Portrait eines Sanitätssoldaten der Marine

Stabsgefreiter Sebastian Störmer - Sanitätsgast

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Stabsgefreiter Sebastian Störmer – Sanitätsgast auf der Fregatte Augsburg

Auf dem Hauptgang (Anm. d. Red.: Flur eines Schiffes) der Fregatte Augsburg herrscht reges Treiben. An der Vorzimmertür des Schiffslazaretts (Anm. d. Red.: Medizinischer Bereich des Schiffs) laufen die Mitglieder der Besatzung mehrmals am Tag vorbei, aber immer wieder macht eine Soldatin oder ein Soldat Halt und spricht kurz mit dem Stabsgefreiten Störmer. Einige nutzen die Gelegenheit und suchen ein kurzes Gespräch mit ihm andere wollen nur schnell einen Termin vereinbaren.

„So ist es hier eigentlich meistens. Den Betrieb in unserem Schiffslazarett kann man mit dem einer Arztpraxis vergleichen. Ich sitze hier im Vorzimmer und unterstütze die Ärztin und den Sanitätsbootsmann (Anm. d. Red.: Feldwebeldienstgrad der Marine) bei ihrer Arbeit“, erzählt Stabsgefreiter Störmer, auf seine Tätigkeit angesprochen.

Abwechslungsreiche Routine

Ein Sanitätssoldat der Marine bearbeitet eine Patientenakte

Störmer bei der Aktenbearbeitung

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

„Mein Dienst beginnt um 07:00 Uhr mit der Musterung (Anm. d. Red.: Antreten bei der Marine). Diese ist abschnittübergreifend, so bekomme ich auch einen Überblick über Dinge, mit denen die Besatzung an diesem Tag beschäftigt ist. Um circa 07:15 Uhr mache ich einen routinemäßigen Gerätecheck, um zu prüfen ob alles funktioniert und die Untersuchungen problemlos durchgeführt werden können. Ab 07:30 Uhr gibt es eine interne Besprechung des Lazarettpersonals. Hier werden noch einmal die Patiententermine für den Tag abgeglichen, und offene Punkte geklärt. Danach, so gegen 08:00 Uhr, beginnt die Sprechstunde. Dort besteht meine Arbeit hauptsächlich darin, die Patienten anzunehmen und ihre Krankenakten für die Schiffsärztin vorzubereiten. Auf Anweisung gebe ich allerdings auch Medikamente aus, lege Verbände an, oder bereite Impfungen oder Blutabnahmen vor. Ab 10:00 Uhr wird die Sprechstunde nachbereitet. Ich fülle Materialien im Lazarett auf und bereite die Krankenakten der Patienten nach. Mittagessen gibt es um 11:15 Uhr. Danach habe ich etwas Zeit, um mit den Kameraden in der Messe (Anm. d. Red.: Aufenthaltsbereich) Gespräche zu führen oder auf der Schanz (Anm. d. Red.: offenes Unterdeck) frische Luft zu schnappen. Um 12:30 Uhr findet dann die Mittagsmusterung auf dem Flugdeck der Fregatte statt. Im Anschluss beginnt die Sprechstunde am Mittag. Gleichzeitig erledige ich weiteren „Papierkram“, das heißt, ich bearbeite Laufzettel oder sogenannte 90/5 Belege. Das sind spezielle Untersuchungsbögen für Soldaten, mit deren Hilfe verschiedene gesundheitliche Eignungsgrade, wie zum Beispiel Sportbefreiung oder Eignung zum Berufssoldat, dokumentiert werden. Ab circa 15:00 Uhr ist das sogenannte Reinschiff, dabei arbeite ich spezielle Hygienepläne für das Lazarett ab. Um 17:00 Uhr endet dann die Rahmendienstzeit, wenn wir im Hafen liegen, bedeutet das auch wirkliche Freizeit. Auf See bedeutet es, dass ich Zeit zu meiner Verfügung habe, aber immer in Bereitschaft bin, denn als Sanitätsgast bin ich als Dauerwächter eingesetzt und muss jederzeit im Lazarett mit helfen können“, beschreibt S. seinen typischen Tagesablauf.

