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Am Fallschirm ins Wasser

Soldaten mit gep

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Fallschirmjäger Luftlandepionierkompanie

Ein Soldat mit Schwimmwest sitzt in einem fahrenden Schlauchbott und beobachtet die Fallschirmspringer

Oberstabsgefreiter Schieber soll die Fallschirmspringer möglichst schnell aus dem Wasser ziehen.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

„Adrenalin hält warm“

Fallschirme werden gewaschen, um Äste, Steine und Dreck zu entfernen – und dieses Mal auch Fische. Die Luftlande­pionier­kompanie 270 aus Seedorf trainiert das Notverfahren Wasserlandung. Ein weißes Segel­boot hat sich auf dem idyllischen See in die Sicherheitszone gewagt. 400 Meter über den Seglern dröhnt ein Transport­flugzeug des Typs Transall hinweg. Auf beiden Seiten der Maschine springen Fallschirm­springer ab und nach wenigen Augenblicken stehen zehn Fallschirm­kappen am blauen Himmel.

Die Soldaten sinken schnell auf die Wasseroberfläche zu. Oberstabs­gefreiter Levin Schiebeler hat den Blick fest auf die Fallschirme geheftet. Er beobachtet die Flugrichtung noch einmal und stellt fest: Das Segelboot muss da jetzt weg! Sein Schlauchboot macht einen Satz nach vorn, als er den 40 PS starken Außenbordmotor aufdreht. Schnell nähert er sich dem Urlauber: „Sie müssen jetzt eine Kurve ziehen, sonst haben gleich Jemanden im Boot sitzen“, ruft der 24-Jährige dem verdutzten Skipper zu. Der reagiert und dreht ab – für Schiebeler ist die Sache erledigt. Er hat jetzt andere Sorgen: Die ersten Fallschirm­springer landen jeden Moment im Wasser. Jetzt muss der Hamburger sich beeilen, um so schnell wie möglich bei den Soldaten zu sein.


Ein Soldat kontrolliert Fallschirm und Ausrüstung in einer Halle.

Vor dem Sprung werden Schirm und Ausrüstung kontrolliert.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

Landung im Wasser garantiert

Es ist Mitte August. Das Zwischen­ahner Meer ist ein rund 550 Hektar großer See am Kurort Bad Zwischen­ahn in Nieder­sachsen. Jahr für Jahr kommt bei den Einwohnern und Gästen der sonst eher ruhigen Gegend mit hohem Erholungscharakter etwas Aufre­gung auf. Zwei Sprungtage hat die Luft­lande­pionierkompanie 270 hier organisiert. Im Mittelpunkt der beiden Tage steht das „Notverfahren Wasserlandung“. Der Leitende des Sprungdienstes, Major Georg Hanisch, erläutert die Notwendigkeit dieser Ausbildung: „Durch die sehr begrenzt steuer­bare Rundkappe kann es eben doch passieren, dass der Springer durch böige Winde auf ein Gewässer zutreibt – auf einen Fluss, einen See. Um dort die speziellen Verfahren einmal geübt zu haben, machen wir es hier bewusst so, dass der Springer zu 100 Prozent im Wasser landet.“


Nicht ungefährlich

Major Hanisch hat die Fäden in der Hand. Der Kompaniechef aus Seedorf koordiniert das gesamte Vorhaben: Startplatzorganisation, Pilotenbriefing, Einweisung der Absetzer und nicht zuletzt die Koordination der Abläufe am Absetzplatz, wo die Springer landen werden. Gerade das hat es bei diesem Springen in sich.

Die Transall hat 60 Springer an Bord. Alle könnten die Maschine normalerweise in einem einzigen Anflug verlassen. Jetzt ist das anders: Die Springer müssen von den Luftlandepionieren mit ihren Schlauchbooten aus dem Wasser gezogen werden. 60 Springer gleichzeitig zu erreichen, ist unmöglich. Also gibt es sechs Anflüge mit je zehn Springern. Sobald die Transall am Horizont erscheint, schwärmen die Schlauchboote aus. An Bord der Boote sind, neben dem Fahrer, zwei weitere Soldaten, die den Springern beim Verlassen des Wassers helfen.

