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Mach, was wirklich zählt.

Vier Boardingsicherungssoldaten stehen nebeneinander auf einem Flgudeck.

Boardingsicherungssoldaten

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Serie: Marineinfanterie im Einsatz Teil 1 – Experten, keine „Rambos“

Die Marinesicherungssoldaten an Bord der Korvette „Braunschweig“ fallen auf. Sie sind nicht nur gut durchtrainiert und haben einen festen Blick, sie tragen auch im Gegensatz zur restlichen Besatzung stets die Flecktarnuniform. Früher wurden die Soldaten der Verwendungsreihe 76 manchmal eher abfällig als „Spatenpaulis“ bezeichnet. Doch das hat sich geändert – denn ohne die „76er“ geht es heute nicht mehr. Sie sind die Spezialisten und schützen zu Land und zur See. 

Ein Portepeeunteroffizier als Gruppenführer, drei Soldaten aus der Mannschaftslaufbahn – das ist das vierköpfige „Mobile Protection Element (MPE)“, das Absicherungselement der „Braunschweig“. Sie alle haben eine fundierte infanteristische Ausbildung hinter sich und sind bestens an Waffen und Geräten zur Durchführung von Sicherungsaufgaben ausgebildet. So sind sie zum Beispiel Sicherungssoldaten, Scharfschützen, Kraftfahrer oder Führer eines Motorboots.

Die Infanteristen der Marine

Ein Boardingsicherungssoldat schaut auf eine Küste.

Boardingsicherungssoldaten 2

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Das Seebataillon in Eckernförde ist ihre militärische Heimat. Dort werden die Marinesicherungssoldaten trainiert und auf die weltweiten Einsätze vorbereitet. „Unsere Hauptaufgabe ist es, zu Land und zur See zu schützen“, betont Bootsmann Volker H., der Gruppenführer. „Wir sind quasi die Infanterie der Marine und durchlaufen eine ähnliche Ausbildung wie die Infanteristen des Heeres“, erklärt einer seiner Sicherungssoldaten. Viel Zeit würden sie auf Truppenübungsplätzen verbringen und dabei in verschiedenen Lagen trainieren – Schüsse mit Handwaffen und Panzerabwehrwaffen der Infanterie inklusive. „Dazu gehören das Gewehr G36, die Maschinengewehre MG3 und MG4, die Maschinenpistole MP7 und die Panzerfaust 3. Das geht bis hin zu schweren Waffen, wie der Granatmaschinenwaffe und dem schweren Maschinengewehr“, ergänzt ein anderer Soldat des Teams. 


Auf keinen Fall seien sie „Rambos“ – sie erledigen ihre Arbeit stets mit Bedacht und Köpfchen. In Stresssituationen müssen sie Ruhe bewahren, dürfen den Überblick nicht verlieren. „Da ist unsere mentale Stärke unsere stärkste Waffe, dafür sind wir ausgebildet und spezialisiert. Wir funktionieren, wenn es ernst wird“, verdeutlicht der Gruppenführer.

Weltweit im Einsatz

Ein Soldat beobachtet durch ein Fernglas ein Sportboot das sich nähert.

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Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

In den Auslandseinsätzen ist immer ein solches MPE mit an Bord der Marineschiffe. Die Größe des Teams variiert je nach Schiffstyp und Auftrag. „Bei den Fregatten ist ein größeres Team, und zusätzlich meist noch ein Boardingteam mit an Bord“ erklärt Bootsmann H. Denn fährt ein Kriegsschiff im Einsatz zur See, ist es immer einer asymmetrischen Bedrohung ausgesetzt. So könnten zum Beispiel Angriffe mit Speedbooten oder Flugzeugen stattfinden. In solchen Szenarien sind die Marinesicherer unerlässlich. Inzwischen sind die „76er“ als Spezialisten weltweit im Einsatz. So findet man die Soldaten mit dem dunkelblauen Barrett nicht nur bei UNIFIL, sondern auch in anderen Missionen der Deutschen Marine. Ihre Arbeitsmontur an Bord besteht aus Schutzwesten der Klasse 4, Helmen, Schießbrillen und Waffen jeglicher Art und oftmals auch einer Schwimmweste.


Die „wachsamen Augen“ der Schiffe

Ein Soldat vor einem schweren Maschinengewehr.

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Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Sobald die Korvette in einen Hafen einläuft oder in Küstennähe operiert, sind die Marinesicherer gefragt. Zwei Soldaten positionieren sich als Wachposten am schweren Maschinengewehr am Heck des Schiffs. Ein weiterer ist oben in der Nock, dem offenen Teil gleich neben der Brücke. Als wachsame Augen suchen sie per Fernglas das umliegende Seegebiet ab. Alles wird per Funk an den Gruppenführer gemeldet.

Ein Soldat schaut durch ein Fernglas.

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Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

 „Auch wenn wir unmittelbar an den Waffen stehen, verhalten wir uns deeskalierend, da wir nicht provozieren wollen. Sollte uns aber ein Boot oder ein Flugzeug zu nahe kommen, werden wir uns entsprechend einer festgelegten Eskalationsstufe durchsetzen“, erklärt einer der Sicherungssoldaten, bevor er wieder durch das Fernglas schaut. 


Der Führer des Sicherungsteams ist dabei stets auf der Brücke, in unmittelbarer Nähe des Kommandanten. „Ich bin sein Berater. Kommt es zu einer brenzligen Situation, stimme ich mich mit ihm ab und empfehle, wie wir vorgehen und welche Stellungen meine Soldaten für eine Abwehrmaßnahme beziehen sollen“, betont der Bootsmann.

Schießausbildung auf See

Mehrere Soldaten beim Schießtraining auf dem Flugdeck

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Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Weiterhin leisten sie als Spezialisten auch Zusatzdienste. „So haben wir erst kürzlich ein Schießen auf dem Flugdeck der „Braunschweig“ durchgeführt. Dabei war ich für den Ablauf und die Sicherheit verantwortlich“, erzählt Volker H. weiter. Jeder Soldat muss einmal jährlich militärischen Grundfertigkeiten und seine körperliche Leistungsfähigkeit nachweisen. Da gehört das Schießen dazu. Fährt ein Schiff zur See, ist nicht mal eben eine Schießbahn um die Ecke. So muss der Kommandant improvisieren.


Kurzerhand wird das Flugdeck zur Schießbahn. Die Reling wird abgeklappt und die Zielscheiben werden an einer „Wäscheleine“ befestigt. Am Ende kann der Bootsmann den Marinesoldaten der Besatzung Bravo die Schießleistungen bescheinigen. „Wir haben natürlich auch die Gelegenheit genutzt, und selbst an der Waffe weitergebildet. Das sei wichtig. Denn wer rastet, der rostet“, sagt der Gruppenführer zum Schluss.

Autor: Sascha Jonack