• Neuer Inhalt
  • Zum Beratungsstellenfinder
  • Suche

Mach, was wirklich zählt.

Eine Soldatin sitzt in einem Jagdflugzeug.
Ein Kampfflugzeug EUROFIGHTER steht nach dem Nachflug auf einem Flugplatz im Baltikum.

Ein Kampfflugzeug EUROFIGHTER steht nach dem Nachflug auf einem Flugplatz im Baltikum.

Foto: © Bundeswehr / Christian Timmig

Auf dem Weg ins Weltall: Nicola Baumann – schneller, weiter, höher

Major Nicola Baumann fliegt den Eurofighter. Jetzt nimmt sie ihr größtes Ziel ins Visier - sie will Astronautin werden. Nun wurde sie ausgewählt und wenn alles klappt, geht es 2020 für sie ins All. Major Baumann liebt diesen speziellen Moment, wenn sie mit ihrem Euro­fighter vom Fliegerhorst Nörvenich zu einem Trainingsflug aufbricht. Wenn sie den Schubhebel nach vorne drückt, die Triebwerke das Äqui­valent von 140.000 Pferdestärken entfesseln und das Kampfflugzeug in den Himmel katapultieren. „Dieser Moment zaubert mir immer ein Lächeln ins Gesicht“.

Große Ziele

Nicola Baumann steigt mit dem Eurofighter auf 13 Kilometer Höhe und donnert mit einer Geschwindigkeit von 1.600 Kilometern pro Stunde durch die Atmosphäre. In nur 90 Minuten fliegt sie einmal quer über Deutschland hinweg – und wieder zurück. Wie ist das noch zu toppen? Ganz einfach: Indem sie sich mit einer Trägerrakete zur 400 Kilometer entfernten Internationalen Raumstation ISS schießen lässt – und dann mit 28.000 Kilo­metern pro Stunde durch das Weltall saust. „Ich würde gern noch weiter weg, aber der Reisekatalog gibt noch nicht mehr her“, sagt die Jetpilotin.


Richtig Gas geben
Ein Eurofighter startet mit Nachbrenner von einem Flugplatz in Estland.

Ein Eurofighter startet mit Nachbrenner von einem Flugplatz in Estland.

Foto: © Bundeswehr / Christian Timmig

Frei nach ihrem Lebensmotto „Schau, wie weit du kommen kannst, wenn du richtig Gas gibst“ will Nicola Baumann Astronautin werden. Am 19. April setzte die Berufssoldatin sich nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegen hunderte Mitbewerberinnen durch. Nur ins­gesamt sechs Kandidatinnen waren noch übrig. Baumann und eine weitere Mitbewerberin werden nun für den Flug ins Weltall ausgebildet um 2020 zur ISS fliegen – falls genug Sponsoren-Gelder zusammen­kommen. Nicola Baumann wäre dann die erste deutsche Frau im Welt­all.


Für die Lufthansa zu klein – also ab zur Bundeswehr

Baumann hat drei Gründe für ihre Entscheidung: „Abenteuerlust, Neugierde und Forscherdrang.“ Ihr liegt das im Blut. Die Mutter war sechsfache Weltmeisterin im Drachenfliegen, die Familie betrieb eine Flugschule für Ultraleichtflugzeuge und organisierte Erlebnisreisen in die entlegensten Ecken der Welt. Die Tochter entschied sich schon im Alter von zwölf Jahren, Pilotin zu werden. Für die Lufthansa war sie mit ihren 1,60 Metern aber zu klein – also ging sie zur Bundeswehr. „Einen Jet zu fliegen ist viel cooler als eine Linienmaschine. Auch die Aufgaben sind viel spannender“, sagt Baumann.


Steckdosen im All

Sollte Nicola Baumann tatsächlich zur ISS fliegen, will sie sich vor allem mit der Technik – den Funktionen der Bordsysteme und den Notfallpro­zeduren – auseinandersetzen. Schließlich ist sie nicht nur Pilotin, sondern auch Ingenieurin. „Außerdem stelle ich mir die Frage, ob es oben auf der ISS Steckdosen für mein Tablet gibt. Mal sehen, ob ich welche finde.“ Die karge Astronautendiät schreckt sie jedenfalls nicht ab.


Schokolade im Gepäck

Zur Sicherheit hat sie in ihrem Handgepäck – jeder Raumreisende darf zwei Kilogramm an persönlichen Habseligkeiten zur ISS mitnehmen – einen Platz für eine große Tafel Schokolade reserviert. Ein Patch ihrer Staffel aus Nörvenich wird ebenso mit ins All fliegen wie ihr geliebtes Tablet. Schließlich muss man auch im Weltraum mal entspannen.

Nicola Baumann setzte sich gegen alle Konkurrentinnen für die Astronautenauswahl durch.

Nicola Baumann setzte sich gegen alle Konkurrentinnen für die Astronautenauswahl durch.

Foto: © Bundeswehr / Engelbrecht


Lachen im Gesicht

Sie sei sehr auf den Alltag auf der Raumstation gespannt, sagt Nicola Baumann – vor allem, wie ihr Körper mit der Schwerelosigkeit zurecht­komme.

„Aber am meisten freue ich mich auf den Start mit der Rakete“, sagt sie, „ich muss unbedingt herausfinden, wie viel Kraft sie entwickelt.“

Wenn das Raketentriebwerk zündet und Nicola Baumann mit Höchst­geschwindigkeit Richtung Weltall trägt, wird sie sicher wieder dieses gewisse Lächeln im Gesicht haben.

Autor: Timo Kather