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Hauptbootsmann Wolter bei der Rekrutenausbildung an der Marinetechnikschule in Parow.
Führungskraft: Ina Wolter unterstehen rund 50 Soldatinnen und Soldaten.

Führungskraft: Ina Wolter unterstehen rund 50 Soldatinnen und Soldaten.

Foto: © Bundeswehr

Die Zugführerin: "Ich kann auch mal laut werden"

Ehrliche Art, offensives Auftreten – so wird Hauptbootsmann Ina Wolter von ihren Kameraden charakterisiert. Beides kann Wolter in ihrem Job gut gebrauchen: Die 31-Jährige ist als Zugführerin in der 8. Inspektion der Marinetechnikschule Parow für die Rekrutenausbildung zuständig.

Wolter und ihre acht Gruppenführer bringen derzeit 43 Nachwuchs­kräften das Soldatenhandwerk bei. „In der allgemeinen Grundaus­bildung werden die ersten Schritte in der Bundeswehr gemacht. Ich achte vor allem auf Disziplin und anständiges Verhalten“, sagt Wolter.


Der Bruder brachte sie zum Bund

Ina Wolter stammt aus Kyritz in Brandenburg. Nach der Schule stand sie vor der Entscheidung: Bundeswehr oder Polizei. Ihr Bruder, sechs Jahre älter und ehemaliger Soldat, gab am Ende den Ausschlag. „Was er am Wochenende zu Hause erzählt hat, hat mich interessiert.“ Wolter ging 2002 direkt nach der Schule für vier Jahre als Mannschaftssoldatin zu einer Fernmeldeeinheit. Nach einer kurzen Verschnaufpause stieg sie 2007 erneut bei der Bundeswehr ein. „Ich wurde in München zur Fluggerätmechanikerin ausgebildet“, sagt Wolter. Dann ging es an die Nordsee, zum Marineflieger­geschwader nach Nordholz bei Cuxhaven.

Wolter machte 2010 ein Truppenpraktikum an der Marinetechnikschule. Zum Tag der offenen Tür 2013 wurde sie zur Unterstützung nach Parow geschickt. Das Marinefliegerkommando wollte sich von seiner besten Seite präsentieren, schickte einen Hubschrauber – im Bundeswehrjargon „Drehflügler“ – und eben Ina Wolter. „Ich bin als Technikerin vor Ort eingesetzt gewesen.“ Ihr Umgang mit den Besuchern – vor allem den Jugendlichen – machte offenbar Eindruck. „Hinterher wurde ich gefragt, ob ich die Ausbildung von Rekruten übernehmen könnte.“


Jeder Rekrut soll besser werden
Rekruten nehmen am theoretischen Unterricht im Rahmen der Allgemeinen Grundausbildung teil.

Rekruten nehmen am theoretischen Unterricht im Rahmen der Allgemeinen Grundausbildung teil.

Foto: © Bundeswehr / Patrizia Tippner

Wolter wollte – und das, obwohl ihr die eigene Grundausbildung „so gar nicht geschmeckt“habe, wie sie sagt. „Ich arbeite gern mit Menschen und will sehen, was man aus ihnen machen kann.“ Sie verlange von ihren Rekruten nicht mehr und nicht weniger als unbedingten Einsatz. „Sie müssen zeigen, dass sie wirklich wollen. Ich will in den drei Monaten der Grundausbildung bei jedem eine Leistungssteigerung sehen.“

In ihren dreieinhalb Jahren als Gruppen- und später auch Zugführerin sei ihre Autorität nie in Frage gestellt worden, sagt Ina Wolter – weder von männlichen noch von weiblichen Rekruten. Wohl auch, weil die Ausbilderin im Zweifel klare Worte findet. „Ich kann auch mal kurz sehr laut werden – egal wie groß und kräftig ein Rekrut ist. Meine Stimme wird dann ziemlich dunkel. Das reicht, um die meisten zucken zu lassen.“ Heute, als Zugführerin, wirke sie mehr im Hintergrund und müsse sich nur noch selten aufregen. „Damals als Gruppenführerin ist das aber regelmäßig vorgekommen. Gerne auch mal täglich.“ Wolters Ansprachen sind in der Marinetechnikschule berühmt – und auch ein bisschen berüchtigt.


Die Vereidigung ist der Höhepunkt
Vereidigung an der Marineschule Mürwik.

Vereidigung an der Marineschule Mürwik.

Foto: © Bundeswehr / Björn Wilke

Ina Wolter hat in den letzten Jahren weit mehr als 100 Rekruten durch die Grundausbildung geführt – überwiegend Männer, aber auch einige Frauen. Derzeit sind sechs ihrer Rekruten Frauen. „Einen Unterschied gibt es nicht“, stellt Wolter klar.

Der schönste Moment im Leben einer Ausbilderin sei die Vereidigung der Rekruten. „Wenn die Eltern angereist kommen, alle in Uniform unter freiem Himmel stehen – etwa vor der Gorch Fock I in der Hansestadt Stralsund – und ihr Gelöbnis sprechen: dann finde ich das richtig gut.“

Trotzdem wird die Ausbilderin bald nach Nordholz zurückkehren – der Liebe wegen. Ina Wolters Freund ist ebenfalls Soldat und im technischen Bereich des Marinefliegergeschwaders tätig. Das Paar hatte sich während des Dienstes kennengelernt. Seitdem schrauben die beiden nicht mehr nur an „Drehflüglern“, sondern auch an der gemeinsamen Zukunft. 

Autor: Timo Kather