Mach, was wirklich zählt.

Ein Soldat klettert im Klettergeschirr eine steile Eiswand hoch.
Mehrere Soldaten bereiten sich und Ihre Ausrüstung für den Aufstieg am Berg vor.

Mehr als ein Job.

Foto: ©Bundeswehr/Anton Brey

Berglauf brutal

Die ganze Nacht über Regen. Um acht Uhr morgens tröpfelt es noch immer aus den tief am Berg hängenden Wolken. Die Wege sind aufgeweicht und glitschig. Alles Andere als gute Bedingungen. Und das gerade heute, wo die letzte knallharte Prüfung ansteht.

Die 34 Kandidaten für den zweiten binationalen Heeresbergführerlehrgang marschieren geschlossen zum Startpunkt des Konditionslaufes. Der liegt am Fuße des 2.347 Meter hohen Persailhorn, neben dem Skigymnasium Saalfelden, Österreichs Kaderschmiede für angehende Wintersportler in Disziplinen wie Ski Alpin oder Biathlon.

Bundeswehrsoldat läuft bergauf

Zwölf Kilo Gepäck und 700 Höhenmeter: Das ist nichts für Flachländler.

Foto: Bundeswehr / Thiel


Höchstleistungen müssen auch die Soldaten heute erbringen. Ihre Aufgabe: Eilmarsch ins Gebirge. Die exakt vermessene Strecke ist fünf Kilometer lang. Die besondere Schwierigkeit ist aber nicht die Distanz, sondern der brutale Aufstieg von 700 Höhenmetern. Das Ganze mit zwölf Kilogramm Gepäck. Und der gnadenlose Kampf gegen die Uhr.  erklärt Major Egele.

Das Gepäck wird erst im Ziel gewogen. Wer beispielsweise zu viel Getränke verbraucht und dadurch unter das Mindestgewicht kommt, ist ebenfalls durchgefallen. Um sich auf das genaue Gewicht einzustellen, konnten die Lehrgangsteilnehmer ihre Ausrüstung zu Beginn der Woche probehalber wiegen.

 

Unerbittlich läuft die Uhr  

Da der Weg teilweise sehr schmal wird, findet der Massenstart in zwei Gruppen mit fünf Minuten Abstand statt. Der Starter steht über Mobiltelefon mit dem Ziel in Verbindung, um so eine exakte Zeitmessung zu garantieren. Fast alle Läufer drücken die Stoppuhr an der eigenen Armbanduhr. Die ersten stürmen voran. Sie wollen vorne sein, wenn die Gruppe nach 50 Metern vom breiten Forstweg nach rechts in einen engen Wanderpfad abbiegen muss. Dort ist das Überholen schwierig.

Von nun an nur noch bergauf. Ohne Pause. Das steilste Stück kurz vor dem Ziel am Kienalkopf, unterhalb der Peter Wiechenthaler Hütte auf1.752 Metern. Dann noch über eine dreistufige, mit Fähnchen geschmückte Treppe, und es ist geschafft. Schnellster – mit 43 Minuten und 26 Sekunden – ist Oberleutnant Peter Lamprecht vom Jägerbataillon 26 aus Spittal an der Drau.
Erschöpft sinken die Läufer zu Boden, ringen nach Luft. Weiter zur Waage. Zwölf Kilogramm müssen es mindestens sein. Etliche haben vorsichtshalber sogar einige Kilo mehr im Rucksack.  lautet ihr Kommentar. Deswegen die gesamte Prüfung nicht zu bestehen, wäre bitter. Bitter wird es für einige Andere: Als der Zeiger der Uhr auf eine Stunde springt, sind noch längst nicht alle im Ziel. Wer jetzt kommt, weis genau, was das bedeutet.


Bundeswehrsoldat pberwuert Hindernis am Berg

Letzte Anstrengung: Das Ziel ist erreicht.

Foto: Bundeswehr / Thiel

 

30 dürfen weitermachen

Zurück in der Kaserne tagt hinter verschlossenen Türen die Kommission. Major Egele und sein Ausbildungsteam fassen ihre Erkenntnisse zusammen und fällen die Entscheidung, wer weiter dabei ist und wer nicht. Um 14.30 Uhr beginnt dann einzeln die Eröffnung. Am Ende wissen 30 Soldaten, dass sie die Überprüfungswoche mit einem positiven Resultat absolviert haben. Sie sind damit vom „Kandidaten“ zum echten „Lehrgangsteilnehmer“ geworden.

 sagt Major Egele. Die richtigen Herausforderungen beginnen erst jetzt. Der Sommerteil startet mit den Ausbildungsabschnitten „Fels Basis“ in Saalfelden und „Fels Alpin“ im Wilden Kaiser. Die Felsprüfung wird in den Dolomiten sein. Danach geht es wieder ins Eis, unter anderem nach Chamonix.

Der Winterteil beginnt im Januar 2017 und endet Ostern. Im Mai soll dann die offizielle Ernennung zum Heeresbergführer erfolgen. Wer diese harten elf Ausbildungsmonate mit ihren einzigartigen Herausforderungen besteht, darf zu Recht dann das jeweilige nationale Abzeichen des Heeresbergführers an seiner Brust tragen. Er kann stolz darauf sein.