Mach, was wirklich zählt.

Im Interview mit Robert Harting.
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Foto: © Bundeswehr

Steckbrief: Robert Harting

Geburtstag: 18.10.1984

Sportart: Leichtathletik / Diskuswurf

Sportfördergruppe: Berlin 

Dienstgrad: Stabsunteroffizier

Größe: 2,01m

Gewicht: 126kg

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie kamen Sie als Sportler auf die Idee, zur Bundeswehr zu gehen?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Damals nach dem Abitur wollte ich eine offene Perspektive haben und auch die Unterstützung, um sportlich international durchzukommen. Da passte die Bundeswehr optimal. Als Sportler muss man im Hinterkopf behalten, dass alles endlich ist, und durch das offene Modell (gleich „duale Karriere“; A.d.R.) der Bundeswehr habe ich eine Perspektive nach meiner aktiven Zeit.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was ist das Besondere daran, Sportsoldat bei der Bundeswehr zu sein?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Die Zugehörigkeit zur Bundeswehr und das Gefühl von Einheit sind toll.

Die bemerken wir auch als Profisportler. Die militärische Ausbildung bei der Bundeswehr ist für uns außerdem eine ganz neue Erfahrung. Da wird man als junger Mann ganz schnell erwachsen. Aber später hat mir die militärische Ausbildung auch dabei geholfen, mit herausfordernden Situationen besser umzugehen, wenn Trainingserfolge auf sich warten lassen zum Beispiel.

Außer der benötigten Disziplin gibt es da kaum Gemeinsamkeiten, aber das ist eine Herausforderung, der wir uns natürlich stellen. Wir sind als Profisportler öffentliche Personen und zeigen auch, dass wir gute Soldaten sind.

Die Bundeswehr ist ein Arbeitgeber, der viel erwartet, aber diese Verpflichtungen erfüllt man gerne.

Für die Bundeswehr als Arbeitgeber steht man gerne ein und erringt Erfolge. Einem wird Respekt entgegengebracht und Anerkennung ist in unserer gesamten Gesellschaft eine wichtige Währung – auch für Sportler. Es ist ein Bestandteil des gesamten politischen Korpus, der da hinter einem steht.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind für Sie die größten Vorteile einer Sportkarriere bei der Bundeswehr?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Das offene Modell, also die „duale Karriere“,Link öffnet sich in neuem Fenster ist ganz klar der größte Vorteil. Dadurch können wir Sportler uns zunächst voll und ganz auf den Hochleistungssport konzentrieren und Top-Erfolge erzielen. Im Anschluss an die aktive Zeit – oder wenn möglich sogar währenddessen – können wir eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren. Genau das ist der klare Vorteil der Spitzensportförderung der Bundeswehr gegenüber den Alternativen wie Bundespolizei oder Zoll: Hier steht die Berufsausbildung im Vordergrund, Sport zu treiben wäre dort nur neben dem Beruf möglich gewesen, das funktioniert im Spitzensport jedoch nicht.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was war für Sie Ihr größter Erfolg?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Ich bin kein Fan von der Vergangenheit und sammle meine Pokale und Medaillen eher in einer Kiste. Ich blicke lieber in die Zukunft. Mein Olympiasieg war erleichternd, meine erste Goldmedaille 2009 war berauschend. Das sind ganz unterschiedliche Gefühlswelten.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Motiviert Sie das?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Klar, man hat einen ganz anderen Brustumfang, wenn man erfolgreich ist, und es macht einen stolz. Das sind ganz neue psychische Ebenen und das ist auch eins meiner Ziele: persönlich daran zu wachsen und ein neues psychologisches Level zu erreichen. Die Erfolge motivieren mich so auf lange Sicht.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie bereiten Sie sich auf so große Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele vor?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Ich optimiere meinen Alltag. Tagsüber trainiere ich und nachts versuche ich zu regenerieren. Soziale Kontakte müssen dann erstmal pausieren. Ich fokussiere mich psychisch, die Bedingungen in einem Trainingslager sind dafür ideal. Man isst, man schläft, man trainiert – das ist wie ein Gewächshaus für Sportler.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind Ihre Ziele nach Ihrer aktiven Zeit als Profisportler?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Durch das offene Modell vom Berufsförderungsdienst konnte ich bereits während meiner aktiven Zeit studieren, aber ich könnte mir vorstellen, später noch einen Master zu machen.

Ich habe mir in der letzten Zeit auch überlegt, nach meiner sportlichen Karriere bei der Bundeswehr zu bleiben.

Mich interessieren die digitalen Kräfte besonders, gerade im digitalen Umbruch, den wir im Land haben. Mein Studium war strategisch und kreativ ausgelegt, darum würd ich gerne gestalterisch tätig werden, z.B. indem ich mithelfe, das bestehende Sportfördermodell zu optimieren und die kulturelle Bindung der Truppe besser hinzubekommen. Ich könnte mir für die Sportsoldaten allgemein aber durchaus auch noch einen anderen Einsatzbereich nach der aktiven Zeit vorstellen, nämlich eher in einer unterrichtenden Funktion. Von Vorträgen über Trainings bis hin zum Lehren, physische und psychische Hindernisse zu überwinden. Die Sportler könnten die Soldaten mit ihrem Fachwissen unterstützen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Inwieweit sind Sie als Sportler und auch als Sportsoldat Vorbild?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Als Spitzensportler und Sportsoldaten sind wir schon eine Art ideelle Einheit, um keine falschen Werte zu repräsentieren.

