Mach, was wirklich zählt.

Ein Soldat klettert im Klettergeschirr eine steile Eiswand hoch.
Mehrere Soldaten bereiten sich und Ihre Ausrüstung für den Aufstieg am Berg vor.

Mehr als ein Job.

Foto: ©Bundeswehr/Anton Brey

Härtetest in Hintertux

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch: Der 3.000 Meter hohe Gletscher ist in strahlendes Sonnenlicht getaucht. Skifahrer schwingen locker und elegant ins Tal, genießen die exzellenten Wintersportbedingungen und die Schönheit der Landschaft. Doch die angehenden Heeresbergführer sind nicht zum Vergnügen hier. 

Mehrere Soldaten fahren mit Skiern den Berg hinunter.

Heeresbergfuehrer1

Foto: ©Bundeswehr/Lindhorst

Um 4.45 Uhr ist Antreten, danach folgt die Abfahrt mit Bussen. Von Saalfelden im Bezirk Salzburg geht es zunächst in Richtung Innsbruck und dann weiter ins Zillertal in Tirol. Nach zweieinhalb Stunden dann die Ankunft in Hintertux. Der Hintertuxer Gletscher ist Österreichs einziges Ganzjahresskigebiet und bietet Wintersportlern an 365 Tagen perfekt präparierte, schneesichere Abfahrten, höchst abwechslungsreich auf mehr als 60 Pistenkilometern aller Schwierigkeitsstufen. Aber nicht nur das: Er ist auch ideal für das Klettern.

Zwei Prüfungsthemen stehen auf dem Programm: Am Vormittag die Skibeweglichkeit und am Nachmittag das Klettern und Gehen im Eis. Aber der Wetterbericht verheißt nichts Gutes: Für Mittag ist das Eintreffen einer Schlechtwetterfront mit Gewittern angekündigt.

Mehrere Soldaten in einer Schneelandschaft mit einer Bergspitze im Hintergrund

Heeresbergführerlehrgang

Foto: ©Bundeswehr/Anton Brey

Kein Blick für das Panorama

Von der Talstation in 1.500 Metern Höhe aus geht es mit den Gondelbahnen hinauf. Ab 2.600 Meter liegt durchgehend Schnee. Über mehrere Stationen erreichen die Soldaten mit der letzten Gondel, dem „Gletscher Bus 3“, von 2.660 Meter aus die Station „Gefrorene Wand“ auf 3.250 Meter.

Noch immer scheint die Sonne. Die Lehrgangsteilnehmer würdigen die herrliche Landschaft allerdings mit keinem Blick. Voll konzentriert auf ihren nächsten Prüfungsabschnitt haben sie zunächst 30 Minuten Zeit für das individuelle Einfahren. Nach jeder Abfahrt mit den Skiliften wieder hoch zur Bergstation als Ausgangspunkt für die nächste Fahrt in die Senke. Optimale Bedingungen. Das zeigt sich auch daran, dass sie umgeben sind von mehreren Ski-Nationalteams, die an gleicher Stelle trainieren.

Sicheres und kontrolliertes Kurvenfahren in paralleler Skistellung und verschieden großen Radien in unterschiedlich steilem, unverspurtem Gelände mit Rucksack und dienstlicher Skiausrüstung: So lautet die Aufgabe. In drei Gruppen eingeteilt, müssen die Soldaten auf jeweils drei verschiedenen Abfahrten ihr Können zeigen. Wechselnde Schneeverhältnisse und phasenweise diffuses Licht erschweren die Aufgabenstellung. Ständig begleitet werden sie von dem binationalen Ausbildungsteam, das ihre Leistungen bewertet.

Ein Soldat klettert im Klettergeschirr eine steile Eiswand hoch.

Gefährlicher Aufstieg

Foto: @Bundeswehr/Anton Brey

Mistwetter von jetzt auf gleich

12.30 Uhr: Die Schlechtwetterfront trifft ein. Zuerst Regen, dann Schnee und Nebel. Die Sichtweite sinkt schlagartig auf 20 Meter. Nicht nur alle Hobby-Skifahrer, auch die Nationalteams sind plötzlich verschwunden. Sie haben das Training abgebrochen und ins Tal verlegt. Nicht so der Lehrgang des Gebirgskampfzentrums. Aber aus Sicherheitsgründen entscheidet sich Major Egele, die beiden Elemente Klettern und Gehen im Eis in einer kombinierten Aufgabe zusammenzufassen. So will er Zeit sparen vor dem Eintreffen des Gewitters.

Sammelpunkt dafür ist der Fuß des 3.476 Meter hohen Olperer. In Gruppen zu fünf Soldaten marschieren sie hoch in Richtung Gipfel. Einer nach dem Anderen verschwindet im Nebel. Nach wenigen Schritten sind sie nicht mehr auszumachen. Am Einstieg des vereisten, teilweise auch noch mit Schnee bedeckten Grates angekommen, werden sie in die Aufgabe eingewiesen und müssen von da ab alleine den Aufstieg meistern. Sie haken sich in das Sicherungsseil ein, dürfen es als Hilfe aber nicht nutzen. 

Die besondere Schwierigkeit: Sie tragen immer noch die festen Skistiefel, und nun zusätzlich darunter die Steigeisen. Diese ermöglichen es den steilen Grat mit wechselnden Verhältnissen – blanker Fels, Eis, Schnee – zu bewältigen. Dafür benötigen die Teilnehmer Grundfertigkeiten beim Klettern mit Steigeisen, Feingefühl und technisches Können. Die mit der Schlechtwetterfront einhergehende Nässe und Kälte fordert die Lehrgangsteilnehmer dabei zusätzlich.

Ein Soldat mit einem Funkgerät im Schnee an einem Berghang.

Heeresbergfuehrer2

Foto: ©Bundeswehr/Thiel

Nach dem Fels dann „Gehen und Klettern im Eis“. Dabei müssen die Heeresbergführer-Anwärter die Grundfertigkeiten beim vertikalen Aufstieg und bei horizontalen Querungen mit der Frontal- und Vertikalzackentechnik zeigen. Nach rund 30 Minuten haben sie es geschafft und machen sich einzeln auf den Abstieg zum Sammelpunkt.

Am Abend, zurück in der Wallner-Kaserne in Saalfelden, bleibt erneut nicht viel Zeit, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Denn der nächste und zugleich letzte Prüfungsteil wartet mit unerbittlicher Härte auf sie: Der Kampf gegen die Uhr.