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Führungsunterstützung: Der Alltag bei den Fernmeldern

Soldat am Computer

Soldat am Computer

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Führungsunterstützung: Der Alltag bei den Fernmeldern

Die zivilberufliche Aus- und Weiterbildung ist in einer Vielzahl von Verwendungen, den Fachverwendungen, Teil der militärfachlichen Ausbildung. Entscheidend sind Ausbildungsstand bei Eintritt in die Bundeswehr, dienstlicher Bedarf und Verpflichtungsdauer. Grundsätzlich erhält jeder länger dienende Zeitsoldat, der mit einer beruflichen Qualifikation in die Streitkräfte kommt, eine Chance, diese während seiner Dienstzeit zu verbessern. Wer ohne berufliche Qualifikation eintritt oder sich umorientiert, kann eine zivilberuflich verwertbare Berufsausbildung erhalten.

Es ist mitten in der Woche, das Bataillon plant eine Übung und die 4. Kompanie bereitet sich darauf vor. Sie hat zwei Satellitenkommunikationszüge (Satcom) und einen digitalen Richtfunkzug. Das bedeutet moderne Technik und trotzdem viel Handarbeit, wie sich an diesem Tag noch zeigen wird.

Ein Satcom- und ein Richtfunktrupp gehen heute auf dem Standortübungsplatz wieder einmal alle Handgriffe durch, die nötig sind, um sicher die Verbindung herzustellen und zu betreiben.

Interessante Technik

Die beiden Truppführer Hauptfeldwebel Chris Weber und Hauptfeldwebel Stefan Schwarick müssen die Fahrzeuge vorbereiten, das Gerät auf Vollzähligkeit prüfen und dann rasch auf den Übungsplatz fahren. Zeit ist wie überall ein knappes Gut. Gesprochen wird noch wenig, jeder kennt seinen Auftrag.

Weber führt den Satcom-Trupp und hat heute einen Feldwebel-Kameraden und einen Mannschaftssoldaten dabei. Schwarick hat die Verantwortung über den Richtfunktrupp mittel, mit einem weiteren Feldwebel und zwei Mannschaftssoldaten und erklärt leicht untertreibend: „Die Technik ist ganz interessant”. Immerhin sorgen die Soldaten des Bataillons dafür, dass Verbindungen von Deutschland ins Einsatzland gehen und dort zu den Bedarfsträgern, zum Beispiel den Operation Bases weitergeleitet werden.

Richtfunkanlage wird mit LKW aus Halle transportiert

Richtfunkanlage wird mit LKW aus Halle transportiert

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Abmarschbereit

Dann geht es auch schon los: Alles ist an Bord, die Fahrzeuge und Anhänger sind in Ordnung. Die jeweiligen Teams melden Abmarschbereitschaft. Die Hallentore öffnen sich und die Motoren werden angelassen. Dabei sichern die Einweiser das Herausfahren mit Handzeichen.

Nun sind auch die Unterschiede zwischen Satcom und Richtfunk zu sehen: Der Richtfunker kommt mit einem geländegängigen LKW mit sieben Tonnen Nutzlast, auf dem eine Antennenmastanlage (AMA) mit maximal 34 Metern Höhe montiert ist und einem weiteren LKW mit Kabine, Anhänger und Stromerzeugeraggregat (SEA).

Der Satcom Trupp besteht im Wesentlichen aus einem Anhänger mit technischem Aufbau und der Satellitenantenne, die ein LKW zieht.

Übung macht den Meister

Die Soldaten waren schon oft auf dem Übungsplatz, der genaue Ablauf wird immer wieder geübt: Den Aufbauplatz suchen, erkunden und dann den Trupp heranrufen und einweisen.

Nichts wäre peinlicher, als wenn einer der Lastwagen stecken bliebe oder schief steht. „Achtung, ich fahre vor”, ruft der Kraftfahrer vom Richtfunktrupp laut. Damit wissen seine Kameraden, dass sich zwischen Anhänger und LKW niemand mehr aufhalten darf, wenn er abgekoppelt wird. Bei diesem Vorgang achten alle aufeinander und auf das Material. Es geht um Sicherheit, Vertrauen und das Üben von Abläufen, durch die Routine entsteht. Das ist Grundlagenausbildung für den Einsatz.

