Eine Soldatin sitzt an einem Schreibtisch und schaut in ein Gesetzbuch

Laura Lazarus in ihrer Verwendung als StOffz/R bei der Bearbeitung eines neuen Vorgangs

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Von der Anwältin zum Major

Die Einstellung in die Laufbahn der Offiziere ist immer von der persönlichen Eignung und dem Personalbedarf der Bundeswehr abhängig. Zur Ausbildung eines Offiziers zählt neben der militärischen und fachspezifischen Ausbildung regelmäßig auch ein vollwertiges Studium. Hinzu kommt eine verpflichtende Dienstzeit von mindestens dreizehn Jahren. Es geht aber auch anders, wie das Beispiel von Laura Lazarus zeigt.

Eigentlich könnte Laura Lazarus (34) mit ihren Qualifikationen den Beruf einer Anwältin oder Staatsanwältin ausüben. Sie hat sich letztes Jahr aber anders entschieden. Sie ist ihrem Herzenswunsch gefolgt und möchte Offizier werden. Als sogenannte Eignungsübende befindet sich Lazarus in der „Probezeit“. Für vier Monate übt sie beim Justiziariat der für die Personalführung der Offiziere zuständigen Abteilung III in der Kölner Mudra-Kaserne. Die Volljuristin bekommt zunächst vorläufig den Dienstgrad eines Majors verliehen.


Schon früh das Soldatenleben kennengelernt

Im zivilen Berufsleben war Laura Lazarus zuvor bereits erfolgreich als Anwältin tätig und ebenso als Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht der Stiftung Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. „Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber irgendwie hat mir immer etwas gefehlt“, teilt Lazarus mit.
Als Tochter eines ehemaligen Oberstabsfeldwebels hat sie bereits früh in ihren Kindheitstagen das militärische Leben kennen gelernt. „Dadurch habe ich Werte wie Loyalität, Kameradschaft und die besonderen Herausforderungen bei der Bundeswehr kennen und schätzen gelernt“, fügt sie hinzu. „Teamfähigkeit, individuelle Förderung und die stete Möglichkeit, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, sind ein Gesamtpaket, das die Bundeswehr für mich so attraktiv macht“, erzählt die gebürtige Ingolstädterin weiter.

Eine Soldatin steht mit einer Akte in den Händen vor einem Aktenschrank

Laura Lazarus bei der Akteneinsicht im Justiziariat der Mudra Kaserne

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Als Seiteneinsteigerin in die Laufbahn der Offiziere

Major Lazarus musste, wie jeder Bewerber, zunächst an einem mehrtägigen Test teilnehmen. Das Auswahlverfahren wurde beim Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln durchgeführt. Neben körperlichen, gesundheitlichen und kognitiven Fähigkeiten wurden auch ihre persönlichen Kompetenzen geprüft. „Ich musste einen biografischen Lebenslauf erstellen, eine schriftliche Arbeitsprobe abgeben, mein Verhalten in einer Gruppe wurde geprüft und ein psychologischer Test wurde durchgeführt. Zudem habe ich den Persönlichkeitsfragebogen für Offiziere beantwortet. Nachdem meine gesundheitliche Eignung festgestellt wurde und ich meine körperliche Leistungsfähigkeit im Rahmen eines Sporttests bewiesen hatte, wurden auch meine juristischen Fähigkeiten in einem Fachgespräch überprüft“, schildert Laura Lazarus ihre Erfahrungen in Köln.

Einstellungsvoraussetzungen

„Die Bundeswehr bietet jedem geeigneten Bewerber die Chance, seinem Land zu dienen. Das empfinde ich als unheimlich spannend und herausfordernd“, sagt Lazarus. Voraussetzung für eine Einstellung in die Laufbahn der Offiziere als Eignungsübender ist der Abschluss einer der künftigen Verwendung entsprechenden fachlichen Ausbildung. 

„Mit Abitur, zwei Staatsexamina und dem bestandenem Auswahlverfahren waren die Voraussetzungen für meine Einstellung vollständig erfüllt“, teilt Lazarus mit. „Weiterhin kam mir meine vierjährige Berufserfahrung als Volljuristin zugute. Dass ich zudem am Lehrstuhl der Universität im Fachbereich Öffentliches Recht tätig war, qualifiziert mich zusätzlich für eine juristische Verwendung beim BAPersBw“, so Lazarus. 

Aufgaben beim Justiziariat
Eine Soldatin blättert am Schreibtisch sitzend in einem Buch

Bei schwierigen Fällen hilft auch mal der Blick ins Nachschlagewerk

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Laura Lazarus zählt jetzt zu den Stabsoffizieren mit der Befähigung zum Richteramt. Eine wichtige Funktion. Sie soll bei Beschwerden von Soldaten die militärische sowie die juristische Seite betrachten und eine Beschwerdeentscheidung treffen oder vorbereiten. „Ich beschäftige mich beim  hauptsächlich mit der Bearbeitung von Beschwerden aus dem öffentlichen Dienstrecht, dem Soldatenlaufbahnrecht aber auch weiteren Bereichen des Wehrrechts. Auch die juristische Bewertung von unterschiedlichen Auffassungen bei Fragen zum Trennungsgeld oder der Umzugskostenvergütung anlässlich dienstlicher Versetzungen gehört beispielsweise mit zu den Aufgaben unseres Referats“, so Lazarus.


Das Ende der Eignungsübung ist ein Neubeginn

Einen Monat wird Laura Lazarus auch direkt beim Bundesministerium für Verteidigung üben, bevor sie wieder zum BAPersBw zurückkehrt. Anfang Mai endet dann ihre „Probezeit“. Nach erfolgreichem Abschluss der Eignungsübung wird sie dann im Juli die allgemeine Grundausbildung absolvieren, bevor im Anschluss die Ausbildung zum Offizier folgen wird. „Ich muss ja schließlich auch militärisch Laufen lernen“, fügt Lazarus bei. 

„Mein größter Wunsch ist es, Berufssoldatin zu werden. Doch erst einmal muss ich mich bewähren. Zunächst bei der Eignungsübung und dann als Offizier. Nur so kann ich meinen Traum verwirklichen“, fügt Lazarus abschließend hinzu.

Autor: Tobias Kliesing