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Mach, was wirklich zählt.

Fregatte Sachsen F129 im Rahmen der NATO-Übung.
Der Hauptabschnitt 600 vor dem 76-Milimeter-Geschütz der „Sachsen“.

Der Hauptabschnitt 600 vor dem 76-Milimeter-Geschütz der „Sachsen“.

Foto: © Bundeswehr / Sönke Struhalla

Die Fregatte „Sachsen“ stellt sich vor – Hauptabschnitt 600: Die Operateure

Seit kurz vor Weihnachten ist die Fregatte „Sachsen“ das Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) und patrouilliert bei der NATO-Unterstützung in der Ägäis. Der Verband operiert vor allem im Mittelmeer, kann bei Bedarf aber sofort in andere Krisengebiete verlegt und dort eingesetzt werden. Seine Aufgabe ist es, die Seewege im Mittelmeer zu überwachen und zu sichern. Die „Sachsen“ ist – wie alle Schiffe der Marine – in Hauptabschnitte unterteilt. Einer dieser Hauptabschnitte ist der 600er - "Gefecht". In diesem Artikel stellen sich die Soldaten und ihre Aufgaben vor.


Die Operationszentrale (OPZ) kann man als das Gehirn des Schiffs bezeichnen. Hier sitzen im Gefecht bis zu 45 Frauen und Männer an den Konsolen und führen – im Falle eines Angriffs – von hier das sogenannte „Äußere Gefecht“. Damit sind alle Bedrohungen gemeint, die von außen dem Schiff und seiner Besatzung gefährlich werden könnten. Sämtliche Informationen über potentielle Bedrohungen laufen hier ein und werden ausgewertet. Im Falle einer konkreten und aufgeklärten Bedrohung werden von hier die Waffensysteme gesteuert. Im regulären Seebetrieb sieht es hier etwas unspektakulärer aus. In erster Linie werden Informationen gesammelt, ausgewertet und an zu beteiligende Stellen weitergeleitet. In See wird dabei rund um die Uhr ein fundiertes Über- und Unterwasserlagebild erstellt und die Kommunikation mit verbündeten Schiffen und Luftfahrzeugen sichergestellt.

Fast zehn Jahre Erfahrung auf See: Fregattenkapitän Volker K. leitet den Hauptabschnitt 600.

Fast zehn Jahre Erfahrung auf See: Fregattenkapitän Volker K. leitet den Hauptabschnitt 600.

Foto: © Bundeswehr / Sönke Struhalla


Fast zehn Jahre Erfahrung auf See 

Der Hauptabschnittsleiter „Gefecht“, wie der Hauptabschnitt 600 heißt, ist auf der „Sachsen“ der erfahrene Fregattenkapitän Volker K.. Er ist ein ehemaliger Schnellbootkommandant und jetzt Schiffsoperationsoffizier (SOPO) der Fregatte. Nach vielen Jahren auf den Weltmeeren und diversen Tätigkeiten im 7. Schnellbootgeschwader in Rostock verfügt er über einen großen Erfahrungsschatz im Bereich Operationsdienst auf unterschiedlichsten Fregattentypen. Fast zehn Jahre Seefahrt liegen bereits hinter ihm. Mit Stolz erklärt Fregattenkapitän Volker K, dass „die Leistungsfähigkeit unseres Schiffs beeindruckend und über jeden Zweifel erhaben ist. Doch letztlich steht auch hier der Mensch im Mittelpunkt – sein fachliches Können und seine Motivation bestimmen über den wahren Kampfwert“.

Der Schiffsoperationsoffizier: Datenauswertung im Team.

Der Schiffsoperationsoffizier: Datenauswertung im Team.

Foto: © Bundeswehr / Sönke Struhalla


Luftverteidigung als Kernkompetenz

Doch welche Bereiche verbergen sich genau hinter der OPZ und was macht sie so besonders? Zu den klassischen Szenarien der Seekriegsführung zählen die Überwasser- und Unterwasserseekriegsführung sowie die der Luftverteidigung. Gerade Letzteres zeichnet die Fregatten der Klasse 124, zu der die „Sachsen“ gehört, besonders aus. Die Schiffe sind in der Lage, nicht nur sich selbst gegen jegliche Art der Bedrohung aus der Luft zu schützen. Auch die Aufgabe der Luftverteidigung im Verband oder für eine ganze Flugzeugträgerkampfgruppe kann sichergestellt werden.

