Mach, was wirklich zählt.

Im Interview mit Dr. Christoph Holtherm.
„Das Wesentliche ist, dass man einfach anfängt!“ Oberfeldarzt Dr. Christoph Holtherm
Dr. Christoph Holtherm erklärt im Interview einen Bestandteil eines Ernährungsplanes auf seinem Monitor.

Dr. Christoph Holtherm erstellt die Ernährungspläne der Spitzensportler.

Foto: © Bundeswehr / Hubert Kemper

Steckbrief: Dr. Christoph Holtherm

Geburtstag: 19.09.1966

ehem. Sportart: Fußball

Beruf: stellv. Leiter des Zentrums für Sportmedizin der Bundeswehr

Dienstgrad: Oberfeldarzt


Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie fällt man die Entscheidung zu einem gesünderen Leben? 
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Kommentare von anderen wie „Tu doch mal was!“ oder „Wie siehst du denn aus?“ bringen gar nichts. Es muss im Kopf beginnen. Dann kann man sich die Fragen beantworten: Was ist für mich gesund? Wie sieht meine Situation aus? Und wie kann ich diese Situation positiv verändern? Aber das Wesentliche ist, dass man einfach anfängt.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Helfen Apps und Wearables dabei? Was halten Sie davon?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Apps finde ich super, denn sie sind eine sinnvolle und motivierende Unterstützung. Ich habe viele Apps selbst getestet, gerade was die Ernährung betrifft. Wenn meine App mir abends sagt: „Du hast dich heute zu wenig bewegt.“ und daraus resultiert noch ein abendlicher Spaziergang oder ein kleiner Lauf, dann ist das genau richtig. Problematisch wird es in Bezug auf individuelle Neigungen. Man sieht in der App nur, was ideal ist, aber man darf seinen persönlichen Geschmack auch nicht vergessen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie finde ich die Sportart, die zu mir passt? Und wie halte ich die Motivation aufrecht?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Ausprobieren! Viele haben in ihrer Kindheit oder Jugend schon einige Sportarten durchlaufen und möchten eine davon wieder aufnehmen. Aber man kann und sollte auch als Erwachsener möglichst viel ausprobieren. Man kann Probetrainings mitmachen, bis man den geeigneten Sport für sich gefunden hat. Wer durch ein Team motiviert wird oder soziale Kontakte knüpfen möchte, der ist in Gruppensportarten besonders gut aufgehoben. Wenn man lieber alleine Sport macht, dann halte ich auch ein Sportstudio für durchaus sinnvoll. Man zahlt jeden Monat dafür und das erhöht ebenfalls die Motivation.

Es kommt einfach immer auf die individuellen Ziele an. Stellt man bei sich zum Beispiel ein Talent fest, dann ist die Motivation da, dieses Talent zu fördern. Wenn man aber auch zufrieden damit ist, sich zwei Mal die Woche zu bewegen, ist das vollkommen in Ordnung. Und wenn es einfach dauerhaft keinen Spaß mehr macht – kürzere Flauten kennt jeder Sportler – dann sollte man sich selbst die Möglichkeit geben, etwas anderes auszuprobieren. Das gilt natürlich auch für Eltern mit ihren Kindern oder den Dienstherr mit seinen Soldaten.

Man sollte anfangs möglichst viel ausprobieren, bis man den geeigneten Sport findet.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wenn man beim Thema Gewichtsabnahme das Gefühl hat, dass sich nichts tut – Was macht man da?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Wenn man die Gewichtsreduktion anstrebt und sich trotz der ganzen Bewegung und der umgestellten Ernährung nichts tut, dann kann es sinnvoll sein, sich Hilfe zu suchen. Ein Trainer oder ggf. eine sportmedizinische Untersuchung kann dabei helfen, die individuellen Ziele zu erreichen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Große oder kleine Ziele – was ist besser?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Kleine, erreichbare Ziele!

Natürlich kann man planen, in 2 Jahren an einem Marathon teilzunehmen, aber bis dahin fließt noch viel Wasser hier durch die Ems. Kleine Ziele, die auf das große Ziel hinarbeiten, sind sinnvoll. Einen halbstündigen Lauf durchzuhalten oder es innerhalb von 10 Wochen schaffen, eine Stunde durchzulaufen zum Beispiel. Das sind machbare und planbare Ziele, die man mit relativ wenig Aufwand, also mit 2-3 Trainingseinheiten pro Woche, umsetzen kann.

