Mach, was wirklich zählt.

Vier Soldaten richten eine Antenne auf dem Fahrzeugdach aus, um eine Verbindung zum Satelliten herzustellen.
Zwei Soldaten bauen den Sprechfunk auf, der mit einem Satelliten verknüpft ist.

Der Sprechfunk via Satellit ist in kürzester Zeit aufgebaut und weltweit nutzbar.

Foto: © Bundeswehr / Hoffmann

Männer mit Verbindungen

Die Führung von Streitkräften ist ohne Fernmeldeverbindungen kaum denkbar. Damit die Kommunikation zwischen allen Führungsebenen reibungslos funktioniert, braucht es qualifiziertes Personal: IT-Feldwebel, die auf die Einrichtung, den Betrieb und die Bedienung von Führungsunterstützungssystemen spezialisiert sind.

Im Train, Advise and Assist Command North (TAAC North) im Norden Afghanistans sind dies unter anderem Hauptfeldwebel Sascha Z. und seine Kameraden aus Kastellaun. Hauptfeldwebel Sascha Z. ist der Netzwerk-Administrator.

Wenn sie untereinander über ihr Fachgebiet sprechen, versteht der durchschnittliche Computer-Nutzer nicht mehr viel: „Micro PoP“, „Tunnel“, „BGAN“, „RBM“, unbekannte Abkürzungen und Fachtermini. Ihnen zuzuhören, verrät: Diese Soldaten sind Spezialisten.

Wer das Team um Hauptfeldwebel Z. im Camp Marmal in Masar-e Scharif besuchen will, muss einen gesondert gesicherten Bereich betreten. Ist man bis dorthin vorgedrungen, fällt einem die Werbung eines bekannten Computerfachmarkts ins Auge. Die Werbeslogans spiegeln hier augenzwinkernd ihr Selbstverständnis und fachliche Können in der Informationstechnik wider: Wenn sie sagen, „geht nicht, gibt’s nicht“, oder dass Technik „so muss“, zeigen sie damit ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Problemlösungen.


Hoher Bedarf, gute Chancen

Eine so stark spezialisierte Fachrichtung bei der Bundeswehr erfordert eine gute und intensive Ausbildung. Sascha Z. erzählt: „Wir sind IT-Systemelektroniker, IT-Kaufleute, Fachinformatiker oder haben vergleichbare Berufe.“ Die Führungsunterstützer, die im 4. Deutschen Einsatzkontingent Resolute Support ihren Dienst leisten, haben ihre Karriere bei der Bundeswehr auf unterschiedliche Weise begonnen: Einige hatten bereits vorher ihren Beruf gelernt und wurden in die Laufbahn der Feldwebel des Fachdienstes übernommen. Andere haben im Rahmen einer zivilen Aus- und Weiterbildungsmaßnahme (ZAW) während ihrer Dienstzeit ihre berufliche Qualifikation erworben.

Gemeinsamer Startpunkt ist die berufliche Qualifikation auf Gesellenebene. „Die Ausbildung auf Meisterstufe wird im Laufe der Dienstzeit als Feldwebel durch Lehrgänge hinzugewonnen“, ergänzt Hauptfeldwebel Z. „Das beinhaltet natürlich auch die Erfahrung, die man im Laufe der Zeit in der Tätigkeit sammelt.“

Der Bedarf an IT-Personal in der Bundeswehr ist in einer zunehmend vernetzten, digitalen Welt sehr groß. Entsprechend groß sind die Chancen, als Soldat auf Zeit später auch in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten übernommen zu werden, der bis zu seiner Pensionierung in den Streitkräften dient.


