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Mach, was wirklich zählt.

Symbolbild
Profilbild des Soldaten Andre Landwehr

Oberleutnant Andre Landwehr

Foto: © Bundeswehr / Daniel Heinen

Luftlageoffizier – „Der Feuerwehrmann“ im CRC

„TP full manning, Emergency in the system“. Nur wenige Augenblicke vergehen bis die Türen im Gefechtsführungsraum des Control and Reporting Centers (CRC) Erndtebrück auffliegen. Das Personal besetzt sofort alle Arbeitspositionen der Abteilung Luftlage. Der Grund: Ein Flugzeug hat „Emergency“, also einen Luftnotfall, deklariert. Für Oberleutnant Andre Landwehr ist das ein ganz normaler Tag. Er arbeitet seit drei Jahren als Luftlageoffizier und Crew-Führer im CRC, dem Gefechtsstand in Erndtebrück.


 

Das Flugzeug-Symbol des Luftnotfalls erscheint auf allen Bildschirmen des CRC mit einem deutlichen roten Kringel. Schnelles Handeln ist gefragt. Die Soldaten telefonieren mit der Deutschen Flugsicherung und versuchen, schnellstmöglich Informationen über die Art des Notfalls und die Absichten der Piloten zu erfahren. Währenddessen sorgt der Track Production Supervisor (TPS), ein Soldat des Luftlageoffiziers, dafür, dass der Datenaustausch zu den benachbarten CRC und der vorgesetzten NATO-Dienststelle reibungslos funktioniert. Jede an der Luftraumüberwachung beteiligte Dienststelle muss von dem Luftnotfall informiert werden.

 

Mehrere Soldaten arbeiten an ihren Schreibtischen

Bei der Arbeit

Foto: @ Bundeswehr / Andreas Haßler

Stets Herr der Lage

Oberleutnant Andre Landwehr, ist der zuständige Luftlageoffizier (engl. Track Production Officer – TPO). Er muss in allen Situationen den Überblick über die Tätigkeiten seiner Crew, also seinen unterstellten Soldaten, behalten. Rasch gibt er einige Kommandos, bereitet seine eigene Arbeitsposition speziell auf den Luftnotfall vor und überprüft die bisherigen Maßnahmen. Bereits nach wenigen Minuten gibt ihm sein zuständiger Soldat für die Identifikation der Flugzeuge Entwarnung: Der Pilot der Zivilmaschine konnte das Problem lösen, militärische Unterstützung wird nicht benötigt. Während die meisten Soldaten aufatmen können, ist für Oberleutnant Landwehr der Luftnotfall noch nicht abgeschlossen. Die NATO hat einen detaillierten Bericht über den Zwischenfall gefordert. Der muss nun umgehend erstellt werden.

Was zunächst nach einer Ausnahmesituation klingt, ist für die Soldatinnen und Soldaten des CRC Erndtebrück Alltag. „Luftnotfälle, aber auch andere besondere Ereignisse in unserem Zuständigkeitsbereich kommen gelegentlich vor und werden zudem regelmäßig geübt“, sagt Oberleutnant Landwehr. Wenn er von „Zuständigkeitsbereich“ spricht, meint er damit den Luftraum über Deutschland, für den das CRC Erndtebrück verantwortlich ist und den es überwacht. Dies ist je nach Befehlslage meistens die nördliche oder südliche Hälfte der Bundesrepublik Deutschland. An einigen Tagen im Jahr ist das CRC Erndtebrück auch für den gesamten deutschen Luftraum zuständig.

 

Der Auftrag: Kontinuierliche Luftraumüberwachung

Oberleutnant Landwehr und sein Team arbeiten im Schichtbetrieb, denn die Luftraumüberwachung ist eine Dauereinsatzaufgabe: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Insgesamt gibt es vier sogenannte Luftlagecrews, die sich im Schichtbetrieb untereinander abwechseln. Zusätzlich ist auch immer Personal der Waffeneinsatzcrew im Dienst. Diese Abteilung ist für die Führung von Kampfflugzeugen verantwortlich. Sie unterstützen aber auch die täglichen Übungen der Geschwader der Luftwaffe und der Flugabwehrraketentruppe.

Ein ganz normaler Tag

Eine gewöhnliche Schicht beginnt mit der Übernahme aller Arbeitspositionen von der Vorgängercrew. Bei den Übergabegesprächen werden nicht nur die Besonderheiten der aktuellen Situation im Luftraum besprochen, sondern auch anstehende Wartungen, Systemeinschränkungen oder geplante Übungen.

