Zahnärztin beim Blick auf den Patienten

Aus der Sicht des Patienten

Foto: © Bundeswehr / Frank

Zeit für Patienten

Wer kennt das nicht? - Der Geruch von Desinfektionsmitteln beim Betreten einer Zahnarztpraxis und das Unwohlsein, teilweise sogar Angst. Es tröstet die Tatsache, dass es oft nicht nur dem Patienten so geht. Überraschend offen gesteht die Leiterin der Zahnarztgruppe Rennerod, dass sie als Kind selbst Angst vorm Zahnarzt hatte. „Ich mag es gar nicht, anderen weh zu tun“, sagt Oberstabsarzt Karina Schleich.

Das ist wohl einer der Gründe, warum bei ihr die Patienten im Vordergrund stehen.

„Die Möglichkeit, mich intensiv mit den Patienten zu befassen ist das, was mir bei der Bundeswehr so viel Spaß macht.“

Sie ist froh, dass sie als Zahnärztin bei der Bundeswehr nicht wie ihre zivilen Kollegen an die Vorgaben der Krankenkassen gebunden ist oder unter extremem Zeitdruck arbeiten muss.

Die Soldaten erhalten die Behandlung, die ihnen nach aktuellem Stand der Wissenschaft bestmöglich hilft. Dieser Aspekt steht bei der Bundeswehr im Vordergrund. In der Regel kann sie ihrem Patienten die Behandlung und vor allem auch die Zeit widmen, die sie sich auch für sich selbst und ihre Zähne wünscht. Dies spüren auch ihre Patienten, die sich gut aufgehoben fühlen und ihr volles Vertrauen entgegenbringen. „Es ist ein gutes Gefühl, dass ich mir vor allem für ängstliche Patienten genügend Zeit nehmen kann, um ihnen eine umfassende Beratung und Betreuung zukommen lassen zu können.“

Die besondere Herausforderung, mit umfangreichem zahnärztlichen Instrumentarium und sorgfältiger Arbeit zum für den Patienten bestmöglichen Ergebnis zu gelangen, bedeutet für sie immer wieder neue Motivation. Ein persönliches Erfolgserlebnis, an dem auch ihre Patienten nichts auszusetzen haben. Lachend erklärt sie das für sie größte Lob: „Die Patienten kommen nach abgeschlossener Behandlung gerne zur Kontrolle wieder, oft auch von weit her!“

Kombination aus Zahnarzt und Soldat

Ärztin erklärt die richtige Pflege am Zahnmodel

Die richtige Anwendungsweise

Foto: © Bundeswehr / Frank

Die 31-jährige Idar-Obersteinerin leitet die Zahnarztgruppe des Sanitätszentrums Rennerod seit April 2010. Sie schätzt die Kombination aus Zahnarzt und Soldat. Diese Verbindung, für die sie sich nach dem Abitur entschieden hat, hat für sie einen besonderen Charme. „Mein Vater war in jungen Jahren auch Zeitsoldat und danach im Reservistenverband aktiv, zudem wohnten wir in Idar-Oberstein, in unmittelbarer Nähe zur Artillerieschule der Bundeswehr. Ich wuchs sozusagen mit der Bundeswehr auf“, erklärt Oberstabsarzt Schleich.

Tage der offenen Tür nutzte sie, um sich über Studienmöglichkeiten der Zahnmedizin bei der Bundeswehr zu informieren. Die Doppelfunktion Zahnarzt und Soldat reizte sie.

„Habe mich beworben, bin genommen worden, hab´s getan!“

Werdegang

Ihr Weg führte sie von ihrer Grundausbildung in Rennerod nach Montabaur und über das zivile Studium in Mainz nach Idar-Oberstein. Nach vierjähriger Tätigkeit kam sie dann wieder zurück nach Rennerod. Zwischendurch war sie fünf Monate im KFOR- Auslandseinsatz in Prizren. Für den Kosovoeinsatz hat sie sich freiwillig gemeldet, um Erfahrungen zu sammeln. „Das habe ich nicht bereut, denn ich habe viele wertvolle Eindrücke mit nach Hause genommen. Zudem kennt und versteht man die Belastungen denen die Patienten vor und während dem Auslandseinsatz ausgesetzt sind.“

Schreibtischarbeit muss sein

Eine Zahnärztin schaut sich Röntgenbilder an

Frau Oberstabsarzt Karina Schleich am Schreibtisch

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Als Leiterin der Zahnarztgruppe in Rennerod und gleichzeitig einziger Zahnarzt vor Ort, muss sie sich ihren Tag einteilen. Zum einen müssen administrative Arbeiten erledigt werden. Hierzu zählen beispielsweise das Erstellen von Heil- und Kostenplänen, das Führen der Karteikarten, Pflege und Bestellung von Material, Personalangelegenheiten und noch vieles mehr.

Dennoch ist es für sie wichtig die meiste Zeit für ihre Patienten da zu sein. „Der Umgang mit Menschen und die manuelle Arbeit sehe ich als meine Hauptaufgabe, aber die Schreibtischarbeit muss halt auch sein.“ Sie bereut es nicht, Soldatin geworden zu sein. „Die Arbeit macht mir Spaß, aber ich kann nicht sagen, wie es geworden wäre, wenn ich im Zivilen eine Praxis übernommen hätte. Die Verdienstmöglichkeiten sprächen eher dafür, die zeitliche Belastung eher dagegen.“ Auslandseinsätze der Bundeswehr sowie Versetzungen gäbe es dafür im zivilen Bereich natürlich nicht. „Soldat und Zahnarzt, diese Kombination hat durchaus ihren Reiz“, resümiert Oberstabsarzt Karina Schleich.