Soldaten beim Aufbau der Richtfunkantenne

Soldaten beim Aufbau der Richtfunkantenne

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Organisieren und sichern

Auch der Satcom-Trupp hat seinen Platz gefunden und den Anhänger aufgestellt. Allerdings ist das etwas einfacher, denn der Anhänger ist kleiner und übersichtlicher.

Bei den Richtfunkern beginnt nun der Aufbau des Antennenmastes, des Stromerzeugers und des Bedienfahrzeugs. Mit vier Mann muss das gut organisiert und gesichert werden. Immerhin fährt die Antenne auf bis zu 34 Meter Höhe aus, weswegen sie von Stützen am Fahrzeug ins Lot gebracht und gegen ein Umfallen gesichert wird.

Während der Kraftfahrer mit dem Aufbau des Stromerzeugers beginnt, ordnet Schwarick Schuhe und Helm an. Was zunächst merkwürdig klingt, erklärt der Truppführer als Verantwortlicher: „Das dient dem Schutz beim Aufbau. Der Gefechtshelm verhindert Verletzungen beim Anstoßen an hervorstehende Teile und die Sicherheitsschuhe schützen die Füße. Immerhin wiegt eine Bodenplatte unter einer Stütze 65 Kilogramm!”

Checkliste

Während der Ausführung haben sich die beiden Kameraden angezogen und warten ruhig auf die nächsten Anordnungen. „Fernbedienung, Drehzahl 1200, Vorschrift”, ruft Schwarick seinen Kameraden Hauptgefreiter Marcel Rother und Max Wenzel zu.

Es klingt seltsam, ist aber die Routine, die hier am Heimatstandort immer wieder geübt wird. Der riesige LKW mit Antennenmast, Stützen und Kabeln muss vorsichtig aufgebaut werden, damit niemand verletzt und kein Arbeitsschritt vergessen wird. Daher auch die Vorschrift, anhand derer die Soldaten alle Punkte wie auf einer Checkliste im Flugzeug abarbeiten.

Mit der Fernbedienung bleiben sie außerhalb des Gefahrenbereichs, der Motor läuft mit 1200 Umdrehungen und versorgt die Hydraulik mit Druck. Auch scheinbare Nebensächlichkeiten finden Einzug in die Befehlsgebung: „Wohin soll die Erdung?”, lautet eine Frage. Das ist wichtig, damit nach dem Aufbau nichts mehr umgebaut werden muss und niemand über den Erdbohrer fällt.

Soldat bedient die Fernsteuerung beim Aufbau der Richtfunkanlage

Soldat bedient die Fernsteuerung beim Aufbau der Richtfunkanlage

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Präzision wird groß geschrieben

Währenddessen scheint es bei den Satcom-Soldaten ruhiger zuzugehen. Zwei Mann kurbeln die Stützen des Anhängers mit den Händen herunter und bringen das Gefährt in die Waage. Hauptfeldwebel Weber ist dabei genauso routiniert wie sein Kamerad ein paar hundert Meter entfernt. Nachdem die Stützen ausgefahren sind, weist er seinen Kameraden Hauptfeldwebel Matthias Bonk an, den Aufbauplatz zu vermessen. „Zuerst mit dem Kompass, dann mit dem GPS-Gerät ermitteln wir die Daten, die nötig sind, damit die Software die Antenne bestmöglich zum Satelliten ausrichtet”, erklärt er. Präzision wird hier groß geschrieben.

Körperliche Arbeit, trotz Technik

Bei den Richtfunkern ist der Motor inzwischen auf Touren. Mit der Fernbedienung vor dem Bauch und der aufgeschlagen Vorschrift führt Schwarick Schritt für Schritt den Aufbau voran. Zuerst klappen vier große Schwenkarme seitlich heraus, daraus müssen die Stützen herausfahren. Die Kameraden haben die schweren Bodenplatten bereits so platziert, dass sie nur noch unter den Stützen justiert werden müssen, einzeln nacheinander. Trotz der Technik ist hier körperliche Arbeit nötig, immer unter Beachtung der Arbeitssicherheit.