Dabei können sie mit Hilfe eines Fliegerleitoffiziers (FLO) an Bord zusätzlich befreundete Flugzeuge leiten und in unterstützender Funktion einsetzen. Darüber hinaus ist die Fregatte mit dem sogenannten Linksystem ausgestattet, das es ermöglicht, ihr Lagebild mit anderen Schiffen auszutauschen, die vielleicht nicht über ein so leistungsfähiges Luftraumüberwachungsradar verfügen. An klaren, regenfreien Tagen kann die „Sachsen“ mit ihrem Radar in Deutschland nicht nur einen Großteil des Luftraums in der Nordsee, sondern auch bis in die Ostsee hinein, überwachen. Die Verbandsluftverteidigung wird regelmäßig in komplexen, simulierten Szenarien geübt. Dabei stehen die Luftverteidigungsoffiziere des 143 Meter langen Schiffs mächtig unter Strom. Hier ist nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe, sondern auch eine schnelle Reaktionsfähigkeit gefragt.

U-Jagdoffizier Dominik K. vor dem Torpedorohrsatz der „Sachsen“.

U-Jagdoffizier Dominik K. vor dem Torpedorohrsatz der „Sachsen“.

Foto: © Bundeswehr / Sönke Struhalla


Uboot-Jagd mit Sonar und Hubschraubern

 Aber nicht nur die Luftverteidigung ist eine Kernkompetenz der „Sachsen“. Acht Flugkörper vom Typ „Harpoon“ stehen dem Kommandanten für den Ernstfall zur Verfügung, um sich gegen ein gegnerisches Schiff zu verteidigen. Für Bedrohungen aus der Tiefe ist das Kriegsschiff zusätzlich mit einem Sonar und zwei Torpedo-Rohrsätzen mit je drei Rohren ausgerüstet. Das Sonar sendet zunächst Schallwellen aus, die sich im Wasser ausbreiten und von dem U-Boot reflektiert werden. Diese Reflektieren werden wieder aufgefasst und helfen den U-Bootjägern der „Sachsen“, das feindliche U-Boot zu orten und auf Distanz zu halten. 

Um die U-Jagd zu erleichtern, können zusätzlich zwei Helikopter an Bord genommen werden. Ein Hubschrauber ist ebenfalls mit einem Sonar ausgerüstet und kann U-Boote in großer Entfernung orten. Der zweite Hubschrauber ist der Waffenträger. Er kann zwei Torpedos tragen und im Ernstfall das Ziel bekämpfen. Zur Selbstverteidigung der Fregatte werden die schiffseigenen Torpedos genutzt.  Zuständig für die U-Jagd ist der II. Schiffseinsatzoffizier, Kapitänleutnant Martin M., der gemeinsam und regelmäßig die komplexen Szenarien der Unterwasserseekriegsführung mit dem U-Jagdoffizier, Kapitänleutnant Dominik K., und seinem U-Jagd-Team übt. Denn die Fähigkeit muss erhalten bleiben, auch wenn die „Sachsen“ in der Ägäis gerade nicht einer derartigen Bedrohung ausgesetzt ist.

Auswertung eines Fernschreibens, das gerade im Funkraum eingegangen ist.

Auswertung eines Fernschreibens, das gerade im Funkraum eingegangen ist.

Foto: © Bundeswehr / Sönke Struhalla


Kommunikation mit Funk und Flaggen

Neben den Operateuren in der OPZ gehören auch die Funker und Signäler zum Hauptabschnitt 600. Sie sind die Experten in Sachen Kommunikation. Im Funkraum laufen alle für das Schiff wichtigen Informationen zusammen. Hier sorgt der Funkmeister mit seinem Team für die Bearbeitung und Verteilung von ein- und ausgehenden Fernschreiben und Emails. Auf See werden von den Soldaten Telefonate vermittelt und aller wichtigen Sprechfunkfrequenzen bereitgestellt. Unterstützt werden sie durch die Signäler, deren Reich die Brücke des Schiffs ist. Sie können mit den anderen Schiffen der SNMG2, deren Flaggschiff die „Sachsen“ seit Dezember 2016 ist, nicht nur per Sprechfunk, sondern auch durch Lichtmorsen mit Signalscheinwerfern oder durch Flaggencodes im Mast taktische Zeichen austauschen.

Autor: Sönke Struhalla