Ein Marineoffizier steht auf der Brücke eines Minenjagdbootes

Oberleutnant z. S. Oliver Monsees auf der Brücke des Minenjagdbootes

Foto: © Bundeswehr / H. Cabanski

Oberleutnant zur See Oliver Monsees, Offizier auf einem Minenjagdboot

Auf den Decks eines im Hafen liegenden Kriegsschiffes der Marine laufen Soldaten auf ihre Stationen. Der über 6000 PS starke Schiffsdiesel springt an und unterbricht die morgendliche Stille. Das Minenjagdboot ÜBERHERRN macht sich fertig zum Auslaufen.

Jeder Soldat der Besatzung kennt seine Aufgaben. Selbst für einen Laien ist erkennbar, dass hier eine erfahrene Crew agiert und alle Tätigkeiten professionell abgearbeitet werden. Dreh- und Angelpunkt ist die Brücke des Minenjagdbootes. Hier gehen alle Meldungen und Klarstandsberichte ein. Koordiniert wird das Ganze von Oberleutnant zur See Oliver Monsees, Brückenwachoffizier der ÜBERHERRN.

Die rechte Hand des Kommandanten

Minenjagdboote der Marine liegen nebeneinander im Hafen

Minenjagdboote im Hafen

Foto: © Bundeswehr / H. Cabanski

„Geführt wird jedes Boot der Deutschen Marine durch einen Kommandanten oder eine Kommandantin. Dieser Offizier gibt die Befehle und trägt die Verantwortung. Natürlich kann auch er/sie nicht überall gleichzeitig sein. Hier beginnt das Aufgabenfeld des Brückenwachoffiziers. Er ist die rechte Hand des Kommandanten und setzt seine Befehle zeitgerecht und exakt um,“ erklärt Oberleutnant Monsees.

Die Aufgaben bestehen in der Regel aus Routineaufträgen, mit denen der Offizier auf fast jeder Fahrt betraut ist. Es kommt aber auch schon mal vor, dass sich auf See eine ganz neue Lage ergibt. Hier ist dann auch schon mal schnelles Handeln und Flexibilität erforderlich.

„Ich bin auf See dafür verantwortlich, dass das Boot gemäß den Befehlen des Kommandanten geführt wird. Während der Minenjagd geschieht dies üblicherweise aus der Operationszentrale,“ sagt M.

In diesem Raum im Bootsinneren mit vielen Konsolenplätzen und Monitoren besetzt er den Platz des Einsatzleiters Minenjagd. Hier hat er die Möglichkeit, das Minenjagdboot „von unten aus“ mit einem Joystick, zu steuern oder Drohnen über mögliche Minenfelder zu lenken. Gleichzeitig kann er aus diesem Raum heraus die Schiffsbewaffnung, ein MLG (Marineleichtgeschütz Kaliber 27,5 mm) bedienen.

Was von der Welt sehen

Oberleutnant Monsees trat am 01.07.2007 in die Bundeswehr ein. „Durch eine guten Freund, der mir von seinen Fahrten auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ erzählte und später durch ein Truppenpraktikum im Marinestützpunkt Kiel erkannte ich meine Möglichkeiten bei der Marine. Hinzu kam eine Portion Abenteuerlust. Ich wollte immer schon etwas von der Welt sehen. Also war die Marine von Anfang an meine erste Wahl. Natürlich kennt man als Soldat auch die Risiken des Berufes. Spätestens beim Beratungsgespräch mit dem Karriereberater erfährt man Fakten zum Auslandseinsatz oder über Gefahren für Leib und Leben. Auch die uneingeschränkte Mobilität und Versetzbarkeit wird angesprochen,“ sagt Oberleutnant M.

Die Gorch Fock - Pflichttor und Höhepunkt

Ein Marineoffizier sitzt an einer Schaltkonsole in der Operationszentrale eines Minenjagdbootes

Unter Deck in der Operationszentrale des Bootes

Foto: © Bundeswehr / S.Sanders

Nach seiner Allgemeinen Grundausbildung folgte der seemännische Basislehrgang auf dem Segelschulschiff der Deutschen Marine, der GORCH FOCK. Ein Pflichttor, aber auch ein Höhepunkt für jeden Offizieranwärter der Marine.
„Jetzt konnte ich das vorher nur Gehörte live erleben. Auf keinem anderen Schiff der Marine bekommt man den Einfluss des Wetters so intensiv mit. Hier begreift man schnell, dass man nur zusammen als Crew den Aufgaben gewachsen ist. So mussten wir zum Beispiel in einem Orkan die Segel bergen. Das hieß dann hoch in die Wanten, bei extremer Krängung (Anm. d. Red.: Durch Wind und Seegang beeinflußte vorübergehende seitliche Neigung) des Schiffes. Von oben sah man nur die See unter sich – und das nachts. Eine fordernde Situation, die von jedem und jeder Einzelnen eine gehörige Portion Mut und Entschlossenheit forderte,“ erzählt M.