Kaum ist das erfolgt, schließt sich das Aufrichten des Mastes an. „Alle raus aus dem unmittelbaren Bewegungsbereich”, ruft Schwarick, bevor er mit der Fernbedienung den Impuls an den Mast sendet. Fast gemächlich richtet sich das Gitterpaket auf als es plötzlich eine Fehleranzeige gibt: „Die Fernbedienung zeigt zwar an, dass der Mast in Ordnung ist, aber der Mastanschlag ist nicht eingerastet. Die Antenne steh also noch schief”, grummelt Schwarick während er schon über die Fehlerbeseitigung nachdenkt. Zwar ist die Störung ärgerlich, aber sie schafft auch Vertrauen untereinander und in die Abläufe. Wenn im Heimatstandort so etwas geübt und gelöst wird, ist das eine gute Grundlage für den Einsatz.

Vier Soldaten verkabeln Computer

Soldaten stellen Verbindung zu den Servern her

Foto: @ Bundeswehr / J. Pushparajah-Hoof

Verbindung zum rund 36.000 Kilometer

Aber die Antenne funktioniert auch nach der Überprüfung noch. Das Team ist gefragt, jede Erfahrung ist wichtig. Schwarick schickt seine Leute noch mal zu den Bodenplatten, auf denen die Stützen ruhen. Und siehe da: Ein Laubblatt unter einem Sensor hat die Fehleranzeige verursacht. Wieder etwas gelernt. „Aus Sicherheitsgründen hat die Elektronik verhindert, dass der Mast sich weiter aufrichtet. Jetzt ist der Sensor frei …”, sagt er, drückt den Schalter. Die Antenne hat ein Einsehen und richtet sich weiter auf.

Mittlerweile ist die Satcom-Anlage fast fertig. Weber und seine Kameraden haben die Schüssel aufgerichtet. Oberstabsgefreiter Patrick Klose ist schon dabei, auf dem Laptop die erforderlichen Daten einzugeben, damit sie sich ausrichtet und mit der richtigen Frequenz die Verbindung zum rund 36.000 Kilometer entfernten Satelliten herstellt.

Klose ist IT-Soldat und hat mit den fast täglichen Übungen viel Erfahrung erlangt. „Hier in Storkow üben wir, pflegen und warten das Gerät”, sagt er während er die Tatstatur bearbeitet. „Im Einsatz bauen wir auf und überwachen das System, dass wochen- oder monatelang läuft”. Das ist so ähnlich wie bei den Richtfunkern, zu denen er schnell einmal rüber blickt.

Soldaten richten Satellitenanlage ein

Soldaten richten Satellitenanlage ein

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Geschafft – Übungsziel erreicht

Dort ist die Antenne auf 34 Meter ausgefahren und ebenfalls ausgerichtet. Jetzt wird sie mit dem Bedienfahrzeug verbunden, in dem die Bedieneinheiten stehen. Nachdem das Stromerzeugeraggregat den nötigen Strom liefert, schaltet Schwarick ein. Lampen blinken, und er dreht an Schaltern, stellt die befohlenen Frequenzen ein. „Wir können maximal 70 Kilometer mit Richtfunk verbinden”, erklärt er.

Nach der Aufbauphase regelt er nun den Betrieb: Diensteinteilung festlegen, Dienstbuch führen, überwachen. Damit es nicht zu langweilig wird, gibt der Truppführer noch eine Weisheit heraus: „Suchst du eine Fehlerquelle, such' sie bei der Gegenstelle”, sagt er mit breitem Grinsen auf. Wenn es doch nur so einfach wäre.

Das unterscheidet den Übungstag vom Einsatz. In Storkow ist irgendwann Dienstschluss, im Einsatz hingegen steht der Trupp Monate oder Jahre. Mittlerweile ist es Nachmittag geworden, Satcom und Richtfunk stehen, der Ablauf war nach Ansicht der Truppführer in Ordnung. Die Auswertung an Ort und Stelle ist wichtig, um die Sicherheit zu erlangen, mit der im Einsatz auch kritische Situationen gemeistert werden.

Heute sind aber die Truppführer und Soldaten zufrieden. Aufbau geschafft, Fehler beseitigt Verbindung hergestellt. So heißt es dann auch „Übungsziel erreicht”.

Autor: Storkow (Mark)