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Mach, was wirklich zählt.

Ein Soldat Blickt auf das Meer hinaus. Im Hintergrund ist ein Schiff der Marine
Der Eingang des Checkpoints mit S-Draht und Schleuse

Serie Marineinfanterie im Einsatz Teil 2 - 1

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Serie: Marineinfanterie im Einsatz Teil 2 – Sicherheit fürs Camp

Das „Camp Castle“ im Hafen vom Limassol auf Zypern ähnelt einer kleinen Festung. Dutzende Container und Zelte stehen hier dicht an dicht – dies ist der „Heimatstützpunkt“ für das deutsche Einsatzkontingent UNIFIL. Die Soldaten des „Harbor Protection Element“ (HPE) schützen das „Castle und gewährleisten, dass nur berechtigte Personen ins Lager gelangen. Doch die Eckernförder „Seesoldaten“ können noch viel mehr.


Das „Camp Castle“ im Hafen vom Limassol auf Zypern ähnelt einer kleinen Festung. Dutzende Container und Zelte stehen hier dicht an dicht – dies ist der „Heimatstützpunkt“ für das deutsche Einsatzkontingent UNIFIL. Die Soldaten des „Harbor Protection Element“ (HPE) schützen das „Castle und gewährleisten, dass nur berechtigte Personen ins Lager gelangen. Doch die Eckernförder „Seesoldaten“ können noch viel mehr.
Rund um den militärischen Bereich stehen bunt gemischt Seecontainer mit Stacheldrahtrollen auf den Dächern. Ein Schild mit der Aufschrift „UN Military Check Point. Langsam fahren“ steht an der Einfahrt. Am Checkpoint weisen ein großes Stoppschild und die rot-weiße Schranke deutlich darauf hin, dass hier nicht jeder reinkommt.

Von Beginn an dabei

Ein UN Soldat mit blauem Barrett vor einem Container

Serie Marineinfanterie im Einsatz Teil 2 - 2

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Seit mehr als zehn Jahren sind mittlerweile deutsche UNIFIL-Soldaten auf Zypern. Die deutschen Schiffe, die mit der Seeraumüberwachung vor der libanesischen Küste beauftragt sind, machen hier an der Pier fest, wenn sie ihre Überwachungsaufträge unterbrechen. Von Anfang an stellen die Marineinfanteristen aus Eckernförde auch die Wachsoldaten des „Camps Castle“.

„Wir sorgen dafür, dass keine ungebetenen Gäste rein kommen“, erklärt der Führer des Sicherungszugs, Oberleutnant zur See Holger S., kurz und knapp. Die Eckernförder Marineinfanteriekräfte sorgen weltweit für Sicherheit an Land und an Bord. Während sich „Mobile Protection Elements" an Bord von Schiffen oder Booten befinden, nehmen „Harbour Protection Elements" den Sicherungsauftrag in Häfen oder Einsatzcamps wahr. Aber auch Evakuierungsoperationen und Boardingeinsätze gehören zur Palette der spezialisierten Marinesoldaten.

Das ganze Jahr, rund um die Uhr

Die Schanke des Checkpoints mit Wachhäuschen

Serie Marineinfanterie im Einsatz Teil 2 - 3

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

An 365 Tagen im Jahr schützt das Team im Hafen von Limassol die Soldaten im UNIFIL-Einsatz und deren Camp. Dazu zählt auch die Abwehr von Sabotage, Spionage und Zersetzung. 

Am Checkpoint bewachen stets mehrere Marinesoldaten die Containerfestung. „Wir kontrollieren die Ausweise, überprüfen die Fahrzeuge und sorgen so für die notwendige Sicherheit“, erklärt einer der Soldaten. In besonders empfindlichen Bereichen des Areals sind Videokameras installiert. „Mit dem Überwachungssystem behalten wir alles im Blick und können jede Bewegung auf dem Bildschirm verfolgen. So sind wir in der Lage, schnell zu reagieren“, erläutert Oberleutnant zur See Holger S. weiter.

