• Neuer Inhalt
  • Zum Beratungsstellenfinder
  • Suche

Der modernste Tornado der Luftwaffe

Ein Waffensystemoffizier (WSO) im Cockpit des ASSTA 3.1-Tornados.
Ein Pilot sitzt in seinem Cockpit vor drei grossen Monitoren und weiteren Geräten.

Der Arbeitsplatz des Waffensystemoffiziers.

Foto: © Bundeswehr / Oliver Pieper

Der modernste Tornado der Luftwaffe

Der Pilot und der Waffensystemoffizier klettern die Leiter zum Cockpit hinauf, beide nehmen ihre Plätze ein. Sie starten die Bordelektronik und das Licht der neuen Bildschirme; Anzeigen spiegeln sich in den Visieren ihrer Fliegerhelme.

Beide sitzen gerade im modernsten Tornado der Luftwaffe - dem Flugsimulator ASSTA 3.1 (Avionics System Software Tornado Version 3.1). 

Hauptmann H. schaut auf die Monitore und Anzeigen vor ihm. Als Waffensystemoffizier (WSO) ist er verantwortlich für den taktischen Einsatz der Bordelektronik, für den Waffeneinsatz und die Navigation des Kampfjets Tornado. Doch dieses Mal sitzt er nicht wie gewohnt hinter dem Piloten im Flugzeug, sondern neben ihm - an einem Schreibtisch. Vor ihm stehen mehrere Monitore des sogenannten ASSTA 3.1 Simulators. ASSTA steht für Avionics System Software Tornado in der Programmiersprache Ada. Die Avionik ist ein Kofferwort, bestehend aus Aviatik (lat. avis =Vogel) und Elektronik und bezeichnet die Gesamtheit der elektrischen und elektronischen Geräte an Bord eines Flugzeugs. Der ASSTA 3.1-Simulator ist speziell konzipiert, um dem Piloten und dem WSO die Unterschiede zu der bisherigen Version zu vermitteln.


Neue Software für das NATO-Netzwerk

Der WSO des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 und sein Pilot verbringen insgesamt zwei Stunden in dem Simulator, bevor sie in der modernsten Version des Tornados fliegen. In der Mitte des zentralen Monitors befindet sich eine digitale Karte. Darauf sind mehrere Kreise, Quadrate und Rauten zu sehen. Mit dem Joystick und verschiedenen Drehknöpfen am Monitor bedient Hauptmann H. die unterschiedlichen Anzeigen. Zu den Symbolen auf der Karte erklärt er: „Die Rauten stehen für andere Flugzeuge und ihre Positionen auf der Karte. Die Quadrate für Schiffe und die Kreise für Heereseinheiten am Boden. Die unter­schiedlichen Farben der Symbole zeigen mir an, ob es sich um Feinde oder Verbündete handelt.“

Sein Finger fährt über die Karte und deutet auf eine graue Raute: „Das sind Flugzeuge, die sich aktiv in das Link 16 Netz eingewählt haben.“ Link 16 bezeichnet einen taktischen Datenlink der NATO. Damit können Flugzeuge, Schiffe und Heeres­einheiten ihre Lageinformationen mit sehr geringer Verzögerungszeit übertragen. Darüber hinaus kann beispielsweise ein AWACS-Flugzeug die Position aufgeklärter Ziele am Boden, in der Luft oder auf See direkt an andere Teilnehmer im Link 16 Netzwerk übertragen. Hinter dem Kürzel AWACS – Airborne Early Warning and Control System – verbirgt sich die luftgestützte Überwachungsflotte der NATO. Deutschland trägt maßgeblich zur Einsatzbereitschaft dieses ganz besonderen Verbandes bei: Rund ein Drittel der Besatzungsmitglieder sind Soldaten der Bundeswehr. Hauptmann H. erklärt weiter: „Das ist einer der großen Fortschritte, die wir jetzt mit dem neuen System haben. Die AWACS kann mir im Flug Nachrichten oder Lageinformationen schicken. Diese Lageinformationen werden mir dann direkt auf meiner Karte angezeigt. Das können einzelne Flugzeuge oder Schiffe, aber auch Wegpunkte und markierte Bereiche auf der Karte sein.“


Zwei Kampfflugzeuge der Luftwaffe überfliegen im Rahmen der Übung TWO OCEANS die Südspitze Afrikas.

Zwei Tornados der Luftwaffe im Rahmen der Übung TWO OCEANS in Südafrika.

Foto: © Bundeswehr

Die praktische Ausbildung am Flugzeug beginnt

Am Abend steht dann ein Trainingsflug auf dem Programm. Hauptmann H. und sein Fluglehrer werden zu ihrem ASSTA3.1-Tornado gefahren. Zurzeit hat das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ zwei Flugzeuge mit dieser Hard- und Softwareumrüstung. Äußerlich unterscheidet sich der Jet nicht von den anderen Flugzeugen des Geschwaders. Erst ein Blick ins Cockpit zeigt die Neuheiten der ASSTA 3.1-Maschine.

Als erstes fallen die drei neuen Monitore im hinteren Teil des Cockpits für den Waffensystemoffizier ins Auge. Mit ihrer hohen Auflösung und schnelleren Bedienung ersetzen sie die alten Röhrenmonitore. Aber auch im vorderen Teil des Flugzeuges gibt es für den Piloten neue Monitore und Anzeigen. Die vielen Displays, Schalter und Instrumente lassen die Komplexität der beiden Arbeitsplätze erahnen. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden auch die anderen Tornados des Geschwaders in die ASSTA 3.1-Variante umgerüstet, die ersten vier bereits bis Ende diesen Jahres. Die theoretische Umschulung und die Ausbildung im Simulator werden von der Gruppe für Taktik, Technik und Verfahren (TTVG) durchgeführt. Die praktische Ausbildung in der Luft übernehmen Fluglehrer, die zuvor für zwei Wochen bei der Firma Airbus Defence and Space in Manching speziell geschult und für ihre Arbeit im Geschwader ausgebildet werden.

Autor: Oliver Pieper