrund der Tatsache, dass er einen technischen Beruf bereits erlernt hatte, konnte er 2008 als Bootsmannanwärter (Meisterlaufbahn) in die Marine einsteigen.

„Wenn ein Auto defekt ist, kann ich rechts ran fahren und es in die Werkstatt bringen. Bei einem Hubschrauber wird es da schwierig. Der kann nicht mal eben irgendwo landen.“, betont Olk.

Der heute 27 jährige hat sich der Herausforderung angenommen und trägt viel Verantwortung für Material und Personal. Er ist sich seiner Aufgabe als Luftfahrzeugmechaniker stets bewusst, denn von der Sorgfalt seiner Arbeit, und der seiner Soldaten hängt das Leben der Piloten und der Besatzung ab.

Vom Gesellen zum Meister

Bevor Hauptbootsmann Olk als Dockleiter die Verantwortung übernommen hatte, musste er zunächst Erfahrungen im Flugdienst an Land und an Bord sammeln, wo er bei Seefahrten Teil der Bordwartungsgruppe war. Neben den Besatzungen bilden 16 Techniker die sogenannte Bordwartungsgruppe und die gesamte Teileinheit bildet auf einer Fregatte oder einem Einsatzgruppenversorger den Hauptabschnitt 500 ab. „Eine eingeschworene Mannschaft, die über längere Zeit ständig zusammen arbeitet und als Team funktionieren muss.“, beschreibt Olk die Arbeit an Bord.

Sein Arbeitsplatz ist das Dock. Das sind Arbeitsbühnen und Plattformen für die Wartung und Instandhaltung von Hubschraubern. Dort wird der Hubschrauber bis auf die Zelle zerlegt und die Fehleranalyse und Fehlerbehebung durchgeführt. Hauptbootsmann Olk verteilt Aufträge an seine Unteroffiziere und überprüft deren Arbeit. Doch nicht nur das Schrauben und Instandsetzen gehören zu seinen täglichen Aufgaben, auch für die administrativen Aufgaben seiner Untergebenen ist er verantwortlich.

Ein Dock - Ein Team - Ein gemeinsames Ziel

Ein Techniker der Marine kontrolliert das Cockpit eines Hubschraubers

Kontrolle der Technik im Cockpit

Foto: © Bundeswehr / Sophie Fiebeler

Die Verantwortung für Hauptbootsmann Olk und sein Team liegt im Zeitraum von der Ankunft des Hubschraubers im Dock bis zur Übergabe an den Flugdienst. Alle 25 Flugstunden wird eine kleine Inspektion durchgeführt. Nicht zu vergessen sind die Vor- und Nachfluginspektionen, um mögliche Risiken oder Fehler zu vermeiden oder zu beheben. Alle 200 Flugstunden wird der Bordhubschrauber „Sea Lynx“ MK 88 A dann komplett zerlegt. Durch diese große Inspektion können alle Komponenten am Luftfahrzeug sichtgeprüft und gegebenenfalls instandgesetzt oder ausgetauscht werden.

Viel Druck für das Team, denn die Instandsetzungszeiträume müssen eingehalten werden. „Das einzige Ziel für das Team und mich ist, dass wir die Maschine in die Luft kriegen und möglichst viele Maschinen einsatzklar sind.“, betont Hauptbootsmann Olk. Sind alle Arbeiten im Dock erledigt und der Hubschrauber wieder zusammengebaut, wird er für Nachprüfungen an die Fachabteilung „Flugdienst“ übergeben.

„Ähnlich wie beim TÜV, wird der Hubschrauber nochmals auf Herz und Nieren geprüft.“, erläutert er weiter.

Nachdem der Hubschrauber an den Flugdienst übergeben wurde, werden erste Tests durchgeführt, welche dann zeigen, ob das Dock gute Arbeit geleistet hat. Sobald seine fertiggestellte „Sea Lynx“ alle Tests überstanden hat, kann sie für den täglichen Flugdienst und somit für weitere 200 Flugstunden freigegeben werden.

Hohe Planbarkeit in einer marinefliegertechnischen Verwendung

Wer sich für eine marinefliegertechnische Verwendung entscheidet, wird beinahe ausschließlich in Nordholz eingesetzt, da es der einzige Marinefliegerstützpunkt in Deutschland ist. Für Olk ein gutes Argument. Der gebürtige Emder ist vor kurzem Vater geworden und hat dadurch viele Möglichkeiten zu planen. Er muss am Wochenende keine 1000 Kilometer pendeln, um bei seiner Familie zu sein. Aber nicht nur die Planbarkeit, auch die militärische Komponente hat ihn überzeugt, diesen Weg einzuschlagen. „Man hat gute Qualifikationsmöglichkeiten, kann sich weiterentwickeln und ständig neue Herausforderungen annehmen, die einem nach der Dienstzeit im zivilen Leben weiterhelfen werden. Ob es Englisch-Lehrgänge, fachspezifische Lehrgänge oder die Möglichkeit nach der Dienstzeit, im Rahmen des Berufsförderungsdienstes, nochmal etwas anderes zu machen, wie ein Studium, sind. Hier stehen einem alle Türen offen.“, betont Olk dankbar.

Für die Zukunft

Olks Ziel für die Zukunft ist es zunächst in Nordholz als Dockleiter zu bleiben und die Qualifikation zum Nachprüfer im Rahmen des Sechs-Augen-Prinzips zu erhalten. Nach jeder Instandsetzung folgt eine Sichtprüfung nach dem Prinzip „Mechaniker – Meister – Nachprüfer“. Olk überprüft die Arbeit seiner Unteroffiziere, worauf anschließend ein Nachprüfer ein weiteres Mal die Instandsetzung sichtet. „Ziel für mich ist es, Teil dieser Prüfgruppe zu werden. Denn auch jetzt schon darf meinen wachsamen Augen als Techniker nichts entgehen.“, erklärt Olk.

Wie es für Hauptbootsmann Olk nach seiner Dienstzeit als Luftfahrzeugmechaniker weitergeht, wenn er kein Berufssoldat werden sollte, weiß er noch nicht genau. Er freut sich aber auch nach seiner Dienstzeit neue Wege einzuschlagen und die gewonnenen Erfahrungen als Marinesoldat im zivilen Leben umzusetzen.

Autor: Kim Brakensiek/PIZ Marine