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Mach, was wirklich zählt.

Soldaten des Jägerbataillons 291 trainieren auf einem polnischen Truppenübungsplatz.
Ganz vorn dabei: Kompaniechef bei der Infanterie ist kein Schreibtischjob.

Ganz vorn dabei: Kompaniechef bei der Infanterie ist kein Schreibtischjob.

Foto: © Bundeswehr / Hecker

Kompaniechef bei der Jägertruppe

Hauptmann Sven S. ist der Kompaniechef der 2. Kompanie des Jägerbataillons 91 in Rotenburg (Wümme). Er ist der Disziplinar­vorgesetzte von knapp 160 Soldatinnen und Soldaten und trägt mit seinen 33 Jahren ein hohes Maß an Verantwortung. „Kompaniechef einer Jägerkompanie zu sein, ist für mich die beste Aufgabe, die ich als Offizier haben kann. Ich habe Verantwortung für 160 Menschen und bin trotzdem dicht an ihnen dran und mit ihnen draußen“ – so fasst der gebürtige Brandenburger knapp den Reiz seiner Tätigkeit zusammen.

Soldaten der Jägertruppe marschieren im Rahmen einer Übung mit Rucksack und Gewehr über eine Wiese.

Jägertruppe im Rahmen einer Vorführung des Jägerbataillons 1.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow


Auf die Infanterie abonniert

Nach dem Abitur trat S. als Offiziersanwärter in die Bundeswehr ein. Von Anfang an war für ihn klar, dass er zur Infanterie wollte und Menschen führen möchte. Nach der Grundausbildung und der Ausbildung zum Infanterieoffizier ging S. an die Bundeswehr-Universität nach Hamburg. Dort studierte er Pädagogik und Psychologie. Beides hilft ihm im Moment tagtäglich bei seiner Arbeit. Als Kompaniechef ist er der oberste Ausbilder seiner unterstellten Soldaten. Aber auch auf seinen vorherigen Posten, als Inspek­tionschef am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg und Zugführeroffizier in einer Jägerkom­panie, hat er sowohl auf seine militärische als auch auf die akademische Ausbildung zurückgreifen können.


Hochkomplexe Aufbau-Arbeit

Seine Kompanie ist noch sehr jung, und S. war von Anfang an dabei. Mitte 2015 wurde die Einheit offiziell in Dienst gestellt. Erst vor wenigen Wochen sind über 40 neue Soldaten hinzuversetzt worden. „Die Formung einer Infanteriekompanie ist hochkomplex. Zum einen stammen die Soldatinnen und Soldaten aus unterschiedlichen Truppengattungen, die mal mehr, mal weniger infanteristische Vorbildung haben. Auch verfügt jeder Einzelne über andere soldatische Erfahrungshorizonte. Manche sind erst ein paar Monate bei der Bundeswehr, manche schon Jahrzehnte“, erläutert der Hauptmann. „Meine Aufgabe ist, sie alle zusammen zu bringen und so auszubilden, dass sie ihren Auftrag erfüllen können.“

Soldaten der Jägertruppe durchkämmen im Morgengrauen ein Waldstück, hellwach mit allen Sinnen.

Soldaten der Jägertruppe durchkämmen ein Waldstück.

Foto: © Bundeswehr / Bildkatalog

Bei der Infanterie bedeutet das, in einem realen Gefecht kämpfen zu können, zu überleben und den Auftrag zu erfüllen. Es bedeutet, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit auf Übungsplätze zu gehen und immer weiter zu trainieren, fitter zu werden. Jäger müssen robust sein und auch unter schwierigen Wetterbedingungen und unter großen körperlichen Anstrengungen ihren Auftrag erfüllen.

„Meine größten Herausforderungen sind die heterogene Qualität des Personals, die begrenzte Zeit und die hohe Anzahl unterschiedlichen Materials. Gerade beim Material stehen wir gut da, aber es ist auch unendlich ausbildungsintensiv.“ Allein, um einen Kommandanten für den Boxer, das gepanzerte Trans­portfahrzeug der Jägertruppe, auszubilden, ist der betreffende Soldat bis zu sechs Monate nicht in der Kompanie. „Dann hat er eine Grundqualifikation, die noch nichts mit Erfahrung auf dem Fahrzeug zu tun hat“, betont Hauptmann S.


Kompaniechef ist ein Fulltime-Job

Ein wesentlicher Teil der Arbeit eines Kompaniechefs findet jedoch in seinem Dienstzimmer statt: Ausbildungsvorhaben planen, Beurteilungen schreiben und Personal und Material verwalten. Alles in allem kein 08/15-Job mit geregelten Arbeitszeiten. „Ich mache mir 24 Stunden am Tag Gedanken über meine Kompanie und die Ausbildung“, sagt der Offizier. Das muss er auch, denn ein wesentlicher Teil seiner Aufgabe besteht darin, seine Kompanieangehörigen immer wieder neu zu motivieren.

„Ich versuche, durch Vorbild zu führen. Denn am schönsten ist es für mich, mit den Soldaten zusammen draußen zu sein und die Härten der Aus­bildung mit ihnen zusammen zu bestehen“, erläutert S. seine Herangehensweise. „Wenn sie sehen, dass der Chef immer noch steht, habe ich die Hoffnung, dass ihre Motivation bleibt. Und dafür bin ich Soldat und Offizier in der Infanterie geworden.“


Militärischer Werdegang Hauptmann S.

  • 2003 Eintritt in die Bundeswehr als Offiziersanwärter
  • 2003 bis 2006 Ausbildung zum Offizier, Einsatz als Gruppenführer und Zugführer
  • 2006 bis 2009 Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg
  • Anfang 2009 Lehrgang Dschungelkampf in Französisch Guyana
  • 2010 bis 2012 Zugführer und Kompanie-Einsatzoffizier in Hammelburg
  • 2012 bis 2014 Hörsaalleiter am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg, Einsatz in Afghanistan
  • 2014 bis 2015 Chef der Schießinspektion am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg
  • 2015 Stabsoffizierslehrgang an Führungsakademie in Hamburg
  • seit Mai 2015 Chef der 2. Kompanie des Jägerbataillons 91 in Rotenburg (Wümme)

Autor: Ronald Rogge