Der Einsatz ist auch Fortbildung

Auch in der Bundeswehr erfordert die berufliche Tätigkeit in der IT-Technik die ständige Bereitschaft, sich neue Kenntnisse anzueignen. „Neben den im Heimatdienstbetrieb üblichen Systemen, die man gewohnt ist, trifft man im Einsatz auf viele internationale und NATO-spezifische Systeme, die für die Führung von multinationalen Operationen benötigt werden. Das trifft vor allem auf die Informations- und Kommunikationssysteme zu“, berichtet Hauptfeldwebel Z. und lacht: „Das bedeutet, dass ein Auslandseinsatz auch eine Fortbildung ist.“

Seine Kameraden pflichten ihm bei. Sie erleben die multinationale Zusammenarbeit mit den Soldaten anderer Nationen im TAAC North ebenfalls als eine Bereicherung: „Wir arbeiten hier mit Holländern, Kroaten, Amerikanern, Belgiern und Montenegrinern Hand in Hand.“


Nichts für Stubenhocker


Ein Bundeswehr-Feldlager mit einer großen Satellitenschüssel und einem geschützten Fahrzeug in Nordafghanistan.

Bundeswehr-Feldlager in Nordafghanistan

Foto: © picture alliance/dpa / Dan Merey

Die Bundeswehr als Armee im Einsatz benötigt nicht nur in Deutschland IT-Spezialisten, sondern eben auch in den Einsätzen. „Unsere Aufgabe hier in Afghanistan ist es unter anderem, schnell verlegbare Informations- und Kommunikationssysteme zur Verfügung zu stellen. Sie werden in mobilen Befehlstellen benötigt“, erklärt Hauptfeldwebel Z. „Dazu gehört für uns, neben der eigentlichen Arbeit mit der Hard- und Software vor Ort, auch die Erkundung eines möglichen Platzes für einen mobilen Befehlsstand.“

Nach der Erkundung, die eine allgemeine militärische Aufgabe ist, beginnt die eigentliche Arbeit: In einem Zelt wird die Informationstechnik – vom Computer bis zum Telefon - aufgebaut und in Betrieb genommen.

Sascha Z. und sein Team aus Kastellaun haben bereits mehrfach an Resolute Support (RS) und bis Ende 2014 auch an ISAF-Einsätzen teilgenommen. Für sie kann das bedeuten, nicht nur einmal aus dem Camp heraus zu kommen, sondern auch über längere Zeit unter einfachsten Bedingungen „draußen“ zu leben und zu arbeiten.


Vier Soldaten richten eine Antenne auf dem Fahrzeugdach aus, um eine Verbindung zum Satelliten herzustellen.

IT-Experten stellen eine Verbindung zum Satelliten her.

Foto: © Bundeswehr / Hoffmann

„Unsere Tätigkeit hier ist nicht nur ‚gelb‘ (Waffenfarbe der Führungsunterstützungstruppe), sondern auch ‚grün‘ (Waffenfarbe der Infanterie)“, betont der 31-Jährige. Einerseits nehmen sie infanteristische Aufgaben wahr, indem sie den Platz des Befehlsstandes erkunden und auch sichern, andererseits arbeiten sie auf dem Befehlsstand in ihrer Funktion als IT-Spezialist.


Erlebnisse schweißen zusammen

Diese verschworene Gemeinschaft hat dabei schon viel erlebt. „Ein unschönes Erlebnis war sicherlich, als bei einem Erkundungsflug zwischen Kundus und Masar-e Scharif unser Hubschrauber beschossen wurde“, erzählt Hauptfeldwebel Z. „Aber: Im Gelände unterfreiem Himmel zu leben und zu arbeiten, das schafft Erlebnisse, die schweißen zusammen und bleiben in Erinnerung.“ Seine Kameraden nicken zustimmend.

Eines der vielen Telefone klingelt, Hauptfeldwebel Z. geht ran: „Ja, verstanden, ich mach‘ ein Ticket auf“, spricht er in den Hörer. Er bestätigt so dem Anrufer in der Sprache eines Informationstechnikers, dass er einen digitalen Arbeitsauftrag an sein Team übermitteln wird. „Die Betreuung der Netzwerksysteme hier im Normalbetrieb des Camps ist natürlich auch eine unserer Aufgaben“, ruft er und widmet sich wieder seiner Arbeit.


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