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Ein Soldat misst bei einem Zweiten Soldaten die Kontamination mittels einem kleinen Prüfgerät.
Zwei Soldaten  stehen vor einem großen offenen silbernen offenem Zelt und bereiten sich auf Ihren Einsatz vor.

ABC-Soldat

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Gegen die Unsichtbare Bedrohung

Bekannt ist, dass der sogenannte „Islamische Staat“ über chemische Kampfstoffe, wie S-Lost und Chlorgas verfügt. Ebenso weiß man seit Längerem, dass diese auch im Nordirak eingesetzt wurden. Darüber hinaus entwickeln die Terroristen immer wieder neue Techniken um diese Kampfstoffe gezielt gegen die kurdischen Sicherheitskräfte einzusetzen. Die deutschen Soldaten werden in ihrer Vorausbildung auf den Einsatz im Nordirak auch im Bereich der ABC-Schutzmaßnahmen geschult. Vor Ort beschäftigt sich ein ABC-Abwehrtrupp unter anderem auch mit dem Entgiften von Personal und Material. 

Sechs Soldaten des ABC-Abwehrbataillons 750 aus dem baden-württembergischen Bruchsal gehören derzeit zum Einsatzkontingent im Nordirak. Sie sind die Spezialisten, wenn es um biologische oder chemische Kampfstoffe geht und beraten auch den Kontingentführer hinsichtlich deren Abwehr.

Kampfstoffe, wie S-Lost, aber auch Chlorgas sind – als chemische Beiladung – im Zuge der Frontlinie bereits vom „IS“ eingesetzt worden. Eine diesbezügliche Gefährdung für die deutschen Kräfte ist nicht hundertprozentig auszuschließen. Auch deshalb haben sich die Kameraden der ABC-Abwehr dazu entschlossen, erneut eine Dekontaminationsübung durchzuführen. Mit behelfsmäßigen Mitteln wird eine Entgiftungseinrichtung geschaffen, um den Ablauf der Dekontamination zu üben.

Ich brauche Hilfe

Ein Soldat führt einen zweiten mit Anweisungen durch den Dekontaminationsvorgang.

ABC-Deko

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Stabsunteroffizier Marcel P., ist dabei als Rollenspieler eingesetzt. „Ich unterstütze die Jungs vom ABC- Abwehrtrupp, indem ich einen, mit chemischem Kampfstoff kontaminierten Soldaten darstelle.“ Dazu hat er sich in den „bedrohungs- und auftragsangepassten Schutzzustand“ der Stufe 3 (BAS 3) versetzt. Das bedeutet: Zur Schutzweste trägt er einen speziellen Schutzanzug, den sogenannten Overgarment, die ABC-Schutzmaske, seinen Helm, Hand- und Überschuhe. „Auch wenn wir heute nur 15 Grad haben, strahlt doch die Sonne recht kräftig, da läuft schon nach wenigen Minuten der Schweiß herunter“, sagt er. „Zum Glück bin ich nicht im ‚Sommerkontingent‘, da herrschen in der Sonne bis zu 50 Grad.“
Im sogenannten Abrufraum, einem extra gekennzeichneten Bereich, entlädt er auf Kommando sein Gewehr G36 und die Pistole P8 an der Waffenkiste. Anschließend munitioniert er die Magazine ab. Die Munition kommt in einen dafür vorgesehenen Probentransportbeutel. Immer wieder blickt er durch die Gläser seiner Schutzmaske in Richtung des Dekon-Trupps und wartet auf seinen Abruf.


Kleine Sprachbarriere

Ein Soldat legt seine Schutzweste ab.

ABC-Deko

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Dann geht es los. An der ersten Station empfängt ihn ein Soldat, der wie er gekleidet ist. Er sagt etwas zu Marcel P., der ihn aber kaum versteht. „Das liegt nicht an seiner Aussprache oder seinem Dialekt, sondern an der Schutzausrüstung, die wir beide anhaben.“ Mit erhobener Stimme und per Handzeichen gibt der Soldat nun zu verstehen, dass P. seine gesamte Ausrüstung in die jeweiligen Behältnisse ablegen soll. „Waffen hier rein, sämtliches elektronisches Gerät, wie das Funkgerät hier hinein“, zeigt er.

Hauptfeldwebel Andy K. ist ABC-Truppführer, er überwacht die Übung und erklärt: „Jetzt kann der zu dekontaminierende Soldat mit noch angelegter Schutzmaske zur eigentlichen Station eins, der Schuhkontamination, weiterlaufen. Dabei wird er nun nicht mehr durch die Schutzweste belastet.“


Besondere Reinigungsmittel

Ein Soldat steht in einer Wanne und schrubbt sich die Schuhe mit Dekontaminationsmittel sauber.