Ein Soldat spiegelt die Unterseite eines Fahrzeuges ab

Serie Marineinfanterie im Einsatz Teil 2 - 4

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack


Professionelle Sicherheit

Das Camp ist im Vergleich zu Feldlagern in anderen Einsätzen eher klein. Es erstreckt sich über eine Fläche von etwa 11.000 Quadratmetern. Neben der Zugangskontrolle bestreifen die Seesoldaten in regelmäßigen Abständen die empfindlichen Bereiche innerhalb der Anlage. „Dazu gehören unter anderem die Container mit der Munition oder den Funkeinrichtungen“, erklärt der Marineoffizier. 

Auch wenn die Sicherheitslage auf Zypern vergleichsweise stabil ist, kann sich die Lage jederzeit verschärfen. „Eine latente Bedrohung ist überall gegeben. Man darf nicht vergessen, dass wir Soldaten sind und einen militärischen Auftrag wahrnehmen. Der Hafen in Limassol ist einer der Abstützhäfen für unsere Marineschiffe. Er muss abgesichert sein“, stellt der Führer des Sicherungszugs klar.

Infanteristen der Marine

Die Seesoldaten gehören zu dem 2014 neu aufgestellten Seebataillon aus Eckernförde. Nicht ohne Grund wird der Verband als „Multitool“ oder Mehrzweckwerkzeug der Deutschen Marine bezeichnet. Marineinfanteristen leisten hier ihren Dienst an der Seite von Minentauchern, Aufklärern, Feldnachrichtensoldaten, Scharfschützen, Kraftfahrern, Technikern, Logistikern und Fernmeldespezialisten. „Wir alle durchlaufen eine vergleichbare Ausbildung wie die Kameraden des Heeres, aber mit der Spezialisierung auf das maritime Umfeld und Operationen in Küstennähe“, verdeutlicht Marineoffizier S.

Ein Gruppenfoto der Soldatenmannschaft

Serie Marineinfanterie im Einsatz Teil 2 - 5

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Die Marinesoldaten können wesentlich mehr als ein Camp bewachen: Ihre Aufgaben erstrecken sich von Rettungs- und Evakuierungsoperationen, über den Schutz von Seewegen, Schiffen und Häfen, bis zur Abwehr asymmetrischer Bedrohungen und terroristischer Angriffe. Außerdem beherrschen die Soldaten das Entern und Durchsuchen von Schiffen und die Identifizierung und Bekämpfung von Kampfmitteln unter Wasser und an Land – beispielsweise Minen oder improvisierte Sprengfallen. Und damit sind die Eckernförder Profis in allen Einsätzen der Bundeswehr gefragt – ob im Indischen Ozean, im Mittelmeer vor der Küste Libyens, in Mali, Afghanistan oder vorm Libanon: Überall leisten Seesoldaten ihren Dienst.



Seebataillon: Vom Land zum Meer – vom Meer zum Land

Die etwa 800 Männer und Frauen des spezialisierten Bataillons wachsen derzeit auf rund 1.000 Soldaten auf. In diesem Jahr kommen unter anderem Amphibische Kräfte hinzu, die auf die Operationsführung am Übergang vom Wasser zum Lande spezialisiert sind – und zwar auch dort, wo keine Häfen vorhanden sind. „Vom Land zum Meer – vom Meer zum Land“ ist das Motto der grünen Marinesoldaten. Sie verfügen über ferngesteuerte Unterwasserdrohnen, Flugdrohnen, Speedboote und geschützte Fahrzeuge. Bald sollen auch kleine Kampfboote hinzukommen. Material und Kräfte werden für Einsätze maßgeschneidert zusammengestellt. „Tailored to the mission“ nennt man das in der Marine.

Auch in der internationalen Zusammenarbeit sind die Eckernförder Profis: Bis 2018 sollen sie im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Königlich Niederländischen Marine in das dortige „Korps Mariniers“ integriert werden, so heißen die Marineinfanteristen im Nachbarland. Stationiert bleiben sie aber nach wie vor in Schleswig-Holstein. Im Zuge dieser einmaligen Zusammenarbeit erhält die Deutsche Marine ein Mitnutzungsrecht an dem niederländischen Mehrzweckversorgungsschiff „Karel Doorman“ für Einsätze und Übungen. Einsätze und Übungen – das ist das Tagesgeschäft für die Seesoldaten, der Truppenübungsplatz ihr zweites Zuhause. An Land und auf See gehen sie unzählige Gefechtslagen durch – und wissen, was zu tun ist, wenn es ernst wird. Nicht nur im Hafen. 

Autor: Sascha Jonack