Arzt mit Patient im Gespräch

Sprechstunde bei Dr. Ibrahim

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Truppenarzt mit syrischen Wurzeln

Oberstabsarzt Ahmed Ibrahim ist in Aleppo in Syrien geboren. Er ist 42 Jahre alt, Familienvater und Zeitsoldat. 1991 entschied er sich, Humanmedizin in Deutschland zu studieren. Aufgrund seines außergewöhnlich guten Abiturs war das Studium in einem fremden Land kein Problem. In Köln erhielt er einen Studienplatz und beginnt seine universitäre Ausbildung zum Arzt. Hier lernt er auch seine spätere Frau kennen und wird in der Domstadt heimisch. Nach Heirat und Ausbildung zum Arzt wird er deutscher Staatsbürger.

Oberstabsarzt Ibrahim hat gerade erfolgreich seine Facharztausbildung in den Bereichen Innere Medizin und Allgemeinmedizin abgeschlossen. Der Soldat hat seine berufliche Karriere allerdings zivil begonnen. Nach dem mit Bestnoten beendeten Studium arbeitete er zunächst an mehreren Krankenhäusern im Großraum Köln bevor ihn ein Artikel im „Ärzteblatt“ auf die beruflichen Möglichkeiten beim Sanitätsdienst der Bundeswehr aufmerksam machte. Neugierig geworden bewarb er sich nach einem langen Beratungsgespräch und reiflichem Überlegen beim Personalamt der Bundeswehr für eine militärische Laufbahn als Arzt.

Ein erfolgreicher Start

Arzt untersucht einen Patienten

Dr. Ibrahim hört die Lunge eines Patienten ab

Foto: © Bundeswehr / Bundeswehr

Erster Einsatzort in der Bundeswehr ist das Sanitätszentrum in Merzig, wo er auch seine Facharztausbildung beginnt. Hier kann Oberstabsarzt Ibrahim erste Erfahrungen mit der Bundeswehr machen und ist positiv überrascht. Seine Vorstellungen vom Dienst in den Streitkräften sind doch etwas abweichend von der Realität. „Ich bin sehr nett aufgenommen worden und es gab keine Vorurteile bezüglich meiner Herkunft“. Das selbständige Arbeiten gefällt ihm von Beginn an gut. Die strenge Disziplin, Hierarchie und Ablaufstruktur, die er erwartet hatte, hat sich für ihn nicht bestätigt. Dennoch gibt es Vorschriften und Regeln. „Vorschriften sind mir nicht lästig, Vorschriften geben Sicherheit!“, sagt er lächelnd.

Sicherheit, die man manchmal im zivilen Leben gerne hätte.“

Seine Wurzeln in Syrien

Sicherheit wünscht er sich auch für seine Eltern und Verwandten, die in Aleppo in Syrien wohnen. Die Verbindung ist schlecht, er muss oft wählen, bis er telefonisch durchkommt. „Ich bin sehr besorgt und hoffe, dass alles bald vorbei ist. Syrien ist ein schönes Land. Ich verfolge natürlich die Nachrichten. Wenn von Straßensperren und Explosionen die Rede ist, höre ich nach, ob bei Eltern und Verwandten alles in Ordnung ist. Mehr kann ich leider nicht tun.“

Mehr als nur ein Job

Auch seine zweite Station bei der Bundeswehr, das Fachsanitätszentrum Köln-Wahn, bestätigt ihm seine Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen. Auch dort gefällt es ihm sehr gut und er verpflichtete sich für weitere zwei auf insgesamt sechs Jahre. Inzwischen ist er Staffelchef der Sanitätsstaffel in Diez und Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Rettungsmedizin. Als Staffelchef muss er sich nun seine Zeit einteilen. Vormittags behandelt er Patienten, nachmittags nimmt er sich Zeit für die Ablauforganisation der Staffel und für Personalangelegenheiten. Beides macht er gern, sodass er sich nunmehr für insgesamt zehn Jahre weiterverpflichtet hat.

Im Einsatz

Auch ein Auslandseinsatz in Kunduz, Afghanistan, zählt zu seinem Erfahrungsschatz. Vier Monate unterwegs in einem sogenannten „Beweglichen Arzttrupp (BAT)“ auf Patrouille in einem relativ unruhigen Zeitraum 2009/2010. Er wird mit einigen Verwundungen konfrontiert, die ihn als Arzt fordern. Noch anspruchsvoller ist für ihn die körperliche Herausforderung. Oberstabsarzt Ibrahim schätzt die gemachten Erfahrungen in Afghanistan ganz besonders, vor allem in Hinblick auf die Gemeinschaft vor Ort und das Gefühl des „Sich- aufeinander- verlassen- Könnens“. Dennoch lässt er sich die Tür ins Zivilleben offen. Er kann sich die Übernahme einer zivilen Praxis im Kölner Raum für die „Zeit danach“ gut vorstellen. Damit hätte er ein ganz persönliches Ziel verwirklicht: „Ich möchte nah bei meiner Familie arbeiten.“