Ein zu harter oder schneller Einstieg führt häufig zu Überlastungen und zu Abbrüchen, weil man Schmerzen bekommt und dann lieber ganz aufhört.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Halten Sie das grundsätzliche Zwiegespräch zu einem Sportmediziner im Hobbysport für sinnvoll?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Im normalen sportlichen Rahmen ist das nicht nötig. Bei Schmerzen in den Gelenken, zu schnellem Puls oder wenn ich unnatürlich rot im Gesicht werde – bei jeglichen körperlichen Beschwerden ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, um zum Beispiel eine Überlastung zu vermeiden.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Kann man tatsächlich zu viel Sport machen? 
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Ja. Es gibt ja sogar eine regelrechte Sportsucht. Natürlich gibt es weitaus gefährlichere Süchte, aber auch die Sportsucht sollte man nicht unterschätzen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind Anzeichen für eine Sportsucht?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Wenn man krampfhaft versucht, den Sport täglich irgendwo unterzubringen. Oder man kommt in ein Missverhältnis, dass man nur noch für den Sport lebt, ohne sein Geld damit zu verdienen. Ein Profisportler verdient damit sein Geld, der muss regelrecht 24 Stunden am Tag an seinen Sport denken. Aber wenn man sich sozial isoliert und durch zu viel Sport seine Gesundheit, seine Partnerschaft oder seinen Job gefährdet, dann wird es kritisch. 

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Dürfen Spitzensportler auch mal sündigen?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Im absoluten Spitzensport muss man ehrlich zugeben: da ist nicht viel mit Sünde. Ziel sollte aber sein, den speziellen Sportlerbedarf über natürliche Lebensmittel zu decken, zum Beispiel die Proteinzufuhr über eine echte Quarkspeise regeln. Echte Lebensmittel werden vom Körper lieber wahrgenommen, als Ergänzungsmittel. Der Körper nimmt sich, was er braucht, und der Rest wird in der Regel wieder ausgeschieden.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was halten Sie grundsätzlich von Nahrungs­ergänzungsmitteln?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Man versucht die Verwertbarkeit von Nährstoffen durch Zusätze zu optimieren, von denen man oft gar nicht so richtig weiß, wie sie auf den Körper wirken. Die Zufuhr solcher Ergänzungen erfolgt häufig auf Kosten eines anderen Nährstoffes. Wenn ich zum Beispiel in die Proteinmast gehe, behindere ich dadurch die Eisenaufnahme. Unsere Spitzensportler wissen das meist. Im Hobbysport fehlt dieses Wissen häufig. Grundsätzlich gilt aber: bei einer ausgewogenen und taktisch zielgerichteten Ernährung erhält der Körper alles, was er braucht.

Echte Lebensmittel werden vom Körper lieber angenommen als Ergänzungs­mittel.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Apropos ‚ausgewogene Ernährung‘: Es gibt mittlerweile Hobbysportler sowie Spitzensportler, die vegan oder vegetarisch leben. Was sagen Sie zu dem Vorurteil, diese Sportler seien nicht so leistungsfähig?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Wir haben hier Spitzensportler, die vegan leben und die seit der veganen Ernährung sogar besser geworden sind. Das ist ein Zeichen dafür, dass ihnen nichts fehlt. Aber der Körper braucht Zeit zum Umstellen. Wir gehen davon aus, dass der Körper tatsächlich Monate braucht, um z.B. die Darmflora so umzustellen, dass er die Nährstoffe, die ohne tierische Produkte fehlen, aus den anderen angebotenen Lebensmitteln ziehen kann.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Viele Soldaten, die schon mal auf dem olympischen Treppchen standen, lagen schon bei Ihnen auf der Liege?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Genau, die haben wir schon in Unterbuchse gesehen, aber Spaß beiseite. Unsere Spitzensportler wissen zunächst einmal, dass sie sich auf unsere Verschwiegenheit verlassen können. Wir machen darum kein großes Bohei und deswegen kommen sie gerne zu uns. Natürlich werden sie bei Wettkämpfen anders behandelt, als es ein Allgemeinmediziner mit seinen Patienten tun würde. Da muss man dann ein bisschen umschalten. Wenn man zum Beispiel als Betreuer der Frauenfußball-Nationalmannschaft am Spielfeldrand steht, dann wird auch mal eine eher ungewöhnliche Therapie gewählt, denn da geht es zum Beispiel um deutsches Gold. Das Auskurieren kommt später.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die 5 besten Tipps, wenn man als Sportler an seine Grenzen gehen will?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

- Wissen, wo die Grenzen liegen

- Und gerade diese Grenzen antasten, aber nicht übertreten

- Sinnvolle Ziele setzen

- Ernährung anpassen

- Sportmedizinische Begleitung suchen

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die 5 größten Irrtümer beim Sport?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