Der Wassersprung ist nicht ungefährlich. Oberstabsgefreiter Schiebeler, der heute nicht nur mit dem Schlauchboot unterwegs ist, sondern auch selber springt, macht es deutlich. „Ich habe nicht viel Zeit in der Luft, die Aussicht zu genießen. Im Vergleich zu einer Landung auf dem Boden, habe ich viel mehr zu tun. Ich muss bereits vor der Landung anfangen, die Gurte vom Gurtzeug zu öffnen, damit ich nach der Landung einfach heraus­schwimmen kann.“

Pioniere helfen den Sein Soldat iprangern aus dem Wasser.

Pioniere helfen den Springern aus dem Wasser.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

Sich schnell vom Schirm zu trennen, ist im Wasser noch wichtiger, als an Land. Bekommt die Kappe noch einmal Wind und zieht den Springer hinter sich her, kann er trotz Schwimmweste unter Wasser gedrückt werden. „Im besten Fall habe ich das Gutzeug nicht mehr an, sondern in der Hand und übergebe es dann an die Kameraden in den Schlauchbooten“, beschreibt Schiebeler den geplanten Ablauf kurz vor dem Sprung. Obwohl er heute seinen 32. Sprung absolvieren wird, ist er etwas aufgeregt. „Die Nervosität ist eigentlich seit dem zehnten Sprung nicht mehr da. Aber das heute ist etwas Besonderes und ich freue mich sehr darauf.“ Schieber hat Glück, er ist heute sogar Türspringer. Das heißt, er ist der erste, der die Maschine verlässt. Das gibt ihm die Gelegenheit, noch ein paar Sekunden in der offenen Tür zu stehen, bevor der Absetzer ihm das Zeichen gibt, dass er springen kann.


Voller Adrenalin

Dieser Moment geht vorbei und der Absetzer schickt ihn auf die Reise. Während Schiebeler sich aus 400 Metern Höhe schnell der Wasseroberfläche nähert, beginnen seine Kameraden auf dem See die Zutei­lung – kurze Zurufe über das Wasser klären, wer welchen Springer am schnellsten errei­chen kann.

Kaum schlägt das Wasser über den Springern zusammen, sind die Boote auch schon da. Schiebeler kämpft etwas mit seinem Schirm, ist dann aber schnell an Bord. „Es war nicht perfekt“, erläutert er. „Im Wasser habe ich einen der beiden Beingurte nicht aufbekommen, und der Schirm hat mich unter Wasser gezogen. Das Boot war aber schnell da und ich konnte den Schirm übergeben.“

Den Sprung fand er trotzdem toll. „Das Wasser war gar nicht so kalt, wie ich erwartet hatte. Ich glaube das Adrenalin hat mich warm gehalten. Eine großartige Erfahrung.“ Aus dem kleinen Missgeschick mit dem Beingurt zieht er Motivation. Als er später am Tag im Schlauchboot am Außenbord­motor sitzt, beeilt er sich noch mehr, schnell bei seinen Kameraden zu sein.

Nach zwei Tagen Aufregung am Zwischenahner Meer kehrt die Ruhe zurück an den Kurort. Zumindest für ein Jahr – denn dann kommen die Fallschirmspringer zurück.


Sein Werdegang

Ein Soldat mit Schwimmweste sitzt in einem fahrenden Schlauchboot.

Abwechslung pur: Levin Schiebeler springt beruflich Fallschirm und fährt im Dienst Boot.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

Januar 2011Eintritt in die Bundeswehr beim Fallschirmjägerbataillon 313
April 2011Versetzung in die Luftlandepionierkompanie 270
Juli 2011Ziviler Schlauchbootführerschein in Klietz
November 2011Ausbildung zum Fallschirmspringer in Altenstadt
November 2012Führerschein Klassen CE in Eutin
Januar bis Juli 2013Einsatz als Kraftfahrer in Kundus, Afghanistan
Februar 2017Ausbildung zum Einsatzersthelfer B (erweiterte Erste Hilfe)
April 2017Einzelkämpferlehrgang in Hammelburg


Autor: Anika Wenzel