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Mach, was wirklich zählt.

Ein Tornado wird startklar gemacht.
Ready for take-off: Ein Techniker signalisiert dem Piloten, dass der Jet startklar ist.

Ready for take-off: Ein Techniker signalisiert dem Piloten, dass der Jet startklar ist.

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Daumen hoch! Die Tornado-Techniker

Fast täglich starten auf der Incirlik Air Base deutsche Aufklärungs-Tornados und der Airbus A310 MRTT zur Luftbetankung alliierter Flugzeuge im Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“.

Eine große Anzahl Soldaten sind nötig, damit die deutschen Flieger überhaupt in die Luft steigen können.

Der Presseoffizier des deutschen Kontingents stellt sie und ihre Arbeit in den nächsten Wochen vor. Den Anfang machen die Frauen und Männer am Tornado.


Stabsfeldwebel Dirk Z. und Stabsunteroffizier Stefan Z. – zwei Spezialisten, die die Tornados einsatzbereit machen.

Stabsfeldwebel Dirk Z. (r.) und Stabsunteroffizier Stefan Z. – zwei der Spezialisten, die dafür sorgen, dass die Tornados einsatzbereit sind.

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Ein ganz normaler Tag

Um 6.30 Uhr klingelt mein Wecker. Es ist Samstagmorgen. Sofort bin ich hellwach, denn ich weiß, dass heute ein besonderer Tag wird. Neun Grad Celsius und keine Wolke am Himmel – „Mehr geht nicht!“, freue ich mich. Nach dem Frühstück erledige ich im Büro ein paar Routineaufgaben. Ich gebe zu, dass ich mich heute dazu etwas zwingen muss, denn ich freue mich schon länger auf diesen Tag. Seit wenigen Wochen bin ich der Presseoffizier im 3. Deutschen Einsatzkontingent „Counter Daesh“ in Incirlik. Und heute begleite ich die Tornado-Techniker bei ihrer Arbeit. Es sind die Frauen und Männer, die überhaupt erst dafür sorgen, dass die sechs hier stationierten Tornados fliegen und ihre Aufträge erfüllen können.


Wie verabredet, melde ich mich pünktlich um 11 Uhr bewaffnet mit meiner Kamera bei Stabsfeldwebel Dirk Z. An ihm werde ich den ganzen Tag dran bleiben, mir jeden einzelnen Schritt erklären lassen. Er wird auch aufpassen, dass mir nichts passiert. Das ist auch gut so, wie sich später noch zeigen wird. 

Das Pferd von hinten aufzäumen

„Um unsere Arbeit zu erklären, sollten wir von hinten anfangen. Also direkt nach der Landung“ , erklärt er mir. „Wieso?“, denke ich im Stillen, ich will doch wissen, was die Jungs und Mädels machen, damit der Tornado überhaupt losfliegen kann. Dirk Z. hat natürlich recht, denn schon Trainerlegende Sepp Herberger wusste: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ – Nach der Landung ist also vor dem Start.

Gefühlte 15 Männer sitzen in einem viel zu engen Büro. Ein Stabsunteroffizier drückt mir eine „Micky Maus“ – einen Bügelgehörschutz – in die Hand. „Die werden Sie brauchen, es wird sehr laut.“ Plötzlich wird es etwas unruhiger. „Zehn-Minuten-Warnung“, ruft einer der Soldaten in den Raum. Das ist das Zeichen, dass zwei Tornados im Anflug sind und in rund zehn Minuten landen werden. Darauf haben sie gewartet. Auf geht’s – ab in den Kleinbus.

Stefan Z. bittet per Funk um Erlaubnis, die Start-und Landebahn per Kfz passieren zu dürfen.

Stefan Z. bittet per Funk um Erlaubnis, die Start-und Landebahn per Kfz passieren zu dürfen.

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Im Kleinbus über die Flight

Unsere erste Station ist die sogenannte „de-arming area“ (deutsch: Waffensicherungs-Zone). Das ist ein Bereich direkt hinter der Landebahn, auf dem die Bewaffnung der gerade gelandeten Jets gesichert wird. „Bewaffnung? Warum das denn? Wir machen doch ‚nur‘ Aufklärungsbilder“, frage ich die Jungs noch im Auto. Stabsfeldwebel Z. gibt die Antwort: „Wir sind hier im Einsatzflugbetrieb. Deswegen sind unsere Tornados zum Selbstschutz bewaffnet. Sollten sie angegriffen werden, haben sie die Möglichkeit, sich zu verteidigen.“ Das leuchtet ein.

Leider wurde der vorher so sonnige Morgen inzwischen von einem trüben und verregneten Mittag verdrängt. Doch davon lassen wir uns jetzt nicht aufhalten. Weiter geht die Fahrt über den Flugbetriebsbereich. Plötzlich bleiben wir stehen. Stabsunteroffizier Stefan Z. greift zum Funkgerät und bittet den Tower auf Englisch um die Erlaubnis, die Landebahn überqueren zu dürfen. „Puh, gut dass ich nicht am Steuer sitze“ denke ich mir.

Die Erlaubnis folgt prompt, wir fahren weiter, bis wir die besagte Waffensicherungs-Zone erreichen. Dort warten wir auf unsere beiden Tornados. Für das Fahren innerhalb eines Flugbetriebsbereichs wird man speziell ausgebildet, erfahre ich. Das ist bei den ganzen farblichen Markierungen und den speziellen Verkehrsregeln auf der Flugbetriebsfläche auch notwendig.

