Portrait eines Boardingsicherungssoldaten im Kampfanzug

Boardingsicherungssoldat

Foto: © Bundeswehr / M. Liekefett

Oberstabsgefreiter Christian Aatz – Medic im Boardingsicherungsteam

Schallende Rufe, von irgendwo auf dem Schiff Kampfgeräusche, doch in der Mitte des Boardingsicherungsteams herrscht professionelle Ruhe. Oberstabsgefreiter Aatz ist der Medic des Teams. Während die Anderen ihn sichern, versorgt er eine verletzte Person medizinisch. „Als zivil ausgebildeter Rettungssanitäter und Combat First Responder Stufe ‚C‘ (CFR-C) bin ich der Sanitätsspezialist des Teams“, erklärt der junge Soldat.

Auch wenn es diesmal nur die Erzählungen des Oberstabsgefreiten Aatz sind, merkt man an der Art, wie er erzählt, dass er diese Situation schon erlebt hat. „Ich habe mich für die Position des Medic entschieden, weil ich glaube, mit dieser Ausbildung während und nach meiner Zeit bei der Bundeswehr einen wichtigen Beitrag leisten zu können. Ob man dieser Herausforderung gewachsen ist, kann man vor dem ersten Einsatz nur vermuten. Aber so geht es auch den zivilen Rettungssanitätern“, erzählt Aatz.

Hohe Ausbildungsstufe - militärisch und fachlich

Die Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen, ist früh gefallen.

„Mein Vater war auch Zeitsoldat und hat Zuhause viel über seine Zeit beim Bund erzählt. Das hat mir gut gefallen und so wusste ich schnell, dass ich zur Bundeswehr möchte“, erzählt Aatz.

Nach seiner Grundausbildung musste der Oberstabsgefreite noch weitere Ausbildungen durchlaufen. „Um Boardingsoldat und Medic werden zu können, musste ich zunächst das Boarding Basic Training und die fünf monatige Vollausbildung zum Boardingsoldat bestehen. Danach nahm ich an mehreren Combat First Responder Lehgängen. sowie einer sechs wöchigen Scharfschützenvorausbildung teil. Ergänzend dazu habe ich die zivile Ausbildung zum Rettungssanitäter abgeschlossen“, zählt Aatz seine wichtigsten Lehrgänge auf.

Alltag und Einsatz

Der Medic des Teams kümmert sich bei einer Übungslage um einen Verletzten

Oberstabsgefreiter Aatz im Einsatz als Medic des Teams

Foto: © Bundeswehr / M. Liekefett

Der Alltag ist durch viel Training und Übung der speziellen Boardingverfahren geprägt. „Bei dem Morgenbriefing im Teamrahmen werden verschiedene Dinge besprochen. Zum Beispiel, was noch für den nächsten Einsatz vorbereitet werden muss, aber auch welche Übungsvorhaben auf dem Tagesplan stehen. Normalerweise starten wir nach dem Briefing mit Sport, um unsere Kraft und Ausdauer auf einem hohen Niveau zu halten. Danach wird Fastropen, Schießen oder das taktische Vorgehen beim Sichern eines Schiffes geübt“, erklärt der Oberstabsgefreite den Kompaniealltag.

Im Einsatz ist der Ablauf ähnlich. „Ich vergleiche uns gerne mit der Feuerwehr. Die meiste Zeit halten wir uns Fit und in Übung, wenn wir dann gebraucht werden, sind wir da“, erzählt Aatz nicht ohne Stolz. In den Zeiten, die für Training und Übung vorgesehen sind, führt er immer wieder praktische Übungen in erster Hilfe für andere Teammitglieder und Besatzungsmitglieder durch. „So gebe ich mein Wissen weiter und alle bleiben in Sachen Erste Hilfe auf einem hohen Niveau“, so Aatz. „Wie oft wir einen Boardingauftrag bekommen ist völlig unterschiedlich, manchmal fahren wir mehrere Einsätze täglich, dann ist es wieder über Wochen ruhig. Wenn wir ein Schiff überprüfen, nehme ich zunächst meine normale Position im Team ein. Wir gehen, uns gegenseitig sichernd, die einzelnen Stationen eines Schiffes durch und überprüfen diese. Sollte es durch Widerstand oder andere Umstände zu Verletzten kommen, übernehme ich die Erstversorgung, während das Team den Verletzten und mich absichert“, beschreibt der Oberstabsgefreite seine Aufgaben.

Abenteuer gepaart mit hoher Verantwortung

Drei Soldaten im Kampfanzug unterhalten sich

Kommunikation: das A und O

Foto: © Bundeswehr / H. Cabanski

Oberstabsgefreiter Aatz sieht seine Aufgabe mit den Augen eines jungen Menschen, gleichzeitig aber mit dem für diese Verwendung nötigen Respekt. „Ich kann sagen, dass ich in meinem Beruf das mache, was andere nur vom Film oder aus Spielen kennen. Da ist auf der einen Seite die Action und das Abenteuer, auf der anderen Seite kenne ich allerdings auch die physisch-psychische Belastung und die hohe Verantwortung, die mit diesem Beruf verbunden ist.“

„Die Art Stress, der wir ausgesetzt sind, ist anders als der eines Büromitarbeiters. Aber dafür halten wir uns körperlich und mental Fit. Als Team halten wir zudem fest zusammen, gerade durch die räumliche Nähe und die gemeinsamen Anstrengungen bilden wir eine starke Einheit“, erklärt der Oberstabsgefreite.

Weiter meinen Beitrag leisten

„Zur Zeit bekomme ich berufliches und privates unter einen Hut, indem ich mich in der Woche und während Einsätzen voll auf meine Aufgabe konzentriere. Am Wochenende bin ich ganz privat Christian, bei meiner Freundin und meiner Familie. Zum Glück stehen Zuhause alle hinter mir und meiner Berufsentscheidung, das macht es für mich einfacher“, beschreibt Aatz den Bogen zwischen Beruf- und Privatleben. Trotzdem sieht der Oberstabsgefreite seine Zukunft nicht bei der Bundeswehr. „Um wieder mehr Zeit mit Freundin und Familie verbringen zu können, möchte ich gerne bei der Berufsfeuerwehr oder der Landespolizei in Nordrhein-Westfalen im Bereich Sanität oder als Polizist arbeiten. So bin ich näher an Zuhause und kann auch in der Woche was unternehmen“, sagt der Oberstabsgefreite zu seiner Zukunftsplanung. Er bleibt so seinem Spezialgebiet verbunden, in jedem Fall eine Bereicherung für die Gesellschaft.

Autor: dh