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Mach, was wirklich zählt.

In einer Sporthalle trainieren viele Soldaten den Nahkampf.
Zwei Soldaten mit Schutzkleidung im Nahkampftraining.

Auch unter Kameraden wird sich nichts geschenkt.

Foto: © Bundeswehr / Nico Engler

Krav Maga bei der Division Schnelle Kräfte

Boxhandschuhe, schnelle Fäuste, Knie und Füße, waffenloser Nahkampf. Die Division Schnelle Kräfte (DSK) in Stadtallendorf nutzt Kampfsport zur militärischen Ausbildung und als Fitnesstraining.

Oberstleutnant Lars Lange, Personalstabsoffizier in der Division Schnelle Kräfte (DSK) und Leiter des Trainings, nimmt den Mundschutz heraus und wendet sich an die schwer atmende, verschwitzte Gruppe: „Immer nach vorne gehen! Warum? Weil wir hier nicht Punkte machen und uns dann zurückziehen, sondern lernen, den Gegner konsequent auszuschalten.“

Die ausgepumpten, aber nichtsdestotrotz hochmotivierten Teilnehmer nicken, holen noch mal tief Luft. Auf das erneute Signal der Rundenuhr nehmen die Zweiergruppen sofort wieder das Training auf. Nahkampfausbildung ist nicht nur von hohem militärischem Nutzen, sondern auch körperlich fordernder Dienstsport. Hauptfeldwebel Armin Taube*, auch zivil Kampfsportler, sieht das Nahkampftraining deshalb als wichtige Ergänzung: „Das ist wirksames militärisches Handwerkszeug und außerdem ein komplettes Ganzkörpertraining.“


Neues Nahkampfsystem auf der Basis von Krav Maga

„Wir haben hier ein ganz anderes Nahkampfsystem, als es traditionell im Einzelkämpferlehrgang unterrichtet wird“, erklärt Oberstleutnant Lange nach dem Training. Dort ginge es vornehmlich um Defensivtechniken und Befreiungstricks. Vor Jahren habe aber ein Umdenken an der damaligen Infanterieschule stattgefunden, und man habe verstanden, dass es in modernen Einsatzszenarien, vor allem beim Kampf im urbanen Umfeld, unerlässlich ist, den Soldaten Techniken und Können an die Hand zu geben, mit dem sie Gegner im laufenden Gefecht auch waffenlos wirksam bekämpfen können. „Wenn die Waffe ausfällt, wenn es räumlich sehr eng ist, oder der Angriff überraschend kommt – dann muss das sitzen“, macht Lange deutlich.

Pratzentraining von zwei Bundeswehrsoldaten in der Trainingshalle

Konzentration auf das Techniktraining

Foto: © Bundeswehr / Nico Engler

Lars Lange ist selbst Dan-Träger, seit vielen Jahren aktiver Kickboxer und gibt nach Dienst Selbstverteidigungskurse für jedermann. „Die Kurse bleiben mit ihren Techniken natürlich weit unterhalb der Schwelle, in der ein Angreifer ernsthaft verletzt oder gar getötet werden kann. Im militärischen Nahkampf müssen wir da weiter gehen. Das ist letztlich der Sinn der Ausbildung.“

Der militärische Nahkampf neuer Art ist im Wesentlichen auf Krav Maga aufgebaut, dem sehr effektiven System der israelischen Streitkräfte. Er bedient sich aber auch anderer Kampfsportarten. „Im Krav Maga kommen Bodentechniken zu kurz, da stützt sich unser System unter anderem auf Jiu-Jitsu und Judo.“ Ein sportlich aktiver Soldat könne all diese Techniken ohne Vorkenntnisse relativ einfach erlernen. Alles was es dazu brauche, seien Durchhaltewille und Engagement.


Hundert Prozent Einsatz

Die neun bis zwölf Soldatinnen und Soldaten, die regelmäßig am Training teilnehmen, ließen es an beidem nicht fehlen, so Oberstleutnant Lange. Zwar erkenne man durchaus, ob einer der Teilnehmer schon mit Kampfsporterfahrung in das Training gestartet ist, aber man sehe ebenso, wie schnell sich – auch innerhalb einer Trainingseinheit – die Neulinge steigerten.

Zwei Soldaten üben die Abwehr von Tritten.

Voller Einsatz im Freikampf

Foto: © Bundeswehr / Nico Engler

Nach allgemeinem Aufwärmen, spezifischem Schlag- und Tritttraining à la Schattenboxen, Fallübungen und Technikschulung im Partnertraining beginnt der freie Kampf. Fünf Runden zu je zwei Minuten, dazwischen eine Minute Pause, in der der Partner gewechselt wird. „Natürlich alles mit nur dreißig Prozent Kraft, es soll ja niemand hier verletzt werden. Aber mit hundert Prozent Geschwindigkeit und Einsatz“, macht Lange klar.

Und hier zeigt sich, dass auch Anfänger gut mit Erfahrenen mithalten können, wenn sie sich wirklich einbringen. Von Runde zu Runde wird die Erschöpfung größer, aber auch das Selbstvertrauen und der Mut. Die Kampfrunden werden intensiver, bleiben aber immer sportlich und kameradschaftlich fair. Das und die gute Schutzausstattung sorgen dafür, dass das Nahkampftraining zwar fordernd und realitätsnah ist, aber äußerst verletzungsarm. „Fußball unter Soldaten ist da viel riskanter“, lacht Oberst Andreas Schmand, der selbst seit Jahrzehnten Taekwondo betreibt.


Boost fürs Selbstvertrauen

Boost fürs Selbstvertrauen Hauptfeldwebel Carla Kunzemann, eine von zwei Soldatinnen, die regelmäßig teilnehmen, ist begeistert. „Ich kann mich hier nicht nur auf hohem Niveau fit halten, das Training fordert auch den Kopf, und ich gewinne ein großes Maß an Sicherheit für brenzlige Situationen im Einsatz, aber auch im privaten Leben.“

Militärische Hochwertausbildung, fordernder Dienstsport und ein Boost (Schub) für das Selbstvertrauen in kritischen Situationen – Nahkampftraining ist all das in einem.

Robert Harting jubelt im Stadion, darüber steht die Überschrift "Wir kämpfen für die Freiheit und um Medaillen."

Spitzensport bei der Bundeswehr

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