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Ein Jet steht auf der Startbahn und
Ein Offizier steht auf den Tragflächen eines Jets.

Hauptmann Franz-Josef Heitz ist Avionik-Prüfer. Er stellt sicher, dass die Eurofighter lufttüchtig und verkehrssicher sind.

Avioniker für den Eurofighter

Der Eurofighter ist ein sicheres Flugzeug. Schlimme Flugunfälle gab es in Deutsch­land bisher nicht. Dass das so bleibt, dafür sorgt auch Haupt­mann Franz-Josef Heitz. Der 40-Jährige ist Systemprüfer für die Avionik im Eurofighter. Im Taktischen Luft­waffen­geschwader 74 in Neuburg an der Donau ist er verantwortlich dafür, dass Elektrik und Elektronik in dem Jagdflugzeug einwandfrei funktionieren. Damit stellt der Berufs­soldat sicher, dass der Eurofighter jederzeit verkehrs­sicher ist. „Die Avionik im Eurofighter umfasst viele Systeme – vom Kommunika­tions­system über die Flugkontrolle und die Navigation bis zur Bewaffnung“, erklärt Heitz.


Was für den Laien wie ein riesiges, undurchdringliches Wirrwarr an Kabeln, Knöpfen und Verbindungen aussieht, ist Heitz tägliches Arbeitsgebiet. Damit hat er auch Zugang zu geheimen Informationen. „Vieles, was unter der Außenhülle der Maschine verbaut ist, ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, sagt der Offizier im militärfachlichen Dienst.


Viele Aufgaben – viel Verantwortung

Zu Heitz' weiteren Aufgaben gehören neben der Ausbildung des „Prüfernachwuchses“ auch Nachprüfungen von Arbeiten im Fachgebiet Avionik. „Bei größeren, systemübergreifenden Instandsetzungen erteile ich die endgültige Freigabe“, sagt der Hauptmann. Auch technische Änderungen an der Maschine, wie Kabelverlegungen oder Nachrüstungen, nimmt Heitz ab.

In Neuburg sind aktuell 24 Eurofighter stationiert, zukünftig werden es 35 sein. Früher oder später muss sich jeder von ihnen Heitz‘ prüfenden Blicken unterziehen. „Es gibt Maschinen, die kaum Probleme haben. Die bekomme ich selten zu Gesicht. Bei anderen, stärker genutzten Flugzeugen, muss ich öfter ran“, so der Berufssoldat. „Wir bringen um die 80 Prozent unserer Maschi­nen regelmäßig in die Luft – eine sehr gute Quote“, betont Heitz.

Auch wenn viele Prüfaufgaben bereits Routine sind: Herausforderungen warten immer im Geschwader. „Vor allem im Einsatz, wenn alles viel schnel­ler gehen muss. Da spürt man schon die Verantwortung, die man gegenüber dem Piloten hat“, sagt Heitz. Einsatzerfahrung hat er bereits zwei Mal über die Jahreswechsel 2014/2015 und 2015/2016 beim Verstärkten Air Policing Baltikum der NATO in Estland gesammelt.


Ein Technikoffizier prüft elektronische Geräte im Jet.

Jede der aktuell 24 in Neuburg stationierten Maschinen muss irgendwann durch die Prüfung von Heitz.

Foto: © Bundeswehr / Sommer

Sicherheit ist oberstes Gebot

Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Avionikprüfoffizier ist Heitz auch FOD-Beauftragter in der Technischen Gruppe. FOD steht für Foreign Object Damage, also Schaden, der durch Fremdkörper entsteht. Dabei geht Heitz keine Kompromisse ein. „Ich entscheide nicht nach wirtschaftlichen Kriterien – sondern aus­schließ­lich nach Sicherheit“, betont der gebürtige Kaiserslauterer. „Wenn im Cockpit oder unter dem Flug­zeug Werkzeuge oder Schrau­ben gefunden werden, prüfen wir, wo sie herkommen. Wir suchen so lange, bis wir sie zuordnen können. Vorher hebt kein Flugzeug ab“, betont er. Dasselbe gilt, wenn jemand etwas verloren hat. „Vermisst jemand, der vorher an den Maschinen gearbeitet hat, einen Schrauben­zieher oder etwas anderes, suchen wir alles ab. Sollten Gegenstände im Cockpit liegen, kann das bei den enormen Bedingungen während des Fluges tödliche Folgen für die Besatzung haben.“ Oft seien es also die kleinen und unscheinbaren Dinge, die auch mal zu größeren Flugausfällen führen könnten.


Gelebte Kameradschaft

Auch wenn Heitz verantwortlich für die endgültige Freigabe der Eurofighter ist, betont er, dass die Arbeit an dem High-Tech-Jäger nur im Team funktioniert. „Ich bin auch nur ein Teil des Ganzen. Es geht nicht ohne den Techniker, den Piloten, den Betanker. Jeder trägt seinen Teil zu einem erfolgreichen Tag bei. Das sieht man von außen nicht – ist für uns aber extrem wichtig“, sagt Heitz.

Entsprechend locker ist der Umgang untereinander; das hilft Heitz auch nach dem Dienst. Als Bodybuilder, der Wettkämpfe auf der Bühne bestreitet, geht er einem sehr zeitaufwändigen Hobby nach. „Um erfolgreich zu sein, muss ich meine Trainings- und Ernährungspläne strikt einhalten“, erklärt Heitz. „Im Schichtdienst arbeite ich deshalb in der Wettkampfvorbereitung kaum. Das übernehmen meine Kameraden.“ Im Gegenzug fährt er über Weihnachten in den Einsatz. Die freundschaftliche Arbeitsatmosphäre und gelebte Kameradschaft in Neuburg machen sein intensives Hobby erst möglich.


Sein Werdegang

Juli 1999Eintritt in die Bundeswehr beim Luftwaffenausbildungsregiment 1 in Goslar
August 1999Elektronik Staffel beim Jagdbombergeschwader 33 in Büchel
September 2000Avionik-Unteroffizier Tornado (Waffenelektronik) beim Jagdbombergeschwader 33 in Büchel
April 2003Avionik-Feldwebel Tornado (Waffenelektronik) beim Jagdbombergeschwader 33 in Büchel
Oktober 2005Ausbildung zum staatlich geprüften Elektrotechniker, Fachrichtung Nachrichtentechnik, bei der Fachschule der Bundeswehr für Informationstechnologie in Feldafing
Juli 2007Stab Technische Gruppe ehemaliges Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau
Oktober 2008Beförderung zum Leutnant
ab Oktober 2009Systemprüfoffizier Eurofighter Avionik Technische Gruppe Taktisches Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau
April 2011Beförderung zum Oberleutnant
September 2015Beförderung zum Hauptmann


Autor: Stefan Rentzsch