Mach, was wirklich zählt.

Im Interview mit Henning Lambertz.
„Beim Erfolg geht es nicht nur um das reine Talent, sondern um viel Arbeit.“ Chefbundestrainer Henning Lambertz
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Foto: © Bundeswehr

Steckbrief: Henning Lambertz

Geburtstag: 12.12.1970

Beruf: Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands

Sportart: Schwimmen

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Können Sie sich und Ihre Rolle bei den Bundeswehr-Spitzensportlern einmal kurz vorstellen? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Als Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbandes bin ich bei der Bundeswehr auch für die Sportförderkompanie verantwortlich. Die fachliche Entscheidung, wer, wo, wie trainiert, liegt bei mir.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was ist für Sie das Besondere daran, die Bundeswehrsportler/-innen zu trainieren? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Das Besondere und Schöne ist: die Bundeswehr bietet den Aktiven eine Sicherheit, die sie sonst in keiner Weise finden.

Das macht es für mich unheimlich leicht, mit diesen Leuten zu arbeiten. Sie outen sich für ein ganz klares Ziel, bei den Olympischen Spielen oder bei einer WM erfolgreich zu sein und haben die Möglichkeit, ihre Ziele zu verfolgen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
An wie vielen Wettkämpfen haben Sie schon teilgenommen? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Nationale und internationale Wettkämpfe zusammengezählt? Sicher an mehreren hundert! 1997 habe ich als Trainer angefangen und meine ersten Erfahrungen mit Thomas Rupprath machen dürfen. Ein sehr guter Schwimmer, wir konnten im Team viele gemeinsame Erfolge feiern.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was war das bisher beeindruckendste Erlebnis? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Die Olympischen Spiele 2000 in Sydney. Das waren meine ersten Olympischen Spiele und gleichzeitig mein erster richtig großer Wettkampf. Die Olympischen Spiele sind das Maximalziel, das man als Trainer überhaupt erreichen kann. 2000 war außerdem die Jahrtausendwende. Millennium und die Olympischen Spiele – und ich war damals erst 29 Jahre alt. Das war wirklich sehr beeindruckend und hat mich im positiven Sinne erschlagen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was war Ihr größter Erfolg und was macht Sie besonders stolz als Trainer? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Das war der erste Weltrekord 2001, den ich mit Thomas Rupprath über 200m Delphin erzielt habe. Das ist bis heute der deutsche Rekord. Das waren unfassbare Emotionen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was hat Sie am meisten als Trainer gefordert?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Von 2000 bis 2004 habe ich zwei Jobs auf einmal gemacht: Trainer im Verein und Thomas Rupprath als Spitzensportler im Training. Der Tagesablauf war eine große Herausforderung über einen langen Zeitraum.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Gibt es wirklich Sportmuffel oder haben die ihre Sportart einfach noch nicht gefunden? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Meine Grundüberzeugung ist, dass es bloß einige wenige wirkliche Sportmuffel auf der Welt gibt, die einfach keine Lust haben, Sport zu treiben, egal in welcher Form.

90% haben noch nicht die richtige Sportart für sich entdeckt.

Jeder muss den Sport finden, bei dem der Spaßfaktor gegeben ist.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was machen Sie, um die Motivation Ihrer Spitzensportler aufzubauen, wenn sie mal einknickt?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Bei Spitzensportlern motiviert Erfolg am meisten. Entweder im Großen, wie die Teilnahme bei den Olympischen Spielen, oder kleine Erfolgsetappen, wie bei den Kurzbahnmeisterschaften eine Medaille zu holen. Bei einem kurzfristigen Motivationsloch muss ein Trainer auch ungewöhnliche Entscheidungen treffen: den Sportler mal für eine Woche zu einem Trainerkollegen schicken oder ihn etwas ganz anderes machen lassen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind Ihre Tipps für alle, die das Gefühl haben, dass sich scheinbar nichts tut?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.
  • Die Waage fragen, manches Kilo sieht man im Spiegel nicht.
  • Schaffe ich es, meine Lieblingsserie schneller zu absolvieren?
  • Ist mein Puls in der Lieblingsserie auf einmal tiefer, weil ich mich den Ausdauerreizen angepasst habe?
  • Wenn es auf dem Weg zum gewünschten Ziel einfach nicht mehr weiter geht, dann muss man einen Reizwechsel schaffen.
  • Das Ausdauerschwimmen mit Laufen oder Radfahren kombinieren.
  • Mal einen Spaßtriathlon einpflegen.
  • Man muss Dinge finden, die wieder Motivation bringen und die den Körper bei einer Gewöhnung wieder vor neue Reize stellen.
Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Woher weiß ich, wann ich mein Pensum steigern kann, ohne mich zu überfordern?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Die Pulskontrolle ist ein Instrument. Beim Training zur Fettverbrennung sollte der Puls z.B. zwischen 120-140 BPM liegen.

Wer mit mir joggt, muss auch mit mir sprechen.

Wenn ich alleine jogge, dann muss ich mein Lieblingslied leicht mitsingen können, ohne nach Luft schnappen zu müssen. Wer sein Lieblingslied aus voller Inbrunst mitsingen kann, der kann schneller laufen. Wer für seine Strecke 50 Minuten braucht, kann man in drei Wochen anstreben, sie in 45 Minuten zu laufen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Kann man auch zu viel Sport machen?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Ja. Definitiv. Es muss eine Be- und Entlastung geben. Auch Hobbysportler, überdrehen -gut gemeint - das Rad völlig. Der gegenteilige Effekt tritt ein: Knieschmerzen, Fußschmerzen, der Körper ist überlastet.

