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Mach, was wirklich zählt.

Auf Metallfußboden ist der Schriftzug Keine Angst vor Dunkelheit gezeichnet
EinSoldat sitzt vor einem Monitor und einem Schaltpult

Der Schiffstechnische Leitstand ist rund um die Uhr besetzt

Foto: © Bundeswehr / Janine Pirrwitz

Keine Angst vor Dunkelheit

Der Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ ist mit einer schwimmenden Kleinstadt vergleichbar. Für die knapp 200 Besatzungsmitglieder gibt es unter anderem einen Sportraum, eine Friseurstube und einen Kiosk. Sogar eine Sauna existiert an Bord. Doch nichts geht ohne Strom. Der Elektronik- und der Elektrotechnikmeister des Schiffes erklären ihre Aufgaben sowie den Unterschied zwischen beiden Fachrichtungen.

Wenn man die Werkstatt von Oberbootsmann Christopher W. betritt, liest man auf dem Boden: „Keine Angst vor Dunkelheit“. Dieser Spruch steht sinnbildlich für den Aufgabenbereich des 26-Jährigen. Er ist der Elektrotechnikmeister (kurz: E-Meister) der „Frankfurt am Main“ und kümmert sich um die Stromerzeugung und die Beleuchtung des Einsatzgruppenversorgers. „Neben den E-Diesel-Generatoren ist mein Bereich noch für die Fahrstühle, die Kräne und für die Anlagen der Bordhubschrauber verantwortlich“, erklärt der gelernte Energie- und Gebäudetechniker.


Über Umwege zum Meistertitel

Eigentlich wollte er seine Meisterausbildung direkt nach der Lehre absolvieren und verließ daher seinen Lehrbetrieb. Über Umwege kam er schließlich zur Marine. „Entweder man liebt die Seefahrt oder man hasst sie. Bei mir hat sich schnell rausgestellt, dass mir das Arbeiten an Bord viel Freude bereitet“, sagt der E-Meister. „Die Tätigkeit an Bord ist viel abwechslungsreicher als in einem Betrieb, das Aufgabenspektrum ist einfach viel größer.“

EinSoldat mit Gehörschutz beugt sich prüfend über einen Motor

Prüfender Blick am E-Diesel -es ist noch alles an seinem Platz

Foto: © Bundeswehr / Janine Pirrwitz

Am E-Diesel-Generator angekommen, erklärt Christopher dessen Funktionsweise. Im Anschluss misst er die Ausgangsspannung an dem laut dröhnenden Stromerzeuger. Neben der Wartung und Pflege der Generatoren geht Christopher auch Seewache.

Im Schiffstechnischen Leitstand ist er dann zu finden: „Wir sind die Nummer gegen Kummer“, sagt er lächelnd. „Wenn irgendwo an Bord eine Störung auftritt, ruft man hier an und schon macht sich einer der Techniker auf den Weg, um das Problem zu lösen. Durch die 24-stündige Erreichbarkeit können wir garantieren, dass das Schiff im Einsatz auch immer hundertprozentig funktioniert. Es wäre auch gefährlich, wenn beispielsweise plötzlich auf dem ganzen Schiff das Licht ausfällt.“


Von Zahnrädern und Kissen

„Wo in unserem Tätigkeitsabzeichen ein Zahnrad im Anker ist, haben die Elektroniker ein Kissen“, neckt der E-Meister den Elektronikmeister. Das stimmt natürlich so nicht. „Spaß gehört eben dazu“, meint Oberbootsmann Sebastian K., der Elektronikmeister (kurz Elo-Meister). Die Elektroniker sind sogenannte Dauerwächter und müssen nachts nicht Wache gehen. Sie haben keine Bereitschaft, sondern werden geweckt, wenn etwas kaputt geht. Und müssen dann eben auch ran. „Dann scheinen unsere Anlagen wohl besser gewartet zu sein als Eure“, feixt der Elo-Meister zurück.

Ein Soldat beugt sich prüfend über einen Server

Ohne Kommunikation geht auch auf See nichts - Sebastian überprüft den Funkserver

Foto: © Bundeswehr / Janine Pirrwitz

Ohne Kommunikation geht auch auf See nichts – Sebastian überprüft den Funkserver. Soweit so gut – aber was macht nun der Elo-Meister an Bord? „Ganz einfach“, sagt Sebastian K., „wir kümmern uns um jegliche Kommunikations- und Navigationselektronik – von den Antennen, über die Bildschirme, bis zum Telefonhörer.“ Der gelernte Kommunikationstechniker ist 2007 erneut in die Bundeswehr eingestiegen und hat 2015 seine Meisterausbildung während der Dienstzeit absolviert. Er habe sich damals für den Beruf des Elektronikers entschieden, weil er schon immer gut in Physik war, ihm Löten viel Spaß bereite und er das Rumbasteln von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen habe.


Antennenputzen auf hoher See

Ein Soldat reinigt mit blauen Arbeitshandschuhen eine Antennenanlage

Nur suabere Antennenanlagen haben die nötige Reichweite

Foto: © Bundeswehr / Janine Pirrwitz

Funkgeräte, das Radar und alle Antennen gehören ebenfalls in den Verantwortungsbereich des Elo-Meisters auf der „Frankfurt am Main“. Heute steht das Antennenputzen auf dem Wartungsplan. „Während der Seefahrt sammelt sich neben Meersalz auch Ruß auf den Antennen und das stört natürlich ihre Sende- und Empfangsleistung“, erklärt Sebastian.

Mit gereinigten Kameras hat der Wachhabende Offizier auf der Brücke wieder den vollen Durchblick. Einer seiner Soldaten muss zusätzlich hoch hinaus, um die Kameras am vorderen RAS-Turm des Versorgers zu säubern. „Wir haben vorne, hinten und in der Mitte Kameras, weil der Brückenwachoffizier das 174 Meter lange Schiff nicht komplett überblicken kann. Mit den Kameras hat er es etwas leichter“, führt der Elo-Meister weiter aus.

Arbeitsroutine gibt es nicht

Auf die Frage, was besonders an seiner Tätigkeit an Bord ist, antwortet Sebastian: „Im Elektronikbereich haben wir sehr neue, aber auch sehr alte Technik. Das Problem an der modernen Technik ist, dass die Platinen sehr klein sind und ein Fehler nur noch schwer eingrenzbar ist und schließlich das ganze Teil ausgetauscht werden muss. Bei der älteren Technik kann er hin und wieder noch selber was machen.“

Ein Soldat drückt auf ein Bedienfeld an einem großen Schaltkasten mit vielen Druckknöpfen

Große Schaltschrönke für den E-Meister

Foto: © Bundeswehr / Janine Pirrwitz

Christopher, der E-Meister, ergänzt: „Arbeitsroutine gibt es bei uns einfach nicht.“ Es seien zwar oft ähnliche Fehler, aber es gibt immer unterschiedliche Ursachen. Man müsse stets konzentriert an die Fehlersuche herangehen.“ Zum Schluss betonen beide, dass sie die Seefahrt sehr schätzen, auch weil sie an Bord in ihren beruflichen Kenntnissen immer wieder neu gefordert werden. Und weil sie mit der Deutschen Marine Länder sehen, die man nicht unbedingt für den Urlaub bereisen würde.

Autor: Janine Pirrwitz