Praktikum beim Einsatz- und Ausbildungsverband

Es folgte der Offizierlehrgang an der Marineschule Mürwik, der neben landgebundenen Inhalten auch ein sechswöchiges Praktikum auf seegehenden Einheiten beinhaltet. Dieses Praktikum erfolgte in der Regel beim Einsatz- und Ausbildungsverband (EAV) der Marine. Der Verband bildet eine Vielzahl von maritimen Fähigkeiten ab. Hier findet unter anderem die Berufsfeldeinweisung der Offizieranwärter an Bord der Schiffe statt. Die angehenden Offiziere sollen die Bordorganisation und den Bordalltag intensiv kennenlernen. Nach etwa 15 Monaten militärischer, seemännischer und fachlicher Ausbildung folgte das Studium der Staats- und Sozialwissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München.

Studium bei der Bundeswehr

„Ein weiteres Argument für die Entscheidung, Offizier bei der Bundeswehr zu werden, ist die Möglichkeit eines Studiums. Die Bezahlung läuft auch während der Studienzeit weiter. Man bekommt das Gehalt gemäß dem Dienstgrad, den man erreicht hat. Ein weiterer - meiner Meinung nach - entscheidenderer Vorteil ist das Studieren in Kleingruppen. Während beim zivilen Studium oft Vorlesungen und Seminare aus den Nähten platzen, betreuen an den Bundeswehruniversitäten Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter im späteren Verlauf des Studiums Gruppen in einer Stärke von weniger als 30 Personen“. Nach dem Studium erfolgte abschließend die Fach- und Systemausbildung, bevor er seinen ersten Offizierdienstposten in der Flotte antreten konnte.

Von der Pike auf lernen

Ein Marineoffizier sitzt auf einer Treppe eines Minenjagdbootes

Gerne erinnert sich der Marineoffizier an seine Ausbildung auf der Gorch Fock

Foto: © Bundeswehr / H. Cabanski

„Als Offizieranwärter lernt man seine Tätigkeiten von der Pike auf. Schon als Mannschaftsdienstgrad durchläuft man verschiedene Verwendungsreihen und wird in unterschiedlichen Abschnitten, wie die Teileinheiten auf den Schiffen/Booten heißen, eingesetzt. Zum Ende meiner Ausbildung stand für mich fest, als Offizier auf einem Minenjagdboot eingesetzt werden zu wollen.“ Dieser Wunsch konnte ihm erfüllt werden. Seit September 2013 wird der gebürtige Bremerhavener als Offizier auf dem Minenjagdboot ÜBERHERRN eingesetzt.

Führungsverantwortung auf See und an Land

Natürlich ist M. nicht nur auf See. Auch an Land hat der junge Marineoffizier ein breit gefächertes Aufgabenspektrum. „Auch im Hafen reißt die Führungsverantwortung für die bis zu 43-köpfige Crew nicht ab. Wie im Heer oder bei der Luftwaffe auch, muss unser Personal Aus- und Weiterbildungslehrgänge besuchen, Beurteilungen müssen verfasst werden, Dienstpläne geschrieben, das Personal für Wachdienste eingeteilt oder Urlaubsanträge geprüft und bearbeitet werden. Daneben müssen Manöver vor- und nachbereitet, Dienstvorschriften verwaltet oder Munition kontrolliert werden.

„Als Offizier auf einem Minenjagdboot ist man rundum gefordert. Aber genau dieser Umstand macht die Besonderheit meines Berufes aus. Die Führungsverantwortung und Aufgabenfelder, die mir hier schon in jungen Jahren geboten werden, finde ich in keiner zivilen Anstellung. Mich um meine Kameraden kümmern zu können gibt mir immer ein gutes Gefühl, “ erläutert der 26 jährige Offizier.

Zukunftspläne

Ein Marineoffizier überwacht das Anlegemanöver eines Minenjagdbootes

An- und Ablegemanöver fordern volle Konzentration

Foto: © Bundeswehr / H. Cabanski

Auch für seine berufliche Zukunft hat M. bereits Pläne. Er möchte ein zweites Studium im Bereich Risiko- & Compliancemanagement beginnen. Dieses Studium befasst sich mit der Identifizierung, Analyse und Bewertung von Risiken sowie der Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen. Für den sympathischen Marineoffizier eigentlich nichts, womit er in seiner jetzigen Tätigkeit nicht auch schon Bekanntschaft gemacht hätte.


Autor: H. Cabanski