Ich gebe alles, um ein gutes Vorbild in der Gesellschaft abzugeben.

Um eine Vorbildfunktion in Sachen Fairness, Disziplin oder auch Leistungsvermögen kommt man als Sportler auch gar nicht herum. Das ist für mich nicht schwer. Auch wenn man mal mit seiner eigenen Leistung unzufrieden ist und Kinder Autogramme haben wollen, dann gibt man Autogramme. Das ist auch eine Form von Disziplin, die man als Sportler und Sportsoldat haben muss.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Wenn du im Sport oder auch beruflich das Gefühl verspürst, dass du auf dem richtigen Weg bist und du Herzklopfen bekommst, wenn du an etwas denkst, dann solltest du das unbedingt verfolgen. Wenn man im Sport an seine Grenzen gehen möchte, dann nur, wenn man mental und physisch wirklich gut vorbereitet ist.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wer ist eigentlich Ihr Vorbild?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Lars Riedel und Virgilijus Alekna.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Ihnen aus?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Auf die Wochentage sind Wiederholungen von koordinativem Training, Krafttraining und Schnelligkeitstraining verteilt. Mein Tag beginnt um 7:30 Uhr mit einem Frühstück. Die koordinative Kurve steigt zwischen 9:30 und 10:30 Uhr und dann trainiere ich bis mittags. Nach dem Mittagessen habe ich von 13 Uhr bis 14 Uhr Physiotherapie. Dann folgen eine kurze Ruhephase und die nächste Trainingseinheit bis 18:30 Uhr. Nach dem Abendessen wartet die Büroarbeit und gegen 22 Uhr gehe ich schlafen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie viele Kalorien essen Sie täglich?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Das schwankt zwischen 4.500 und 5.000 Kalorien am Tag. Ich wiege knapp 130 Kg und habe aufgrund meiner Größe und meines Gewichts schon einen Grundumsatz von 3.400 Kalorien. Für mein Training nehme ich dann nochmal etwas über 1.000 Kalorien zu mir.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was essen Sie?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Ich bin Schnellkraftsportler, das heißt: ich verbrenne kein Fett. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass man alles essen kann, bloß weil man Sport macht. Langkettige Kohlenhydrate (z. B. Nudeln, Kartoffeln, Haferflocken etc.; A.d.R.) und Fette sind für mich auch nur mit Vorsicht zu genießen. Ich bin ein großer Fan der asiatischen Küche.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Dürfen Sie auch mal sündigen? Und wenn ja, womit?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

Ich darf zwar auch mal sündigen, habe aber wenig Lust dazu. Bei mir bezieht sich das eher auf „Sich etwas gönnen“, wie zum Beispiel mal ein Restaurantbesuch. Ich verzichte in meiner Diät auch auf Zucker und ich habe festgestellt, dass vieles einfach gar nicht mehr schmeckt.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie viel laufen Sie in einer Woche?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

1km Sprint in der Woche.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Wie viele Kilos stemmen bzw. werfen Sie in einer Woche?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

7-10 Tonnen stemme ich pro Woche und 240 kg werfe ich pro Woche im Training.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was war Ihre peinlichste Panne bei der Bundeswehr?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

In der Grundausbildung musste ich nachts die Gruppe anführen und voran gehen, habe einen riesigen Misthaufen nicht gesehen, der uns da im Weg lag, und bin da reingefallen. Das war ganz zu Anfang unseres Biwaks (Aufbau eines Zeltlagers im Freien; A.d.R.) und ich musste die ganze Zeit mit den Klamotten rumlaufen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was ist Ihr Tipp für Hobbysportler, die an ihre Grenze gehen wollen?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

An die eigenen Grenzen sollte man nur gehen, wenn man mental und physisch sehr gut vorbereitet ist. Man muss außerdem reflektieren: Wollte man das schon immer machen und ein neues Level erreichen? Oder macht man das nur, weil man das gesehen hat und cool findet? Die Motivation dazu muss von innen heraus kommen.

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Was sind die 4 größten Irrtümer beim Trainieren?
Diskuswerfer Stabsunteroffizier Robert Harting.

- Die Zusatzernährung bei Breitensportlern in Fitnessclubs.

- Die fehlerhafte Ausführung sämtlicher Beugebewegungen.

- Von Motivationsvideos kriegt man keine Muskeln. Durch Zuhören und Lesen erzielt man keine Veränderung – man muss es selber machen!

Die Bundeswehr-Redaktion fragt.
Vielen Dank für das Interview, Robert Harting. Wir wünschen viel Ihnen viel Erfolg in Rio.