Eine Soldatin im Portrait

Portraitaufnahme Oberstabsarzt Dr. Stefanie Grözinger

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Oberstabsarzt DoktorDr. Stefanie Grözinger - Arzt und Soldat, eine faszinierende Kombination

„Ich habe schon immer Dinge gemacht, die irgendetwas mit dem Berufsbild Soldat zu tun hatten“, erinnert sich Stefanie Grözinger, als sie an ihren Entschluss zurück denkt, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten. Durch ihren Bruder, damals selbst Sanitätsoffizieranwärter, erfuhr die damals 19-Jährige von den Möglichkeiten, auch als Frau bei der Bundeswehr Karriere zu machen. Damals 1998 gab es für Frauen nur zwei Wege: Sanitätsdienst oder Militärmusikdienst. Das es ersteres sein sollte war keine Frage, denn:

„Ich hätte auch zivil Medizin studiert“, erzählt die junge Ärztin.

Heute ist Stefanie Grözinger 31 Jahre alt, hat promoviert und befindet sich im 3. Weiterbildungsjahr zur Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Ihr Beruf macht der energiegeladenen jungen Frau sichtlich Spaß: Nicht nur, weil sie Menschen helfen kann und jeden Tag eine neue Herausforderung wartet, sondern vor allem, weil sie als Sanitätsoffizier zwei Berufe verbinden kann – den als Arzt und den als Soldat. Die Schulterklappen sind dabei nur ein äußeres Zeichen, deutlich wird es vielmehr, wenn man den gesamten Werdegang der gebürtigen Böblingerin betrachtet.

Ziviles Studium mit Kontakt zur Truppe

Eine Ärztin der Bundeswehr untersucht einen Patienten

Angehende Piloten müssen auch körperlich topfit sein

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Mit dem Einstieg als Sanitätsoffizieranwärter in die Bundeswehr 1998 begann ihr Weg. Es folgten die allgemeine Grundausbildung, welche jeder Soldat durchlaufen muss, eine Blockausbildung mit verschiedenen militärischen Lehrgängen sowie ein zweimonatiges Truppenpraktikum. „In dieser Zeit war ich Soldat und lernte die militärischen Basics kennen“, resümiert die 31-Jährige. Auch während des anschließenden Medizinstudiums anfangs in Regensburg und dann in Ulm, das die angehenden Sanitätsoffiziere an zivilen Universitäten absolvieren, war ihr der Kontakt zur Truppe immer sehr wichtig. So nutzte die begeisterte Sportlerin die Möglichkeit für militärische Lehrgänge in den Semesterferien und absolvierte beispielsweise den Springerlehrgang, wodurch sie ihr Hobby mit dem Beruf verbinden konnte. In seiner Funktion als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm bot es sich für die angehende Ärztin an, viele Praktika während des Studiums auch am Bundeswehrkrankenhaus Ulm zu absolvieren.

Auf dem Weg zum Facharzt

Die Zeit des Studiums nutzte Stefanie Grözinger auch, um für sich das richtige medizinische Fachgebiet zu finden. Denn die Bundeswehr bietet ihren angehenden Ärzten die Möglichkeit, den ersten Teil der Facharztausbildung innerhalb der ersten Verpflichtungszeit von 17 Jahren zu absolvieren. Bei der Wahl des Fachgebietes gilt es auch, die Entscheidung zu treffen: operieren – ja oder nein. Schließlich fiel für Stefanie Grözinger die Wahl auf die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO), denn die Möglichkeiten im Fachgebiet seien sehr vielfältig. „Die HNO bietet Filigranes, z.B. anspruchsvolle Operationen am Ohr aber auch große Weichteilchirurgie am Hals. Außerdem gibt es auch im konservativen medizinischen Bereich eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten. Es ist ein guter Mix und man steht nicht nur im OP.“, begründet die angehende Fachärztin ihre Entscheidung.

