Mach, was wirklich zählt.

Das IT-Camp kam bei den jungen Teilnehmern sehr gut an.
Initiator Hauptmann Martin Heusler freut sich über die rege Beteiligung am IT-Camp.

Initiator Hauptmann Martin Heusler freut sich über die rege Beteiligung am IT-Camp.

Foto: © Bundeswehr / Franka Bruns

IT-Camp: LAN-Party statt Lagerfeuer

LAN-Party und Bundeswehr: Das passt auf den ersten Blick so gut zusammen wie Erdbeeren und Essiggurken. Doch im brandenburgischen Storkow gab es am 4. April 2016 die ungewöhnliche Zusammenführung.

Während bei anderen Bundeswehr-Camps im Wald biwakiert wird, surrten beim IT-Camp Laptops statt Stechmücken. „Hier gibt es keine Lagerfeuerromantik“, scherzt Initiator Hauptmann Martin Heusler.

Heusler hatte eine gute Idee: Jungen, technikaffinen Menschen zeigen, was man als IT-Fachmann von morgen bei der Bundeswehr machen kann.

Das kommt an. Drei Tage lang sitzen 18 junge Männer im Alter zwischen 16 und 25 beim Führungsunterstützungsbataillon 381 in Storkow (Mark) an den Rechnern. Aber natürlich nicht durchgängig. Es geht nicht nur um Hard -und Software, sondern auch um das Soldatenleben. Um 7.30 Uhr wird aufgestanden, isst gemeinsam in der Truppenküche, anschließend berichten IT-Spezialisten von ihrer Einsatzerfahrung.


Qualität testen mit LAN-Party

„Was die Jungs hier machen, zum Beispiel ein IP-Adresskonzept erstellen und die Verkabelung selbst ziehen, das machen die Soldaten in ihrem Job genauso“, verdeutlicht Heusler. Mit Unterstützung der Profis errichten die Teilnehmer erst zwei separate Netzwerke, die dann miteinander verbunden werden.

Das Highlight des Camps: Das so entstandene Netzwerk wird im Stil einer LAN-Party von den Teilnehmern auf seine Funktionstüchtigkeit getestet, indem sie in zwei Teams gegeneinander antreten. Dafür spielen sie auf den bundeswehreigenen Laptops das Strategiespiel „Command & Conquer – Generäle“ und das Rennspiel „TrackMania Nations“.

 Im IT-Camp werden die Themen Hard- und Software sowie das Soldatenleben behandelt.

Im IT-Camp werden die Themen Hard- und Software sowie das Soldatenleben behandelt.

Foto: © Bundeswehr / Franka Bruns


Nachdem ein Netzwerk eingerichtet wurde, müssen wir überprüfen, ob die Verbindung steht und einen Qualitätstest machen. Aber normalerweise zocken Soldaten natürlich nicht, um das Netzwerk zu testen“, erklärt Heusler mit einem Augenzwinkern. 

Um die IT-Sicherheit zu gewährleisten, ist das Netzwerk weder mit dem Bundeswehr-Netz noch mit dem Internet verbunden. Die Rechner, an denen die Jungs arbeiten, stehen sonst für die Ausbildung zum IT-Spezialisten zur Verfügung. Deren Können ist vergleichbar mit dem der zivilen IT-Branche. „Die Zertifikate aus unseren IT-Lehrgängen werden auch in der freien Wirtschaft anerkannt“, bekräftigt Heusler.


Aus ganz Deutschland angereist

Obwohl das Camp vorrangig in den Regionen Berlin, Cottbus und Frankfurt (Oder) beworben wurde, sind die IT-Begeisterten aus ganz Deutschland angereist – von Brandenburg bis Baden-Württemberg. So hat Felix Hüls aus Tübingen über eine Online-Community vom Camp erfahren. Bisher hat sich der 24-jährige Freelancer vor allem mit Webdesign beschäftigt, er bringt also schon einige IT-Grundlagen mit. Nun möchte er „mehr Abwechslung“ in sein Leben bringen und alle Berufsmöglichkeiten austesten: „Dafür lohnt es sich, den weiten Weg auf sich zu nehmen“, erklärt er.

Am Nachbar-Laptop sitzt der 19-jährige Dominik Hackfort aus Dallgow-Döberitz in Brandenburg, den Kabelgewirr und viele PCs nicht abschrecken: „Ich selbst habe zuhause mehrere Bildschirme stehen – da bin ich es gewohnt, den Überblick nicht zu verlieren.“ Er möchte Freiwilligen Wehrdienst leisten, die positiven Erfahrungen im IT-Camp haben ihn in seiner Entscheidung bestätigt.

Linus Pfoch aus dem gegnerischen Team macht in eineinhalb Wochen Abitur. Beim IT-Camp ist er trotzdem dabei. „Für nur zwei Tage LAN-Party wäre ich nicht gekommen. Mich interessiert, was man genau als IT-Spezialist bei der Bundeswehr macht, das finde ich spannend. Nach dem Abi geht es schließlich weiter.“ Und praktische Erfahrung nimmt er auch gleich mit: „Wie man ein Netzwerkkabel repariert, kann man schließlich auch daheim anwenden.“

Zum Abschluss erhalten die Teilnehmer als Erinnerung eine Urkunde und nehmen allerlei Erfahrung mit. Aufgrund der durchweg positiven Resonanz der jungen Teilnehmer und des großen Interesses für die Fachtätigkeit IT in der Bundeswehr beabsichtigt das Führungsunterstützungsbataillon 381 auch im Jahr 2017 die Durchführung eines IT-Camps.