- Es übertreiben

- Zu schnell zu viel erwarten

- Glauben, dass Sport immer Spaß macht

- Eine „schneller, höher, weiter“-Einstellung

- Sich an den Erfolgen anderer messen

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die 5 größten Ernährungsirrtümer beim Sport?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

- Glauben, dass man zum Abnehmen hungern muss

- Nicht wissen, wann der Körper was braucht

- Dem Körper wichtige Nährstoffe vorenthalten

- Den Genuss vernachlässigen

- Zu viel verbieten

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Warum haben Sie sich für eine Laufbahn bei der Bundeswehr entschieden, statt „normaler“ Arzt zu werden?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Ich habe damals schon bei meinem Bruder gesehen, wie er von den Strukturen, den Möglichkeiten und dem finanziellen Rückhalt durch die Bundeswehr profitiert hat. Schon zum Abi wusste ich außerdem, dass ich Medizin studieren möchte und der Beruf des Soldaten hat mich schon immer interessiert. Die Kameradschaft, wie sie bei der Bundeswehr existiert, gibt es sonst nirgendwo. Medizin kann man nur an zivilen Universitäten studieren, für diese Zeit wird man vom Dienst beurlaubt. Wer das Studium zu lange verzögert, also Scheine nicht schafft, muss die Zeit an die Verpflichtung dranhängen, aber man ist während des Studiums relativ frei in dem, was man tut, solange man die Mindeststudienzeit einhält. So waren mir auch Auslandsaufenthalte möglich.