Erfahrungen im Auslandseinsatz

Aufgrund dieser Entscheidung folgte nach dem Studium die erste Weiterbildungszeit von zwei Jahren in der HNO am Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Wie für alle Sanitätsoffiziere vorgesehen, schließt sich daran eine Verwendung als Truppenarzt an. Für die junge Ärztin war dies bisher auch die Zeit mit den meisten Eindrücken. Denn während der zwei Jahre als Truppenarzt in der Luftlande- und Transportschule in Altenstadt war sie auch zweimal mehrere Monate im Auslandeinsatz in Afghanistan. „Natürlich hatte ich dabei gemischte Gefühle – das Risiko und die Unsicherheit – Alltag stellt sich da nie ein“, erzählt Stefanie Grözinger offen.

Im Krisengebiet eingesetzt als beweglicher Arzttrupp und somit verantwortlich für die Notfallversorgung der ISAF Soldaten im Ernstfall, hatte sie direkten Kontakt mit der Bevölkerung vor Ort. Das und die Versorgung eines schwer verletzten französischen Soldaten seien auch ihre emotionalsten Momente bei der Bundeswehr gewesen. „Man konnte die Krise förmlich spüren“, so die 31-Jährige.

Abwechslung im Beruflichen Alltag

Soldatin im Gespräch mit Patienten

Oberstabsarzt Dr. Stefanie Grözinger im Patientengespräch

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Zurück in der Truppe standen dann wieder die Probleme der heimischen Kameraden im Mittelpunkt ihrer Arbeit, denn als Truppenarzt ist man eine Art „Hausarzt der Soldaten“. Neben gutachterlicher Tätigkeit zur Überprüfung bestimmter Eignungen, etwa der Auslandsverwendungsfähigkeit, steht die Betreuung der Soldaten im Kommando an oberster Stelle und damit die Konfrontation mit Themen unterschiedlichster Natur. Aber auch das, genau wie der Dienst im Bundeswehrkrankenhaus, der sich von dem in einer zivilen Klinik mit Schichtdienst, Operationen oder Visiten kaum unterscheidet, gehört zum Beruf des Sanitätsoffiziers. Immer wieder neue Aufgaben: Genau diese Abwechslung schätzt Stefanie Grözinger auch an ihrem Arbeitgeber, ebenso, wie die berufliche und auch finanzielle Sicherheit, die ihr die Bundeswehr gibt. Die eigentliche Herausforderung sei es jedoch, den beruflichen Weg und das Privatleben bzw. die familiäre Zukunft miteinander zu verbinden. Und deshalb ist die anstehende Entscheidung für die junge Ärztin auch nicht einfach – Weiterverpflichtung ja oder nein – und damit auch die Entscheidung für oder gegen eine klinische Karriere.

Richtige Entscheidung

Es ist eine ähnlich einschneidende Entscheidung, wie 1998, als die Frage stand: Bundeswehr – ja oder nein. Knackpunkt sei damals die lange Verpflichtungszeit von 17 Jahren gewesen, erinnert sich die damals 19-Jährige. Auch die Familie und der Freundeskreis reagierten verhalten, denn eine Frau als Ärztin bei der Bundeswehr sei Ende der 90er Jahre doch etwas Exotisches oder Unpopuläres gewesen und niemand habe so richtig gewusst, was da auf einen zukommt. Heute ist der Arzt in Uniform ein viel gängigeres Berufsbild. „Es war damals eine Entscheidung, die in Ihren Details für mich nicht greifbar war“, resümiert die junge Ärztin. Wenn sie die Entscheidung heute noch mal treffen müsste, würde sie diese sicher nicht so schnell treffen, gibt Stefanie Grözinger ehrlich zu: „Die Rahmenbedingen haben sich deutlich geändert, u.a. durch die vielen Auslandseinsätze. Aber das ist auch der Reiz – ich muss mich nicht bei ‚Ärzte ohne Grenzen’ bewerben. Was mich nach wie vor fasziniert, mich begeistert und mir immer wieder Freude bereitet, ist eben genau die Abwechslung durch die Kombination Arzt und Soldat.“