Soldaten bei der Bedienung von Geräten für Intensivpflege

Fachpflegerin für Intensivmedizin Susann Gaebel beim Bedienen der modernen Intensivtechnik

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Oberfeldwebel Susann Gaebel

Es ist schon ungewohnt, wenn man die Schleuse zur Intensivstation des Bundeswehrkrankenhauses Berlin betritt. Das Personal trägt grüne oder blaue Schutzbekleidung. Die Patientenzimmer sind voll mit moderner Technik. Es blinkt und piept, die Überwachungsmonitore zeigen die verschiedenen medizinischen Parameter an.

Ein Leben zwischen Intensivmedizin und Eishockey

Für Oberfeldwebel Susann Gaebel ist das schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Die 26-jährige ist Fachschwester für Anästhesie- und Intensivmedizin. Der Tag beginnt in der Frühschicht um 06.30 Uhr. Patientenübergabe, Körperpflege, Verbandwechsel, Blutabnahme, Verabreichen von Medikamenten und das Übertragen von medizinischen Parametern wie Puls, Blutdruck und Körpertemperatur in die Patientenkurve gehören zu ihrem Tagesgeschäft. Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese Tätigkeiten nicht von einem Krankenpfleger bzw. Krankenschwester.

Doch die Ansprüche in einem solch sensiblen Bereich, wie der Intensivstation, sind hoch. Die Patienten befinden sich in einem kritisch medizinischen Zustand. Der Kampf zwischen Leben und Tod findet hier sprichwörtlich jeden Tag statt. Deshalb muss das Personal nicht nur eine hohe Fachkompetenz besitzen – auch der Umgang mit den weniger schönen Seiten des Berufes erfordern ein hohes Maß an Professionalität. Für die 26-jährige bleibt festzuhalten: "Die Würde des Menschen ist auch bei einem verstorbenen Patienten zu achten."

Kostenlose Fachausbildung

Susann Gaebel mit Blick auf die Überwachungsbildschirme

Überwachungsmonitore

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Durch die Weiterbildung zur Fachschwester kann sie eigenverantwortlicher arbeiten und hat mehr fachliche Kompetenz.

"Ich bin froh, dass ich die Fachausbildung absolvieren durfte."

Sie weiß diese "Auszeichnung" zu würdigen und ergänzt: "Heute müssen im Zivilen die Pflegekräfte ihre Fachausbildung zunehmend selber finanzieren um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben."

Zu ihrer jetzigen Verwendung sagt sie: "Für mich bedeutet meine Tätigkeit auf der Intensivstation einfach eine größere berufliche Erfüllung." In ihrem dritten Ausbildungsjahr zur Krankenschwester an einer zivilen Ausbildungsstätte absolvierte sie ein Praktikum am Bundeswehrkrankenhaus Berlin.

Ihr Vater hatte regelmäßig Informationsbroschüren von der Bundeswehr zugeschickt bekommen. Die Berichte und Fotos in den Heften weckten ihr Interesse am Sanitätsdienst der Bundeswehr. "Ich wollte mich einfach informieren, was es bedeutet Soldat in einem Bundeswehrkrankenhaus zu sein."

Alles Wissenswerte erfährt man vor der Einstellung

Die 26-jährige fragte den Sanitätssoldaten während ihres Praktikums "Löcher in den Bauch". Dann wog sie positive und negative Aspekte gegeneinander ab. "Mein Ergebnis fiel positiv für die Bundeswehr aus." Gut vorbereitet ging sie zum Zentrum für Nachwuchsgewinnung Ost nach Berlin-Grünau. "Ich wusste in welchen Einsatzländern die Bundeswehr gerade war und welche körperlichen Leistungen von mir erwartet werden."

Das Gespräch mit dem Wehrdienstberater und der mehrtägige Einstellungstest liefen gut und im Mai 2001 trat sie ihre Grundausbildung in Roth bei Nürnberg an. "Ich wusste, dass ich innerhalb der ersten vier Monate jederzeit kündigen konnte." Doch "Glücksgöttin Fortuna" meinte es gut mit der damals 20-jährigen. "Ich wurde nach der Grundausbildung gleich an das Bundeswehrkrankenhaus Berlin – meinen Wunschstandort – versetzt."

Im Bundeswehrkrankenhaus Berlin wurde sie in der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin eingesetzt. Gaebel absolvierte alle erforderlichen militärischen Laufbahnlehrgänge. Von der Unteroffizier- bis zur Feldwebelausbildung musste sie ihren Mann bzw. Frau stehen. Die wichtigste und anspruchsvollste Ausbildung für Gaebel stand noch aus. "Ich habe mich für die Fachausbildung beworben und hatte das Glück die Zusage zu bekommen."

Susann Gaebel bei der Pflege eines Patienten

Infusionswechsel

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Bereits drei Jahre nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte sie eine zweijährige Weiterbildung zur Fachpflegekraft für Anästhesie- und Intensivmedizin. "Damals war ich die Jüngste im Kurs."

Dass sie körperlich belastbar ist, zeigt sie auch im sportlichen Bereich. Ihre Leidenschaft ist das Eishockey. "Das ist nicht nur Hobby, sondern ambitionierter Leistungssport. Ich bin im vergangenen Jahr mit der Mannschaft deutscher Meister geworden", berichtet sie stolz.

Doch die Rahmenbedingungen für ihren Sport sind alles andere als optimal. Schichtdienste oder Auslandseinsätze beeinträchtigen eine regelmäßige Teilnahme am Mannschaftstraining. "Die Mädels im Verein erwarten viel von einem, schließlich ist das Leistungsniveau in unserer Mannschaft schon sehr hoch."

Mit 15, 16 Jahren wollte sie nur Sport treiben – Leistungssportler werden. Gaebel brach ihr Abitur ab und zog nach Berlin. Sie hatte einen Traum, den viele ambitionierte sportliche Mädchen haben. "Wenn ich mich heute mit 15 oder 16-jährigen Mädchen in meinem Sportverein unterhalte, denken die genauso wie ich damals." Der Traum von einer Sportlerkarriere.

Doch Oberfeldwebel Gaebel sieht die Dinge jetzt aus einer anderen Perspektive. "Irgendwann stelle ich mir schon mal was anderes vor als arbeiten und Sport treiben."