Eine Kameradschaft wie bei der Bundeswehr, gibt es sonst nirgendwo.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Stand für Sie schon immer fest, dass es zur Sportmedizin geht? 
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Ach, ursprünglich wollte ich Chirurg werden! Aber im Laufe der Jahre durchläuft man viele Praktika und man arbeitet als Assistenzarzt. So habe ich im Laufe der Zeit meine Neigung herausgekriegt. Man hat während des Studiums immer ein Ziel und die meisten wollen Chirurg werden, weil das Operieren sie reizt. Ich hatte jedoch immer, wenn ich länger stand, Rückenprobleme und wusste somit, dass die Chirurgie doch nichts für mich ist. Dann bin ich umgeschwenkt auf die Allgemeinmedizin. Durch meine gleichzeitige Sportambition kam ich zur Sportmedizin.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie wurden Sie zum Sportmediziner für das Militär-Olympia-Team?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Das bringt dieser Dienstposten mit sich. Professor Dr. Simon hat damals das Sportmedizinische Institut ins Leben gerufen und betreute die Militärolympiade seit vor der Jahrtausendwende. Von meinem damaligen Chef wurde die Aufgabe der ärztlichen Beratung und Betreuung dann auf mich übertragen. Das wusste ich aber als ich herkam und so habe ich diese Aufgaben willentlich und gerne übernommen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Die Medizin entwickelt sich schnell weiter. Wie werden Fortbildungen bei der Bundeswehr ermöglicht?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Wir sind natürlich wie alle Ärzte bei der Ärztekammer gemeldet und zur Fortbildung verpflichtet. Wenn jemand eine Weiterbildung beantragt, dann wird diese in der Regel auch bewilligt. Alle Fort- und Weiterbildungen werden elektronisch bei der Ärztekammer gespeichert. Die Zertifikate könnten wir uns natürlich auch an die Wand hängen, aber das ist bei uns nicht nötig.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Sie haben sich 2005 in der Ernährungsmedizin und 2010 in der Gesundheitsförderung & Prävention weitergebildet. Wie wurden Sie dabei von der Bundeswehr unterstützt?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Den Sportmediziner und den Chirotherapeuthen hab ich damals in Eigeninitiative gemacht, aber mit Unterstützung des Berufsförderungsdienstes. Man kann mittlerweile beide aber auch bei der Bundeswehr machen. Ernährungsmedizin und Gesundheitsförderung bzw. Prävention sind im Rahmen dienstlicher Fortbildungen erworben. Rückblickend war das sehr sinnvoll, denn bei dem Dienstposten, den ich jetzt bekleide, sind diese Weiterbildungen unter anderem Voraussetzung. Es gibt Leute, die gehen nach 17 Jahren weg von der Bundeswehr und sind nicht mal Facharzt, und solche, die sich weitergebildet haben und sich gut niederlassen können. Die Eigeninitiative spielt demnach eine große Rolle und wenn man die zeigt, dann wird man von der Bundeswehr bei vielen Weiterbildungen unterstützt.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Sie waren bereits als Assistenzarzt im Auslandseinsatz. Könnte das noch einmal auf Sie zukommen?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Das kann in der Tat wieder vorkommen, jedoch hatte ich das Glück, dass ich bereits drei Auslandseinsätze absolviert habe, bevor ich meine Familie gegründet habe. Zudem ist meine Position eine, bei der ich zum Glück schlecht abkömmlich bin. Somit ein Auslandseinsatz eher unwahrscheinlich, aber möglich und ich würde auch teilnehmen – gar keine Frage.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie war die Umstellung, gerade in Bezug auf posttraumatischen Stress?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Das stabile, funktionierende Umfeld hat bei der Rückkehr sehr geholfen. Es hilft auch, wenn die Familie für einen da ist und man schon während des Einsatzes den Kontakt hält, was uns möglich war und ist. Die Kameradschaft ist ebenfalls wichtig. Gerade im Auslandseinsatz ist sie noch intensiver als zu Hause.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was hat Sie am meisten gefordert?  
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Das waren 5 Monate Auslandseinsatz. Anfangs fragt man sich „Wie soll ich das überstehen?“, aber die Bundeswehr geht nicht blind und planlos in ein Land – die Strukturen sind in der Regel schon geschaffen. Es war trotzdem fordernd, als Soldat hat man immer fordernde Aufgaben.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Hat der Auslandseinsatz Sie geprägt und reifer gemacht?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Auf jeden Fall! Ich war ein junger Arzt, und man sieht Dinge, die man vorher noch nie gesehen hat. Es gab Busunfälle die durch mich versorgt werden mussten etc. und das hat mich sehr geprägt. Die Frage „Was machen wir hier eigentlich?“ stellt man sich natürlich als junger Mensch. Für uns Sanitäter ist diese Frage leichter zu beantworten, weil wir unsere Soldaten „schützen, beschützen, behandeln“. Da muss man einfach hineinwachsen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wird man dadurch gelassener? 
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Gelassener definitiv. Nach dem Eindruck beim Ausheben von Massengräbern beispielsweise, verunsichert und beeindruckt einen ein Alltagsproblem in der Heimat dann nicht mehr so wirklich. Hinterher steht im Vordergrund: gesund sein, Familie, Freunde und einigermaßen Zufriedenheit. Wenn man das hat, was ja viele Milliarden Menschen auf der Erde nicht haben, dann lässt einen das schon gelassener werden.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was treibt Sie bei Ihrer Arbeit an? Haben Sie ein Lebensmotto?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Es gibt einen lateinischen Spruch, der lautet: „Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.“ Das bedeutet frei übersetzt: „Was du auch tust, tue es überlegt und bedenke deine Grenzen.“ Ich würde einen Job nicht machen, wenn ich länger als 2 Wochen mit Bauchschmerzen hinfahre und keinen Spaß daran habe. Da ist die Bundeswehr perfekt, weil man sich in dem Fall ggf. anders orientieren kann. Früher war ich zum Beispiel einige Zeit Personalführer und jetzt bin ich schon seit 11 Jahren gerne Allgemein- und Sportmediziner. Aber auch die Zusatzqualifikationen bringen Abwechslung in den Alltag. 

Wir sind Neuem gegenüber immer aufgeschlossen und es macht immer Spaß.

Vielleicht ist es ein Helfersyndrom aber ich will dran bleiben und immer auf dem neuesten Stand sein. Wenn es klappt, super! Wenn es nicht klappt, dranbleiben! Das ist im Endeffekt auch ein sportlicher Hintergedanke. Stillstand heißt, man hat versagt.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Machen Sie auch selbst Sport?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Wenn möglich jeden Tag. Im Dienst zum Beispiel eine dreiviertel Stunde unter Nutzung der Mittagspause. Wer es hier im Zentrum für Sportmedizin nicht hinbekommt, der will es einfach nicht. Ich laufe leidenschaftlich gerne, habe aber leichte orthopädische Probleme, deshalb fahre ich alternierend auch Fahrrad und gehe ab und zu schwimmen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Haben Sie ein sportliches Vorbild?
Sportmediziner Dr. Christoph Holtherm während eines Interviews an seinem Schreibtisch

Ja, den brasilianischen Fußballspieler Pelé. Ich habe ihn in Brasilien sogar persönlich erleben dürfen. Er hat so viele Leute in den Sport gebracht, ist immer auf dem Boden geblieben und hat immer Leistung gebracht. Er hat insgesamt als Mensch etwas bewirkt, nicht nur als Sportler, deshalb denke ich, dass das jemand ist, an dem man sich ein Beispiel nehmen kann. 

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Vielen Dank, Hr. Dr. Holtherm, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben!