Mach, was wirklich zählt.

Im Interview mit Kerstin Stegemann.
„Für mich ist jeder ein Vorbild, der versucht, Dinge positiv zu verändern.“ Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Foto: © Bundeswehr

Steckbrief: Kerstin Stegemann

Geburtstag: 29.09.1977

Ehem. Sportart: Fußball

Beruf: Stellv. Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf  / Fußballlehrerin

Sportfördergruppe: Warendorf

Dienstgrad: Hauptfeldwebel


Die größten Erfolge von Kerstin Stegemann.
Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was ist Ihre Aufgabe in der Sportförderung und woher könnte man Sie noch kennen?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Ich bin die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe in Warendorf. Ich war viele Jahre aktive Spitzensportlerin und war Fußballerin in der Frauennationalmannschaft. Daher könnte man mich kennen, meine aktive Zeit habe ich aber schon 2009 beendet.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Welche Titel haben Sie als Spielerin gewonnen und was war für Sie persönlich davon der größte Erfolg?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Ich bin viermalige Europameisterin, zweimalige Weltmeisterin und habe bei insgesamt vier Olympischen Spielen dreimal Bronze geholt. Meine schönsten Erfolge waren natürlich die beiden Weltmeisterschaften 2003 und 2007. Das war das erste Mal und bisher die einzigen Weltmeistertitel, die die Frauennationalmannschaft geholt hat.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie sind Sie als Spitzensportlerin zur Bundeswehr gekommen?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Ich habe den Arbeitgeber gesucht, bei dem ich Beruf und Sport miteinander verbinden kann. Da bot sich die Bundeswehr an. Der DFB musste zustimmen, dass ich einen Spitzensportplatz bekommen darf. Damals im März 1998 konnte man als Frau entweder als Musikerin oder als Sanitäterin bei der Bundeswehr anfangen. Ich habe mich für die Sanitätsausbildung entschieden und die entsprechenden Laufbahnlehrgänge absolviert. Ich bin somit gelernte Sanitätsfeldwebel. Parallel dazu durfte ich meinen Leistungssport machen. Ich fand das aber nicht schlimm, ganz im Gegenteil es hat mir sogar viel Spaß gemacht.

Die Vielseitigkeit des Dienstes ermöglicht einem, viele Sparten kennen­zulernen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Inwieweit hat Sie die Sportförderung der Bundeswehr damals unterstützt?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Sehr. Frauenfußball war damals eher noch eine Randsportart und sehr amateurhaft. Wir haben drei Mal in der Woche abends von 18 bis 21 Uhr nach dem Beruf trainiert und am Wochenende Bundesliga gespielt. Nach den ersten Erfolgen wurde das Training angezogen und wir haben dann täglich trainiert. Als ich zur Bundeswehr gewechselt bin, hatte ich zwar meine Laufbahnlehrgänge, konnte aber teilweise sogar zwei Mal täglich trainieren.

Die Sportförderung war für mich das Sprungbrett, Stammspielerin der Frauennational­mannschaft zu werden und so dem Land und der Bundeswehr etwas zurückzugeben. Ansonsten hätte ich vermutlich mit dem Fußball aufhören müssen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Erklären Sie uns doch einmal kurz die Sportförderung der Bundeswehr?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Die Bundeswehr stellt auf der Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages vom Mai 1968 Förderplätze (Dienstposten/Stellen) für den Spitzensport zur Verfügung.

Die Förderung des Spitzensports ist u.a.dadurch legitimiert, dass Erfolge deutscher Athletinnen und Athleten bei internationalen Wettbewerben das Bild Deutschlands in der Welt mitprägen und damit der gesamtstaatlichen Repräsentation dienen. Alle leistungssportorientierten Spitzenverbände des DOSB (olympisch, nichtolympisch und paralympisch) profitieren von der Spitzensportfördrung der Bundeswehr.

Die Sportsoldaten/-innen werden in 15 Sportförderfgruppen der Bundeswehr gefördert.

Die Standorte der Sportfördergruppen liegen im Einzugsbereich  von Olympiastützpunkten und Leistungszentren. Einer davon ist hier in Warendorf.

Derzeit werden 744 Spitzensportler/-innen, einschließlich der Trainer und Physiotherapeuten, gefördert. Ferner werden bis zu 40 Soldaten/-innen,  im Interesse der Streitkräfte in den Militärsportarten Fallschirmspringen, Militärischer und Maritimer Fünfkampf gefördert.

Der Spitzensportler muss jedes Jahr seinen Kaderstatus durch Leistung und Erfolge bestätigen, damit die Förderung verlängert wird.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was passiert, wenn der Spitzensportler seinen sportlichen Zenit überschritten hat und nicht mehr gefördert wird?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Dadurch, dass die Spitzensportler bei der Bundeswehr eine militärische Laufbahn absolviert haben, können sie nach ihrer sportlichen Karriere als Soldat wie jeder andere weiterdienen. Spitzensportler sind in der Regel sehr belastbare Menschen und somit auch gute Soldaten. Wir hatten zum Beispiel einen Schwimmer im Team, der immer gute Leistung gebracht hat, aber für den sportlichen Erfolg hat es nicht mehr gereicht. Daraufhin hat er sich als Kampfschwimmer beworben und ist zum Vollblutsoldaten geworden.

Die Spitzensportler merken durch die Laufbahn­ausbildung oft, wie viel Spaß ihnen das bereitet und dass ihre Kompetenzen und Qualifikationen bei der Bundeswehr eingesetzt werden können.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was machen Sie heute? Wie und warum sind Sie Trainerin geworden?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Meine Hauptfunktion heute ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf. Wir haben hier in der Sportfördergruppe Warendorf eine Stärke von 70-80 Spitzensportler/innen. In den Sportarten wie Schwimmen, Handball, Fußball, Reiten, Leichathletik, Schießen, DLRG und Wintersportsport (Bob, Skleleton,Rodeln).

Bei uns bewegt sich viel. Jährlich wird in den Personalplanungsgesprächen zwischen Bundeswehr, DOSB und Sportverband entschieden, welche Sportler/innen bleiben und welche nach Hause gehen müssen. Das bedeutet wir haben jedes Jahr ungefähr 20-30 Entlassungen, aber auch genau so viele Neueinstellungen. Laufbahnwechsel, Laufbahnlehrgänge uns die Ausstattung der Spitzensportler mit Sportkleidung, alles muß organisiert und geplant werden. Dafür bin ich natürlich nicht alleine zuständig, sondern das gesamte Regiepersonal der Sportfördergruppe, bestehend aus einem Stabsunteroffizer, einem Leiter/in und einem Vertreter/in, in dem Fall mich.

Aufgrund meiner Erfahrung als Spitzensportlerin, bin ich häufiger auch als sportliche Beraterin gefragt. Manchmal brauchen die Sportler/innen nur einen Zuhörer, weil es gerade sportlich nicht so läuft oder weil sie verletzt sind. Diese Situationen habe ich alle durchlebt.

Ein guter Kaffee und der ein oder andere Tipp, wie ich in meiner aktiven Zeit mit negative Erlebnissen umgegangen bin, ist manchmal schon hilfreiche. Die Sportler/innen wissen, dass sie mich zu jeder Zeit anrufen können.

In meiner Nebenfunktion bin ich seit vielen Jahren Trainerin der CISM-Frauenfußballauswahl (Bundeswehr-Frauennationalmannschaft). Ich bin ausgebildete Fußballlehrerin und mache diese Aufgabe sehr gerne.

Wir nehmen an CISM-Weltmeisterschaften (=International Military Sports Council), CISM-World Games oder auch Benefizspielen teil. Dafür sind Trainingslager und so einige Reisen notwendig. Ist aber eine interessante und spannende Abwechslung. Das Motto des Militärsports: Freundschaft durch Sport, lässt Freundschaften mit ausländischen Soldaten/innen entstehen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Diesen Zusammenhalt der verschiedenen Nationen habe ich in der DFB-Frauennationalmannschaft bei großen Turnieren so nicht erlebt.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie kam es zu der Entwicklung von der Sportlerin, die von der Sportfördergruppe gefördert wird, hin zur stellvertretenden Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

So richtig geplant hatte ich das gar nicht. Ich war immer sehr motiviert. Ob Interviews, Pressetermine oder andere öffentliche Auftritte – ich bin sehr gerne Spitzensportlerin gewesen und finde die Bundeswehr ist ein guter Arbeitgeber und hat mir persönlich viel ermöglicht.

Durch die Öffentlichkeitsarbeit möchte ich einfach etwas zurück geben und die Bundeswehr als attraktiven Arbeitgeber darstellen.

Während meiner aktiven Zeit 2006 wurde mir die Möglichkeit angeboten, Berufssoldatin zu werden. Mit der Perspektive die Aufgaben zu übernehmen, die ich Heute habe.

Ich habe quasi mein Hobby zum Beruf gemacht.Es hätte nicht besser laufen können.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die Vorteile der Bundeswehr für Sportler, aber auch für jeden Einzelnen?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Was ich an der Bundeswehr so mag, ist, dass diese so offen ist. Man muss sich gar nicht von Anfang an entscheiden, ob man dabei bleiben möchte. Trotzdem hat man die Möglichkeit, unterschiedliche Ausbildungen zu genießen.

Wer bei der Bundeswehr anzeigt, dass er bereit ist, sich fortzubilden, der hat unheimlich viele Möglichkeiten.

Ich habe damals beispielsweise Word- und Excelkurse besuchen können und Zertifikate erhalten, mit denen ich mich nach meiner Bundeswehrzeit auch in der freien Wirtschaft hätte bewerben können. Diese Vielfältigkeit der Ausbildungsmöglichkeiten finde ich ganz toll für junge Menschen. Einige scheiden nach den 12 Jahren Verpflichtungszeit aus und haben danach fünf Jahre Zeit, eine Fort- oder Weiterbildung, eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren - was die Bundeswehr weiterhin finanziert. Verpflichtungszeiten bis 25 Jahre oder sogar Berufssoldat zu werden ist möglich. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und wer die Möglichkeiten der Bundeswehr ausschöpft, kann ziemlich viel mitnehmen. Was ich bei der Bundeswehr zu allererst gelernt habe, war, Verantwortung zu übernehmen, selbstständig zu sein, mich selbst zu organisieren und flexibel zu sein.

Man steht schnell selbst in der Verantwortung, Menschen zu führen. Vorgesetzte zu sein ermöglicht einem, das Wissen an die nächste Generation weiter- und der Bundeswehr etwas zurückzugeben.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was heißt es, als Sportler, aber auch als Soldat, an die eigenen Grenzen zu gehen?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Im Sport muss man natürlich sehr oft an die Grenzen der Belastbarkeit gehen. Das gehört einfach dazu, um besser zu werden.

Wenn das Verhältnis zwischen Belastung und Erholung stimmt, dann wird man einfach nur besser.

Daher kann man das gut miteinander vergleichen. Was ich durch mein Sportlerleben gelernt habe, ist nie aufzugeben. Irgendwo gibt es immer ein positives Ende, aber nur, wenn du es selbst gestaltest. Wenn ich sage „Ich habe das Spiel schon verloren“, dann werde ich es definitiv verlieren. Mein Lebensmotto „Gib niemals auf!“. Das habe ich als Sportlerin gelernt und in den Soldatenberuf mitgenommen.

Man muss bereit sein, an die eigenen Grenzen zu gehen. Eine Herausforderung einfach mal anzunehmen und zu sagen „Ja, ich schaffe das!“. Ich habe ein Ziel, welches ich verfolge. Habe ich es erreicht, darf ich stolz sein. Schaffe ich es nicht, versuche ich daraus zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wer ist Ihr Vorbild?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Für mich ist jeder ein Vorbild, der versucht, Dinge positiv zu verändern.

Das ist für mich die Krankenpflegerin nebenan, die alte Menschen pflegt, die da ganz wenig Geld für bekommt, die es trotzdem gerne macht und ein Lächeln auf den Lippen hat. Menschen, die den Tag positiv gestalten, auch wenn es mal nicht so gut läuft und Menschen, die anderen Menschen gegenüber positiv auftreten, egal was sie machen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Sind Soldaten in Ihren Augen Vorbilder?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Aber das reine Soldat-Sein macht sie dabei nicht zum Vorbild, sondern ihre Einstellung und die Art, wie sie ihren Job ausführen. Die, die jetzt bei der Bundeswehr sind, sind freiwillig dabei und sollten Vorbilder sein. Wenn sie das nicht sind, dann haben sie definitiv den falschen Job.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Inwieweit sind Sie bzw. ist man als Trainer Vorbild?
Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann ist die stellvertretende Leiterin der Sportfördergruppe Warendorf.

Ich glaube, was mich auszeichnet ist das Fair-Play. Ich versuche immer, auch im Sport fair zu bleiben, Selbst wenn es manchmal schwer fällt, weil man natürlich immer Spiele gewinnen möchte. Aber wenn einer besser ist, dann gratuliere ich und gebe das zu und schätze die Leistung meines Gegenspielers oder meiner Gegenspielerin bzw. der anderen Mannschaft. Wir trinken auch mal das Radler nach dem Spiel, selbst wenn das eigentlich gegen die Trainingslehre spricht. Das heißt nicht, dass wir uns dann betrinken, aber ich bin da eher der lockere Typ. Natürlich gibt es Spielregeln, an die wir uns strikt halten, aber Spaß und Sport gehören, um wirklich erfolgreich zu sein, zusammen. Ich lache sehr viel und mache gerne Späße, dafür bin ich bekannt.

Für mich muss Beruf und Sport Spaß machen – nur dann kann man 100% Leistung bringen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Vielen Dank für das Interview, Frau Stegemann.