Ein Maximum ist nie das Optimum. An ein Ziel muss man sich langsam heranarbeiten.

Für wirklich große Dinge hilft auch ein Anfangscheck beim Arzt und auch ein Zwischencheck. Eine Blutkontrolle ist vernünftig. Wer auf einem richtig guten Niveau arbeiten will, dem hilft ein Physiotherapeut oder ein Leistungspsychologe, die man auch in den Fitnessstudios findet.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie stark hängt das gewünschte Leistungsziel von der idealen Ernährung ab? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Wenn ich abnehmen oder Masse zunehmen möchte, kann ich das sicherlich über meine ganz normale Ernährung regeln. Zum Beispiel beim Kraftaufbau proteinreicher essen, zum Abnehmen abends nicht mehr so viele Kohlenhydrate oder weniger ungesunde Fette zuführen. Da kann ich auch in der ganz normalen Ernährung schon große Schritte machen kann und mein Ziel im Kraft- oder Ausdauersport deutlich unterstützen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was halten Sie generell von Nahrungsergän­zungsmitteln? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Seine Ziele sollte man auf natürlichem Wege erreichen, ohne Nahrungs­ergänzungs­mittel. Schafft man dies nicht, kann man Produkte auf der Kölner Liste ohne Probleme zuführen, weil sie streng kontrolliert wurden.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Es gibt das Vorurteil, dass Veganer und/oder Vegetarier nicht so leistungsfähig sind. Stimmt das? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Als Vegetarier kann man den Fleischverzicht sehr gut mit Eiern und Milchprodukten ausgleichen. Wer sich mit Vitamin B12 oder Folsäure zusatzernährt, muss keine Nachteile gegenüber einem Normalernährer haben. Bei einem Veganer ist das im Hochleistungssport schwierig, aber nicht unmöglich.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Inwieweit sind Sie als Trainer Vorbild?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Man sitzt als Trainer mit im Boot. Meine persönliche Einstellung ist, selbst fit zu sein. Ich vergleiche das immer mit einem Trainer der 1. Bundesliga. Wenn der nicht mehr in der Lage ist, mit seinen Sportlern mitzulaufen, oder außer Atem kommt, wenn er 3 oder 4 Balldribblings macht, das käme nicht gut an. Da sind alle Kollegen Vorbilder und fit.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Jeder sollte als Kind herausfinden, welche Sportart die meiste Freude bereitet.

Die Eltern lassen ihre Kinder hoffentlich frei wählen, denn die Vielfältigkeit im Kindesalter muss gefördert werden. Jugendliche müssen bei Motivationslöchern durchhalten! Denn keine Sportart wird jeden Tag Spaß machen. Dementsprechend muss man ab und an mal einen langen Atem haben.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wer ist eigentlich Ihr Vorbild? 
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Es gibt viele Trainer, deren Leistung ich bewundere. Bei Pep Guardiola zum Beispiel den Mut, in ein Land zu kommen, sich mit der besten Mannschaft des Landes auseinanderzusetzen und seine Philosophie in die Mannschaft miteinzubringen.

Im Sport allgemein ist wohl Michael Phelps eine Legende. Niemandem ist es zuvor je gelungen, 18 Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen zu gewinnen.

Seine Laufbahn zeigt: beim Erfolg geht nicht nur um das reine Talent, sondern um viel Arbeit!

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was ist Ihr persönliches Ernährungsgeheimnis?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Ich verzichte seit 3 Jahren auf Fleisch. Nicht, weil mir Fleisch nicht schmeckt oder weil ich denke, dass es mir schadet, sondern rein aus Gründen des Tierschutzes, weil es mich einfach anwidert – und anders kann ich das nicht sagen – wie man mit Tieren umgeht. Ich will gar nicht sagen, dass man komplett auf Fleisch verzichten muss, aber ich finde jeder sollte seinen Fleischkonsum mal überdenken. Das liegt mir sehr am Herzen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
3 Tipps vom Profi für Amateursportler, die an ihre Grenzen gehen wollen:
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Kontrolle zu behalten, nicht überehrgeizig zu sein und vor allem, den Spaß nicht zu verlieren.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die 3 größten Irrtümer beim Trainieren?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Dass es immer weh tun muss, dass es immer schnell gehen muss und dass es keinen Spaß machen kann, wenn es effektiv sein soll.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die größten Ernährungsirrtümer bei Sportlern?
Chefbundestrainer des deutschen Schwimmverbands Henning Lambertz.

Es muss natürlich eine konsequente Ernährung geben, aber ich würde mir ab und an einfach mal etwas gönnen. Denn das erhält einfach die Freude. Selbst wenn ich abnehmen will, heißt das nicht, dass ich abends nicht mal ein Glas Bier oder Wein trinken darf, oder mir mal ein Stück Schokolade gönnen kann. Wichtig ist natürlich, dass es dann nicht die ganze Tafel wird.

Genuss muss schon auch sein!

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für die Olympischen Spiele in Rio!