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Verschiedene Wappen von internationalen Einheiten in der Mitte das Wappen des MAD

Wappen des MAD

Foto: © Bundeswehr / MAD

„Es hat ein bisschen was von Jagd“ 

Auswerter im Militärischen Abschirmdienst

Ein klassisches Bundeswehr-Büro: Spinde, Stühle, ein Schreibtisch mit Akten, Schreibwerkzeug und einem Bildschirm darauf. Davor steht ein Mann, Mitte vierzig, drahtig, mit federndem Gang: Michael Wichmann hat funkelnde Augen und ein sehr entwaffnendes Lachen, wenn er auf seine Gesprächspartner zugeht. Er ist der „Inhaber“ dieses Büros im Amt des Militärischen Abschirmdienstes in Köln. Und wie bei vielen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier stand am Beginn von Wichmanns Berufsweg nicht das Kürzel MAD.


"Nach dem Abitur hatte ich zunächst gejobbt", erzählt Wichmann. Der direkte Weg zur Ableistung des Wehrdienstes war zunächst versperrt, weil bei der Musterung sogenannte Fehlerziffern, sprich gesundheitliche Einschränkungen, im Wege gewesen waren. Den wollte er allerdings hinter sich bringen, möglichst als Zeitsoldat für zwei Jahre, um sein eigentliches Ziel, in Angriff zu nehmen: ein Jura-Studium. Es kam aber völlig anders. Denn Michael Wichmann kam endlich doch zum „Bund“ und landete dort bei der Luftwaffensicherungstruppe. Der junge Soldat lernte dort die Streitkräfte richtig kennen: infanteristische Ausbildung, Auslandseinsatz, Wichmann war bei allem dabei und blieb dabei. "Allerdings erwies sich die zunächst eingeschlagene Laufbahn der Unteroffiziere für mich persönlich als Sackgasse", sagt er heute.

Der Weg zum Thema Militärische Sicherheit

Wichmann nutzte eine Chance und wechselte zum damaligen Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr in Gelsdorf – eine völlig neue Welt, denn hier arbeitete er in der Auswertung. "Sehr spannend", erklärt er lächelnd. Dort kam er in Kontakt mit dem Thema Militärische Sicherheit und sattelte nach sieben Jahren in der Bundeswehr erneut um, diesmal zum Militärischen Abschirmdienst. Mittlerweile in der Laufbahn der Fachdienstoffiziere und Berufssoldat brachte Wichmann zum damaligen Zeitpunkt schon ein paar nützliche Voraussetzungen für den neuen Job mit: unter anderem die Auslandeinsätze und eine erweiterte Sicherheitsüberprüfung.

Kein alltäglicher Dienst 
4 Uhren mit verschiedenen Uhrzeiten und eine Weltkarte

Weltzeiten im Auge

Foto: © Bundeswehr / MAD

Wichmann hat inzwischen verschiedene Verwendungen in dem Nachrichtendienst absolviert. Heute ist er in der Abteilung beschäftigt, die die Abschirmung der Auslandseinsätze der Bundeswehr gewährleistet. "Die Arbeit hat schon ein bisschen was von Jagd", betont er. "Aber um ein guter Auswerter zu sein, dürfe man sich im Büro nicht unwohl fühlen. Denn diese Tätigkeit bedeutet viele Stunden vor den Bildschirmen. Wer überlege, ob diese Arbeit etwas für ihn oder sie sein könnte, müsse sich selbstkritisch einschätzen", erklärt Michael Wichmann. Intrinsische Motivation sei hier wesentlich, also der innere Anreiz, der in der Tätigkeit selbst liegt. Dabei hilft auch das Wissen darum, wie sich der Alltag gestaltet. "Gibt es überhaupt den typischen Arbeitstag"? Wichmann überlegt; dann schüttelt er langsam den Kopf. "Es sind schon sehr lange Erfahrungen nötig, um einen Tag als typisch zu empfinden", erklärt er. "Es gebe beim MAD keine Routinen à la Reinkommen, Kaffee kochen, Lochen, Abheften ..."

Und wenn er seine Arbeit doch zusammenfassen müsste? Die Antwort ist Lachen. "Dann sage ich, dass ich Informationen aus offenen und geheimen Quellen sichten, lesen und verstehen muss. Ich analysiere und fertige völlig unterschiedliche Produkte – je nachdem, ob zum Beispiel die Leitung des Hauses oder ein militärischer Führer im Einsatz der jeweilige Empfänger ist." Das ist extrem anspruchsvoll. Denn es bedeutet unter anderem diese Auswertungen so zu präsentieren, dass die Empfänger damit auch etwas anfangen können.

Lange Tage, ein "qualmender Schädel"
Ein Soldat arbeitet am Computer

Computerarbeit

Foto: © Bundeswehr / MAD


– aber die Familie macht das mit? "Meine Familie sagt mir immer: Egal, was du machst, mache es gut", erzählt Michael Wichmann. Er stehe zu seiner Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen. Es gebe viele Grundsätze der Streitkräfte, die beispielhaft seien, so die Innere Führung, als Vorgesetzter ein Beispiel zu geben, "von vorn zu führen" und Vieles mehr. Wichmann muss deshalb auch nicht lange über die Frage nachdenken, ob er diesen beruflichen Weg noch einmal einschlüge: "Als junger Mensch mit einem entsprechenden Erfahrungshorizont machte ich sicherlich alles genauso noch einmal", sagt er. Allerdings, und da ist wieder dieses spitzbübische Grinsen: "Hätte ich den Erfahrungshorizont von heute und müsste erneut entscheiden, könnte ich mir auch einen Weg in Richtung Jura, Psychologie oder Journalismus vorstellen". Im Laufe der Jahre habe er die Schnittmengen zu entsprechenden Berufen festgestellt. Und die hätten wie das, was er beim MAD machen dürfe, mit Gerechtigkeitssinn und einer großen Portion Neugier auf Menschen zu tun.

Autor: Klaas Hartmann-Moritzen