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Mach, was wirklich zählt.

Fregatte Sachsen in See
Obergefreiter Norika S. an einer technischen Überwachungsanlage

Technikerin

Foto: © Bundeswehr / S. Struhalla

Erst Abi in Holzminden – dann auf der „Sachsen“ in der Ägäis

Obergefreiter Norica S. wollte die Zeit zwischen Schule und Studium sinnvoll nutzen und gleichzeitig etwas von der Welt sehen. Nach der dreimonatigen Grundausbildung in Parow bei Stralsund ging es für sie nach Wilhelmshaven – auf die Fregatte „Sachsen“. Auf dem Schiff, das derzeit das Flaggschiff der SNMG2 ist, dient sie für die verbleibende Zeit ihres Freiwilligen Wehrdienstes. Als ich zum ersten Mal nach Wilhelmshaven kam, war es gar nicht so einfach die „Sachsen“ in dem riesigen Stützpunkt zu finden. An der richtigen Pier angekommen, war ich ganz schön beeindruckt, als ich „meine“ Fregatte sah.


Es war ein komisches Gefühl, als ich erstmals über die Stelling – die Treppe zum Schiff – auf das Flugdeck ging, und mir dabei bewusst wurde, dass diese 143 Meter Stahl für die nächsten Monate mein Zuhause sein würden. Der Schiffstechnische Leitstand war der erste Raum, den ich damals zu sehen bekam. Er wurde später auch mein Arbeitsplatz. Ich wurde gleich freundlich empfangen und später zeigte mir eine Kameradin mein Deck. Deck!? So heißen an Bord die Kammern, unsere Zimmer. Am Anfang war ich mehr als skeptisch, ob ich mit dem sehr begrenzten Platz klarkommen würde. Aber nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass man hier an Bord kaum Zeit im Deck verbringt und dank der Uniform auch weniger Kleidung benötigt.

Zu viert mit Plan

Aktuell teile ich mir mein Deck mit drei weiteren Kameradinnen. Natürlich ist es manchmal anstrengend, auf alle Rücksicht nehmen zu müssen, gerade dann, wenn wir nachts zu verschiedenen Zeiten aufstehen müssen. Doch man arrangiert sich und jeder gibt sich Mühe, alles möglichst leise geschehen zu lassen. Wir haben uns gemeinsam einen Plan erstellt, wo alle eintragen, wann sie Wache haben, sodass die Lautstärke im Deck an den jeweiligen Abenden der Nachtruhe angepasst werden kann. In der Grundausbildung habe ich die soldatischen Grundfertigkeiten, wie Marschieren, Schießen, Grüßen gelernt – hier an Bord stehe ich vor ganz anderen Herausforderungen, die sich vorrangig mit der Materie der Schiffsbetriebstechnik befassen.

Technikerin mit Schaubenschlüssel arbeitet an einer Großanlage.

Technikerin mit Schaubenschlüssel

Foto: © Bundeswehr / S. Srtuhalla

Laufen gelernt

Die ersten zwei Wochen war ich sehr orientierungslos im Schiff. Alles an Bord sieht gleich aus und dann sind da noch diese komischen Bezeichnungen, wie beispielsweise „IIIP8“, was die Bezeichnung meiner Kammer ist. Doch nach und nach habe ich die Systematik, nach der die Räume und Orte an Bord benannt werden, verstanden. III steht für die Abteilung (das Schiff ist von hinten nach vorn in verschiedene Abteilungen unterteilt), P steht für das Plattformdeck, was mit Etage umschrieben werden kann, und die 8 ist die Raumnummer. Auch die vielen Maschinenräume waren anfangs durchaus verwirrend. Erst nach etwa drei Wochen habe ich an Bord „Laufen gelernt“.

Meine Aufgabe bei den „Heizern“

Als „44er“, also als Schiffsbetriebstechniker, ist man gewissermaßen so etwas wie Hausmeister des Schiffs – ein Allrounder; von „A“ wie Abwasser bis „W“ wie Wartungsarbeiten an Maschinen und Systemen. Von uns werden die Atemschutzgeräte regelmäßig überprüft, wir halten die Motoren am Laufen, wir reparieren die Toiletten oder setzen Feuerlöschschläuche wieder instand. 

Dann gibt es da noch die Ronden – regelmäßige Kontrollgänge durch die einzelnen Betriebsräume. Dabei wird sichergestellt, dass die Werte der Anlagen im grünen Bereich liegen, dass nirgends im Schiff Leckagen oder Wassereinbrüche eingetreten sind oder ob Störungen in einer der Anlagen vorliegen. Die Ronden sind unabdingbar, da trotz der vielseitigen und flächendeckenden Überwachung über ein integriertes Kontrollsystem vor Ort Schäden entstehen können, die vom Programm als solche gar nicht wahrgenommen werden.

Alles unter einem Hut
Die Soldatin trainiert mit einer Hantel

Sport im Schiff

Foto: © Bundeswehr / S. Struhalla

Der Hauptabschnitt 200, zu dem ich gehöre, ist nicht nur am Tag aktiv, sondern auch während der Nachtwachen. In einem bestimmten System wechselt man sich dabei in einem Vierstundentakt ab. Mal geht es von null bis vier Uhr, an anderen Tagen von vier bis acht. So wird versucht, dass alle etwa gleich viel Schlaf bekommen können.

An diese neue Routine musste ich mich auch erstmal gewöhnen, was alles andere als einfach war. Gerade als sogenannter Seewächter hat man es oft schwer, seine Abende zu planen. Ich persönlich gehe zum Beispiel gern zum Sport. Das passiert durch die Nachtwache dann manchmal zu ganz ungewöhnlichen Zeiten. Doch mit etwas Spontanität bekommt man das auch unter einen Hut.


Austausch in der Messe

Meine freie Zeit verbringe ich gelegentlich mit ein paar Kameraden in der Messe. Sie dienen außerhalb der Mahlzeiten als Aufenthaltsräume. Man kann Gesellschaftsspiele spielen oder auch mal gemeinsam einen Film anschauen. Dabei erfährt man auch immer, was in anderen Hauptabschnitten gerade passiert oder wie der Tagesablauf der Kameraden aussieht. Das ist auch interessant, denn meist ist man in seinem Tagesdienst viel zu sehr mit seiner eigenen Arbeit beschäftigt.

Teil der „Gruppe vom Dienst“
Die Soldatin spült Geschirr.

Gruppe vom Dienst

Foto: @ Bundeswehr / S. Struhalla

Gelegentlich ist es auch meine Aufgabe, einen Tag lang in der „Gruppe vom Dienst“ zu arbeiten. Diese „GvD“ wird von Tag zu Tag neu eingeteilt und ist dafür zuständig, dass das Geschirr der Mahlzeiten zu reinigen und einzusortieren. An solchen Tagen ist man von der Wache freigestellt. Man putzt die Messe und am Ende des Tages bringt man den Spülmaschinenraum auf Vordermann. Denn am Abend wird sie nur abgenommen, wenn alles sauber ist und darüber wird sogar Buch geführt.

Autor: Söhnke Struhalla