Drei Soldaten arbeiten an der Lagekonsole

An der Konsole

Foto: Bundeswehr / Daniel Heinen


Nach der Schichtübergabe beginnt für Oberleutnant Landwehr die eigentliche Arbeit. Als Luftlageoffizier ist er dafür verantwortlich, dass alleFlugziele, welche von den zahlreichen militärischen und zivilen Radargeräten aufgefasst werden, in ein Luftlagebild überführt werden. Das bedeutet, dass alle Flugobjekte im Zuständigkeitsbereich des CRC lückenlos erfasst, fehlerfrei ins System überführt und identifiziert werden müssen.

Das so ständig aktualisierte Luftlagebild wird in Echtzeit an die Nachbar-CRC der Nachbarstaaten von Deutschland und an die vorgesetzte NATO-Dienststelle weitergeleitet. Doch nicht nur hier ist das Luftlagebild die Grundlage für weitere Entscheidungen: „Auch die Waffeneinsatzsektion ist auf unsereArbeit angewiesen. Wenn das Luftlagebild nicht einwandfrei ist und alle Systeme wie geplant laufen, kann es in diesemBereich schnell zu Beeinträchtigungen kommen“, kommentiert Oberleutnant Landwehr.

Ein echtes Multitalent

Der TPO ist aufgrund seiner Aufgaben Ansprechpartner für seine Crew als auch für seinen direkten Vorgesetzten,den Master Controller. Diesen muss er stets auf dem Laufenden halten. „Man ist nicht nur Luftlageoffizier, sondern auch ein zentraler Ansprechpartner im CRC und eine Art Feuerwehrmann, der immer dort zum Einsatz kommt, wo es gerade brennt“, erklärte Andre Landwehr als er mit dem Bericht über den Luftnotfall fertig geworden ist.

Zeit um sich wieder voll und ganz dem Luftlagebild zu widmen, dargestellt auf dem großen Bildschirm vor ihm. Doch schon wieder erkennt der junge Offizier eine „Baustelle“. Da sich das Wetter im Osten des Zuständigkeitsbereichs verschlechtert hat, müssen die Einstellungen einiger Radargeräte angepasst werden, damit sie auch weiterhin Daten in einwandfreier Qualität liefern. Oberleutnant Landwehr erteilt seinem Sensor Coordinator, ein weiterer Spezialisten der Crew, kurz einige Anweisungen und wechselt dann selbst an die Radarkonsolen, um dem Oberfeldwebel bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen.

Anspruchsvolle und gründliche Ausbildung

Während man in die Aufgaben des Crewführers vom Vorgänger und dem Crewfeldwebel eingearbeitet wird, werden die notwendigen Qualifikationen für den Dienst als TPO auf dem Lehrgang „Einsatzführungsoffizier Luftlage“ vermittelt, der aktuell 95 Ausbildungstage umfasst. Für Andre Landwehr waren die Wege vom CRC und seiner Stammeinheit kurz, da die Lehrgänge von der Einsatzführungsausbildungsinspektion 23 durchgeführt werden. Diese befindet sich auch in Erndtebrück, dem „Mutterhaus des Einsatzführungsdienstes“, nur einige Schritte vom CRC entfernt. Zudem kannte er die Ausbildungsinspektion bereits, da 

Ein Soldat mit einem Headseat sitzt vor einer Luftlagekonsole

An der Konsole

Foto: Bundeswehr / Daniel Heinen

die Grundlage für dieLuftlagelizenz einebereits erfolgreich abgeschlossene Grundlagen-Ausbildung ist, die ebenfalls in Erndtebrück durchlaufen wird.


Der Lehrgang war eine anspruchsvolle, aber auch hochinteressante Erfahrung: „Das Wissen, das auf dem Luftlageoffizier-Lehrgang vermittelt wird, ist wirklich sehr umfangreich. Besonders reizvoll fand ich jedoch, dass man das Gelernte im Simulator und anschließend in der Live-Phase direkt im CRC praktisch anwenden konnte“.

Während man auf dem Lehrgang das Rüstzeug für die eigentliche Verwendung erhält, müssen einige andere Fähigkeiten bereits mitgebracht werden. Dazu zählen gute Sprachenkenntnisse, da die gesamte Koordination in den vernetzten CRC der NATO auf Englisch durchgeführt wird. Auch ein hohes Maß an Flexibilität, Multitasking-Fähigkeit und Stressresistenz ist gefordert, denn neben ständigen Neuerungen bei den Vorschriften und in der technischen Ausrüstung treten auch gelegentlich Situationen ein, die nicht geübt werden können. „Im Prinzip weiß ich bei der Schichtübernahme nie, ob es ein ruhiger oder hektischer Tag wird und welche Herausforderungen mich genau erwarten. Aber genau das macht den Job als Luftlageoffizier auch so spannend und einzigartig“, sagt Oberleutnant Andre Landwehr noch, bevor er wieder zum Telefon greift und sich seinen zahlreichen Aufgaben widmet.

Autor: Christian Hauck