Stabsunteroffizier Sebastian K. lotst den Tornado auf die Halteposition.

Stabsunteroffizier Sebastian K. lotst den Tornado auf die Halteposition.

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Waffen werden zuerst gesichert

„Da vorn kommen sie“, sagt Stabsunteroffizier Sebastian K. Er wird mit Stefan Z. gleich die Sicherung an den beiden Jets vornehmen. Ich will gerade mit ihnen aussteigen, da spüre ich die schwere Hand von Stabsfeldwebel Z. auf meiner Schulter. „Halt Dich von den Ansaugschächten fern“, warnt er fürsorglich. Die Schächte vor den Triebwerken der Flugzeuge würden auch trotz meiner 1,94 Meter und meiner 95 Kilogramm kein Problem haben, mich einzusaugen. Das ist der Moment, wo sich zu all meiner Euphorie und Begeisterung auch ein etwas mulmiges Gefühl im Magen ausbreitet.

Egal! Ich verdränge die Bilder, bei denen ein Häcksler ein Stück Fleisch zu Hackfleisch macht, schnell aus meinem Kopf. „‚Einfach immer hinter den beiden erfahrenen Stabsunteroffizieren bleiben“, denke ich mir und schaue zu, wie die Zwei die beiden anrollenden Tornados einweisen.

Anschließend bringen sie diverse Sicherungsstifte mit roten Anhängern und der Aufschrift „remove before flight“ (deutsch: Vor dem Flug entfernen) an den Außenlasten der Kampfjets an. Nachdem die Beiden mit der Sicherung fertig sind, gibt es den erhobenen Daumen zum Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Der Pilot kann jetzt zur endgültigen Parkposition rollen.

Präzisionsarbeit – Der Tornado wird in das enge Wartungszelt eingewiesen.

Präzisionsarbeit – Der Tornado wird in das enge Wartungszelt eingewiesen.

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

„Bitte bleiben Sie noch angeschnallt“

Schnell wieder ins Auto und ab zu einem der vier Zelte, in denen die Tornados zur Abfertigung untergestellt werden. Dort warten schon weitere Techniker auf die Ankunft. Die beiden Maschinen rollen heran und werden in die Zelte eingewiesen. Jetzt geht die eigentliche Arbeit los. Hier verliert man als Außenstehender schnell den Überblick. Es ist mit dem Boxenstopp bei der Formel 1 vergleichbar, wo alle rund ums Auto wuseln. Doch hier ist alles viel größer. Und anstelle eines Rennwagens mit schlappen 900 PS geht’s um einen Kampfjet mit der Kraft von mehreren 10.000 Pferden. Zielstrebig gehen die Männer an das Flugzeug. Zuerst werden die Reifen kontrolliert, bevor einer der Soldaten ein Gerät am Tornado anschließt, das ihm die Kommunikation mit der Besatzung im Flugzeug ermöglicht.


Michael K. zieht den wuchtigen Tankschlauch zum Tornado...

Michael K. zieht den wuchtigen Tankschlauch zum Tornado...

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Als wäre es das Leichteste auf der Welt

Teilweise bin ich von der Professionalität so beeindruckt, dass ich glatt vergesse, Fotos zu machen. Der Pilot und der hinter ihm sitzende Waffensystemoffizier sind noch beschäftigt, letzte erforderliche Checks abzuarbeiten. Nachdem der Pilot die Triebwerke abgestellt und das Flugzeug quasi „runtergefahren“ hat, steigen beide Besatzungsmitglieder aus dem Cockpit und besprechen anschließend mit Stabsfeldwebel Björn J. beim sogenannten technischen „Debriefing“ (deutsch: Nachbesprechung) den hinter ihnen liegenden Einsatzflug. Dabei kommen eventuelle Auffälligkeiten an der Maschine zur Sprache, so dass die Technik darüber Bescheid weiß und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen einleiten kann. Gleichzeitig rollt ein Tankfahrzeug an. Der Fahrer, Oberstabsgefreiter Michael K., steigt aus und zieht einen großen Tankschlauch an einen der Tornados heran. Dort wird er von Stabsunteroffizier Tom W. in Sekundenbruchteilen befestigt.

….wo er von Stabsunteroffizier Tom W. umgehend angeschlossen wird.

….wo er von Stabsunteroffizier Tom W. umgehend angeschlossen wird.

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Das läuft definitiv schneller als jeder Boxenstopp! 1.200 Liter Kerosin jagen durch den Schlauch in die Tanks der Maschine – pro Minute! Nach etlichen weiteren Handgriffen ist der Jet wieder für den nächsten Flug vorbereitet: Nach der Landung ist vor dem Start. Die Frauen und Männer von der Technikstaffel haben ihren Job in einer Weise getan, die professioneller und motivierter nicht sein könnte.

Ich danke allen Beteiligten dafür, dass ich heute dabei sein durfte. Ich verabschiede mich mit der Gewissheit, dass sich hier in Incirlik ein super Team um unsere Flieger kümmert. Ich freue mich schon auf das nächste Mal, wenn ich die fliegenden Besatzungen bei ihren Vorbereitungen auf einen Einsatzflug mit dem Tornado begleiten darf. Ihr Flugzeug steht ja nun frisch aufgetankt und gewartet bereit – jetzt liegt es an ihnen. Ich bin gespannt.

Autor: Stephan Jeglinski