ABC-Soldat

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Außerhalb der Stationen ist ein Arbeitsplatz aufgebaut, an dem Waffen, Munition und die elektronischen Geräte mit einer Wischdekontamination behandelt werden. Andy erklärt, dass hier eine zehnprozentige Calciumhypochlorit-Lösung („C8-Lösung“) enthalten ist, die mit Rückentragespritzen aufgebracht wird. Davon ausgenommen ist das elektronische Gerät, das mit einem Dekontaminationsmittel belegt wird, mit dem Schwämme getränkt sind. Diese sogenannten „RSDL-Schwämme“ (Reactive Skin Decontamination Lotion) vermeiden Beschädigungen an den hochempfindlichen Geräten. 
Beide Mittel dürfen unter keinen Umständen miteinander in Berührung kommen, da es dabei zu einer Hitzeentwicklung kommen würde, die im schlimmsten Fall auf die Munition übergreifen könnte. „Dass dies schlimme Folgen für das ABC-Abwehrpersonal und für die zu dekontaminierenden Soldaten hätte, ist klar“, führt Truppführer Andy aus. Zur Entgiftung der Schuhe steigt Stabsunteroffizier P. zunächst in gelbe Plastikwannen, die ebenfalls mit der C8-Lösung gefüllt sind. Mit Hilfe einer Reinigungsbürste muss er anschließend unter Anleitung und Aufsicht seine Stiefel und besonders die Sohlen reinigen.

Kleine Tüte zum Schutz

Ein Soldat stülpt einem zweiten Soldaten einen Plastikschutz über den Filter der ABC-Maske.

ABC - Deko

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Um eine spätere Kontamination zwischen dem Filter seiner Schutzmaske und seiner Oberbekleidung zu vermeiden, gibt’s danach ein kleines Extra. „Was soll das denn? Eine Plastiktüte für den Maskenfilter?“, fragt sich der Rollenspieler. Der ABC-Abwehrsoldat erklärt, dass mit dem eingeschnittenen Probentransportbeutel verhindert werden soll, dass der kontaminierte Maskenfilter mit seiner Feldbluse oder seinem T-Shirt in Kontakt kommt, wenn er anschließend seinen Schutzanzug ablegt.





Ein Soldat lässt sich von einem zweiten Soldaten beim Ausziehen des ABC- Schutzanzuges helfen.

ABC-Deko

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

„Gib mir deine Sachen“

„Endlich sitzen“, denkt sich Marcel. An der nächsten Station wird er entkleidet. „Gar nicht so einfach für den ABC-Abwehrsoldaten, mich aus dem durchgeschwitzten Overgarment zu befreien.“ Das Ausziehen der Überschuhe flutscht dagegen. Bei dem Entkleiden hat Marcel P. permanent die Arme vor seiner Brust gekreuzt. „Das dient auch meiner Sicherheit, damit ich nichts anfasse.“

Die abgelegte Bekleidung kommt in bereitgestellte Fässer, die anschließend verschlossen werden. Schließlich werden diese von außen entgiftet und später fachgerecht entsorgt. Für den Soldaten stehen jetzt noch zwei Eimer zur Handdekontamination bereit. „In einem ist wieder die C8-Lösung und im anderen befindet sich Wasser zum Klarspülen“, erklärt Truppführer Andy.


Ein Soldat erklärt einem Zweiten wie die ABC-Schutzmaske abgelegt wird.

ABC - Deko

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Zeig mir dein wahres Ich

Dann darf Marcel P. seine ABC-Schutzmaske ablegen. Endlich. Zur Erinnerung bekommt er noch einmal gezeigt, wie die Maske korrekt abzunehmen und in die vor ihm stehende Box fallenzulassen ist.

Der Dekontaminationssoldat trennt jetzt die Filter von den Masken und wirft sie in eine Tonne oder einen Sack. Anschließend führt er mit den Filtern eine Tauchdekontamination durch. Auch hier stehen wieder zwei Wannen bereit, eine mit C8-Lösung, die andere mit Wasser zum Spülen.


Ein Soldat reinigt eine Kiste mit dekontaminierten Gegenständen in einer chemischen Lösung.

ABC-Deko

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter



Ende gut, alles gut

Danach verlässt Marcel P. die letzte Station, um wieder zum Abholraum zu gelangen. „Hier werde ich mit neuer Ausrüstung ausgestattet.“ Abschließend sagt er: „Danke Kameraden, das habt ihr gut gemacht.“ Truppführer Andy kann das nur bestätigen. „Was die Jungs heute gezeigt haben, bestätigt mal wieder unsere Professionalität. Wir sind gut vorbereitet für den ‚Fall X‘, der hoffentlich nicht eintreten wird.“

 

Autor: Daniel Richter