Traumberuf "Helfen"

Ein Sanitätssoldat der Marine beschriftet eine Kanüle

Stabsgefreiter Störmer bereitet eine Infusion vor

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Bei seinen Erklärungen merkt man S. den Spaß am Beruf bereits an. Die Zusatzaufgaben sind für ihn ein weiterer Ansporn. „Mir macht es Freude, in regelmäßigen Abständen auch die Aus- und Weiterbildung der Soldaten in Erster Hilfe selbst durchzuführen. Dann halte ich Vorträge und begleite die praktische Ausbildung, sogenannte Medical Exercises (Notfallübungen an Bord), als Prüfer“, erzählt der Stabsgefreite. Der Weg zu seinem Traumberuf führte Stabsgefreiten Störmer allerdings erst über einige Zwischenstationen dorthin, wo er heute ist. „Nach meiner Ausbildung und einiger Zeit im Beruf als Dachdecker, wollte ich etwas Neues kennenlernen. So entschied ich mich, zur Bundeswehr zu gehen. Zuerst wurde ich nach der Grundausbildung in eine Versorgungsstaffel des Heeres versetzt. Das entsprach nicht meinen Vorstellungen und so kam es, dass ich bei einem Praktikum auf der „Augsburg“ alle Arbeitsbereiche einer Fregatte kennenlernen konnte. Bei der Sanität war ich von Anfang an begeistert, und es war eben eine Stelle als Sanitätsgast frei“, so S.

Auf großer Fahrt

Ein Sanitätssoldat der Marine zieht eine Spritze auf

Fachlich alles im Griff

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Nachdem Sebastian Störmer seine Berufung gefunden hatte, musste er noch einmal die spezielle Grundausbildung für Sanitätspersonal durchlaufen. Anschließend erfolgte die Ausbildung auf dem Dienstposten als Sanitätsgast. Die dreieinhalb monatige Ausbildung zum Rettungssanitäter folgte jedoch erst später. Nun konnte er auch auf der Fregatte „Augsburg“ voll eingesetzt werden. Die erste große Fahrt kam bald. So nahm Stabsgefreiter Störmer am Einsatz ATALANTA 2013 (sechs Monate) und einer fünfmonatigen Seefahrt, bestehend aus einem Abschnitt des Einsatz- und Ausbildungsverbands 2014 und dem Einsatz UN-OPCW JM (Anm. d. Red.: Unterstützungseinsatz zum Schutz der Mission zur Vernichtung chemischer Waffen auf See / drei Monate) teil.  „Das Schöne an der Seefahrt sind die Eindrücke in den Häfen dieser Welt. So werde ich nie meinen Aufenthalt auf den Seychellen vergessen. Aber manche Dinge stimmen Einen auch nachdenklich. Wenn man Armut und Elend in den Häfen von Kenia oder Dschibuti gesehen hat, nimmt man die schönen Dinge des Lebens zu Hause noch einmal ganz anders wahr“, berichtet S.

Zusammenhalt und guter Verdienst

Als Beweggründe zur Entscheidung bei der Bundeswehr zu arbeiten, sagt er:

„Meiner Meinung nach, kann kein ziviler Arbeitgeber eine solche Atmosphäre bei der Arbeit bieten. Es ist auf der Fregatte fast schon ein familiärer Umgang, und doch professionell.“

Ein Sanitätssoldat der Marine steht in einem Lagerraum für Sanitätsmaterial

Störmer im Medikamentenlager des Schiffes

Foto: © Bundeswehr/ Jani Pushparajah-Hoof

Aber er nennt noch einen weiteren Grund. “Zudem verdiene ich hier gutes Geld. Für das Gehalt müsste die Arbeitswoche im zivilen Bereich schon acht Tage haben“, sagt Störmer mit einem Schmunzeln.  Eines ist für den jungen Soldaten bereits jetzt klar, nach seiner Zeit bei der Bundeswehr wird er im medizinischen Bereich bleiben. „Ich habe meine Berufung bei der Bundeswehr entdeckt. Auch wenn ich nach meiner aktuellen Verpflichtungszeit nicht mehr verlängere, so habe ich hier außer sehr guten Freunden auch meinen Wunschberuf gefunden. Nach meiner Zeit auf See bei der Marine möchte ich eine Ausbildung zum Notfallsanitäter machen und heimatnah arbeiten. Denn wenn ich erstmal eine Familie gegründet habe, möchte ich auch meine Zeit mit ihr verbringen können“, so Störmer.


Autor: dh